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06:00 27.07.2019
Jede Blume hat ein Gesicht. Quelle: Weber
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Göttingen

Der größte Teil meines Gartens hat bisher gemacht, was er wollte. An den meisten Stellen ließ ich ihm die Freiheit. Vor Augen hatte ich jedoch eine schöne Augenweide, also kontrollierten, üppig blühenden und insektenfreundlichen Wildwuchs. In meiner Fantasie zupfte ich in einem duftenden Bauerngarten ein bisschen Unkraut, pflückte vor dem Abendessen ein paar Tomaten und schwitzte dabei nie. Sobald ich jedoch Hand anlegte, um meinem Ziel näher zu kommen, löste der Anblick des Dschungels aus

Anke Weber Quelle: R

Efeu, Traubenkirschen, Eichen und Dorngestrüpp jedoch zuverlässig eine Starre aus, die etwa beim dritten bis fünften Spatenstich einsetzte. Ich stieß auf widerspenstige Wurzeln, Pflastersteine längst nicht mehr sichtbarer Wege oder vor Jahrzehnten geleerte Schnapsflaschen. Eine Stunde und eine Schubkarre voller Grünzeug später gab ich regelmäßig auf, betrachtete den Quadratmeter Land, den ich dem Gebüsch abgerungen hatte und sah dem Dschungel in den darauffolgenden Wochen dabei zu, wie er sich die Fläche zurückeroberte. Bis eines Tages mein Mann zum Spaten griff und anfing, meinen Traum in die Tat umzusetzen. Mit Säge, Beil und Männerkraft fräste er sich zielstrebig durchs Gebüsch, während ich Äste auf Hänger lud, mich von ihm motivieren ließ und schließlich ebenfalls monströses Wurzelwerk aus dem Boden riss. Die Erde ist sehr trocken zur Zeit. Dunkler Staub setzte

sich in unsere Hautporen und abends hatten wir schwarze Popel in der Nase.

Nun, Wochen später, ist in einem Teil meines Gartens eine Sitzecke entstanden, um die ich meine Bauerngartenpflanzen in die vorbereitete Erde setzen kann. Beim Kauf von Lavendel traf ich eine Bekannte. Während ich zwei Pflanzen nahm, setzte sie jeden einzelnen der Töpfe auf den Boden und begutachtete die Blütenpracht von allen Seiten. Jede Blume habe schließlich ein anderes Gesicht, sagte sie. Und dass ihre Mutter auf die gleiche Art Blumen ausgesucht habe. An dieser Stelle konnte ich mitreden. Auch meine Mutter hat meine Geduld sowie die meines Vaters bei unzähligen Gärtnerei-Einkäufen hart auf die Probe gestellt. Einen Moment zögerte ich, zog dann aber doch mit meinem erstgegriffenen Lavendel los.

Zu Hause stellte ich die Töpfe von links nach rechts und von rechts nach links. Mein Mann meinte, die Pflanzen müssten nun endlich in die Erde und holte den Spaten. Ich stellte den Lavendel erneut von links nach rechts und von rechts nach links. Irgendwann durfte mein Mann Löcher graben. Als er die Erde andrücken wollte, stoppte ich ihn. Ich drehte den Lavendel linksherum und rechtsherum. Mein Mann sah mich fragend an. Jede Blume habe ein Gesicht, sagte ich, bevor ich mit ihm gemeinsam das Pflanzloch zuscharrte. Es staubte. Hinterher hatten wir wieder schwarze Popel. Hat aber nur der Lavendel gesehen. Sein Gesicht war direkt auf uns gerichtet.

Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author

facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin

Von Anke Weber

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