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Göttingen Maulwurfs-Bestattung
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05:00 23.11.2019
Der Maulwurf – ganz offensichtlich schutzbedürftig. Quelle: Anke Weber
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Wenige Tage, nachdem die Deutsche Wildtierstiftung Anfang November den europäischen Maulwurf zum Tier des Jahres 2020 ernannt hatte, trat der Maulwurf sichtbar in mein Leben. Er lag vor meinem Garagentor und war tot. Wie traurig. Gerade jetzt, da ihm – für einen aus dem Untergrund – doch ziemlich viel Ehre zuteilgeworden war und er sich genüsslich darin hätte suhlen können. Bestürzt sah ich mich nach einer naheliegenden Todesursache um. Herbstdepression? Steinschlag? Sturmschaden? Eine Katze vielleicht?

Da ich es nicht übers Herz bringe, tot in meinem Garten aufgefundene Tiere einfach ins Gebüsch zu werfen, hob ich eine kleine Grube aus, legte ein paar Laubblätter und schließlich den Maulwurf hinein. Ich finde Maulwürfe sehr niedlich, weshalb mich die kleine Bestattung wirklich ein bisschen traurig machte. Meine Empathie erfuhr in den darauffolgenden Tagen allerdings einen kleinen Dämpfer. Es türmten sich plötzlich unzählige Maulwurfshügel in meinem Garten auf. Wahrscheinlich die Familie des umgekommenen Tieres, die sich nun auf die Suche nach dem Vermissten gemacht hatte und meinen gesamten Garten durchwühlte. Es wurde jeden Tag schlimmer. Warum war der Maulwurf noch mal zum Tier des Jahres 2020 gewählt worden? Irgend etwas musste ja lobenswerter an ihm sein als seine ärgerlichen Hügel.

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Ärgerliche Maulwurfshügel?

Ich recherchierte, was den Maulwurf so schützenswert macht. Er steht nämlich unter Naturschutz. Obwohl er nicht bedroht sei, verdiene er wegen seiner ökologischen Funktion mehr Wertschätzung, hieß es. Frustriert sah ich meinen Garten an und versuchte, den ökologischen Vorteil von Maulwurfshügeln zu verstehen. Dass Maulwürfe Schnecken fressen, gefiel mir schon ganz gut. Außerdem soll sich die von Maulwürfen aufgeworfene Erde besonders gut zum Gärtnern eignen, weil sie aus dem tieferen Erdreich stammt und daher wurzelfrei und nährstoffreich ist. Pflanzen wachsen darin offenbar bestens. Ich hatte verstanden: Der Maulwurf wollte gar nicht mein Grundstück verwüsten, sondern mir nur kostenlose Pflanzerde schenken. Wie nett von ihm. Tatsächlich hatte ich ein paar Büsche einzupflanzen und sammelte dankbar die aufgeworfene Erde ein. Außerdem lauerte ich darauf, endlich mal einen lebendigen Maulwurf über Tage zu sehen. Aber das passierte leider nicht. Trotzdem beschäftigte ich mich weiter mit dem süßen Wühler und stellte fest: Er ist sogar ein Schatzgräber.

Ein dänischer Archäologe setzt Maulwürfe wirklich bei der Suche nach antiken Schätzen ein. Durch die Wühlerei kommen nämlich Scherben und Splitter an die Oberfläche. Maulwurfologie – so nennt der Archäologe diese besondere Form der archäologischen Grabung. Seit ich das weiß, beglückt mich jeder einzelne Hügel in meinem Garten. Bevor ich die Erde zum Pflanzen verwende, siebe ich sie in Zukunft durch. Könnte ja ein wertvoller Schatz drin sein.

Info:

Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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