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Göttingen Filterkaffee – Zweiter Aufguss
Die Region Göttingen Filterkaffee – Zweiter Aufguss
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21:33 11.01.2019
Porzellankannen – ein schützenswertes Stück Kaffee-Kultur. Quelle: Foto: Weber
Göttingen

Versehentlich habe ich gemahlenen Kaffee statt Espresso gekauft. Wegen des unterschiedlichen Mahlgrades kann ich ihn in meinem Espressokocher nicht verwenden. Also habe ich meinen alten French-Press-Kaffeebereiter wieder aktiviert.

Eine Weile waren diese PressStempel-Kannen sehr angesagt. Man befüllt sie mit Kaffee und kochendem Wasser und drückt dann das Kaffeepulver mit dem Press-Stempel auf den Boden der Kanne. Mein Kaffee schmeckte erstaunlich gut. Trotzdem kaufte ich am nächsten Tag Espresso und vergaß die Tüte Kaffee fast. Bis mir eine ältere Dame einen von Hand aufgegossenen Filterkaffee servierte. Der Papierfilter steckte in einem Keramikaufsatz, der auf einer weißen Porzellankanne mit Goldrand thronte.

Abgesehen davon, dass die Dame einen Wasserkocher und keinen Tauchsieder verwendete, war alles wie früher. Sogar ihr gutes Kaffeeservice, das sie vermutlich nur benutzt, wenn sie Besuch hat. Der Kaffee der Dame schmeckte äußerst aromatisch und hatte nichts mit dem abgestandenen bitteren Büro-Kaffee zu tun, der sich im Zusammenhang mit Filterkaffee in meiner Erinnerung festgesetzt hat. Er wurde, egal in welchem Büro ich gearbeitet habe, literweise konsumiert. Selbst wenn ich sehr gründlich darüber nachdenke, fällt mir kein Mensch ein, der ihn wirklich gemocht hat.

Der Einzug monströser Kaffeevollautomaten stellte daher eine geschmackliche Revolution dar. Eine neue Kaffee-Kultur etablierte sich. Inzwischen findet sich eine kleinere Variante dieser Automaten selbst in Ein-Personen-Haushalten. Im Zuge dieser Entwicklung tauchten auch die Kaffee-Kapseln auf – ein UmweltDesaster.

Während ich also aus feinem Porzellan frisch aufgebrühten Filterkaffee nippte, fragte ich mich, wann aus dem Luxusgut Kaffee eigentlich dieses rund um die Uhr konsumierte Getränk geworden war, das Menschen heute unterwegs aus Plastikbechern in sich hineinkippen. Verschiedenste Arten von KaffeeKonsum habe ich schon in meinem Leben mitgemacht oder beobachtet. Und nun war ich wieder bei den Ursprüngen gelandet – bei einer Dame, die alle Kaffee-Episoden ignoriert hat.

Tatsächlich liegt sie voll im Trend. Von Hand aufgegossener Filterkaffee ist hip. Im Internet gibt es sogar Anleitungen für die Generation, die erst nach der Filterkaffee-Ära auf die Welt gekommen ist. Ich dagegen habe diese Zeit noch miterlebt, weshalb ich insgeheim an einen zweiten Aufguss denken muss. Trotzdem habe ich mir aus dem Keller meines Vaters den Keramik-Kaffeefilter meiner Oma geholt. Schließlich muss ich noch versehentlich gekauftes Kaffeepulver verbrauchen.

Sobald ich damit fertig bin, werde ich meinen Filterkaffee perfektionieren und Kaffeebohnen kaufen. Eine elektrische Kaffeemühle, sie ist hellblau-beige, habe ich im Keller meines Vaters nämlich auch gefunden. Unsere Omas hatten echt Ahnung von Kaffee.

Anke Weber Quelle: R

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Von Anke Weber

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