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Göttingen Meinungen von Tageblatt-Lesern zur Stadthallen-Debatte
Die Region Göttingen Meinungen von Tageblatt-Lesern zur Stadthallen-Debatte
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15:08 31.03.2019
Detailansicht der Stadthalle. Welche Meinung haben Tageblatt-Leser zu den Plänen von Stadtrat und Stadtverwaltung Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Die Debatte um die Zukunft der Stadthalle beschäftigt die Bürgerschaft ebenso wie die Mitglieder des Stadtrates und Vertreter von Kulturinstitutionen. Das Tageblatt hat vier Fragen gestellt und auch die Leserinnen und Leser aufgefordert, diese zu beantworten. Antworten kamen unverzüglich und teils sehr ausführlich zu diesen Fragen:

1. Stadthalle oder Multifunktionsbau – was braucht Göttingen?

2. Ist die Stadthalle aktuell am richtigen Standort untergebracht?

3. Was spricht für eine Sanierung der jetzigen Stadthalle?

4. Was spricht für einen Neubau?

Tom Schmidt: „Zu 1. Brauchen tun wir die Stadthalle. Die ist schon jetzt für viele Veranstaltungen geeignet, auch für solche, für die ein klassischer ,Multifunktionsbau’ eben nicht geeignet wäre. Wenn nun aus Versehen jemand aus Göttingen im Lotto gewinnt, und uns eine zusätzliche Halle für alles von Basketballspiele der BG bis zur kleinen Messe schenken möchte, dann könnten wir die sicher auch gebrauchen. Brauchen tun wir sie allerdings nicht.

zu 2. Natürlich. Sie ist eine Halle mitten in der Stadt. Das ist demokratisch, gut zu erreichen und hat Tradition. Veranstaltungen wie das Soundcheck Festival leben davon, dass man die Spielorte zu Fuß erreichen kann. Die Weihnachtsfeier von „Keiner soll einsam sein“ würde irgendwo, recht einsam am Stadtrand, auch keinen Sinn machen.

zu 3. Eine gute Bausubstanz, ein perfekter Standort, ein durchdachtes Konzept und vor allem auch die Tatsache, dass diese Sanierung schon begonnen hat.

zu 4. Mehr Flexibilität. Und die Chance, wirklich unplanbar viel Geld auszugeben. Und die Chance, die Göttinger Kulturlandschaft nach zehn Jahren ohne Stadthalle von Grund auf neu aufzubauen. Wer in den letzten Argumenten Ironie findet, darf sie behalten.“

Dr. Udo Wedeken aus Göttingen teilt mit: „1. Göttingen braucht einen Multifunktionsbau. 2. Die Stadthalle steht aktuell am richtigen Standort. 3. Die jetzige Stadthalle sollte auf jeden Fall saniert werden. 4. Für einen Neubau der Stadthalle ist einfach „der Zug abgefahren“. Dann hätte man die jetzige Stadthalle notdürftig weiter in Betrieb halten müssen bis eine neue Stadthalle an einem anderen Platz fertiggestellt wäre. Mehr als sieben Jahre ohne Stadthalle und Ausgaben von 63 Millionen Euro für einen Neubau – das hält unsere Stadt nicht aus, dann hätten wir vielleicht eine schöne neue Halle, aber kein Symphonieorchester mehr (könnten wir uns nicht mehr leisten).“

Carsten Linde aus Waake: „1. Göttingen braucht diese Stadthalle. 2. Der Standort ist gut, weil eingeführt und nahe am Zentrum, das heißt, die Halle ist gut zu Fuß zu erreichen. 3.Für eine Sanierung sprechen eindeutig die Kosten. Und auch: Der Etat für die Aufrechterhaltung des vielfältigen Kulturlebens muss erhalten werden. 4. Wenig, was nicht auch in der Lokhalle und der Stadthalle und anderen Venues der Stadt stattfinden kann.“

Uta Quasthoff: „1. Göttingen braucht eine Stadt-und Multifunktionshalle. 2. Standort genau richtig! 3. Alles. 4. Nichts.“

Dieter Lesche aus Göttingen: „Göttingen braucht auf jeden Fall diese Stadthalle, sie hat sich bisher bestens für alle Möglichkeiten bewährt! Einen besseren Standort als den jetzigen kann ich mir nicht vorstellen. Die Sanierung ist auf jeden Fall kostengünstiger und vor allen Dingen schneller als ein Abbruch und Neubau! Nichts spricht für einen Neubau – zu teuer und Bauzeit zu lange! Die jetzige Fassade sollte auf jeden Fall erhalten bleiben, sie ist ein Ausdruck der Zeit! Ich hätte mir nur gewünscht, dass die jetzt geführten Diskussionen und Kostenermittlungen vor einer Schließung erfolgt wären!“

Jürgen Fricke aus Göttingen: „1. Multifunktionsbau. 2. Ja/Nein, da zentral gelegen, aber nicht genügend Parkraum zur Verfügung steht; der Bau einer Tiefgarage erscheint mir unrealistisch, mit der Nähe zur Albanikirche. 3. Zentrale Lage.

4. Optimalere Anpassung an aktuelle Bedürfnisse und längere Nutzungsdauer. Der Standort Lokhalle liegt ebenfalls nah am Stadtzentrum und bietet bereits ein Parkhaus. Hier wäre Platz für eine neue Stadthalle. Weite Wege gibt es in Göttingen nicht; sonst ist es bereits außerhalb. Die alte Stadthalle sollte meines Erachtens bis zur Fertigstellung des Neubaus wieder aktiviert werden, es sei denn, sie ist baufällig. Eine Wiederinstandsetzung würde zwar auch einen gewissen finanziellen Aufwand bedeuten; dieser wäre aber für den Erhalt kultureller Ereignisse für die Dauer der Bauzeit des Neubaus gut angelegt. (Es kann ja eigentlich nicht sein, dass die alte Stadthalle bereits zerstört wurde, bevor die Variante eines Neubaus, an anderer Stelle, abschließend geprüft wurde.) Die Finanzmittel für den Neubau könnten so auch über einen längeren Zeitraum beschafft/geplant/beantragt werden.“

Wedig Kausch-Blecken von Schmeling aus Bovenden zu Frage 3: „Sanierung vermeidet zahlreiche unvorhergesehene Klagen bei einem Neubau und deren ggf. unendlich verzögernde gerichtliche Behandlung. Beispiel: Der neue Streckenblitzer verletzt ,Persönlichkeitsrechte‘!

Klagen wegen Lärm und Sicht, Verkehr und Grünflächen, Erholungswerten, Wasserfragen, Hochwasser-Überschwemmungsgebiet bei zunehmenden Unwettern, Parken und vielen anderen unvorhersehbaren Dingen/Themen möglich. Zeitliche Verzögerungen und Kostenerhöhungen wie beim Flughafen Berlin sind bei ,Sanierung‘ viel weniger zu erwarten als beim Neubau an anderer Stelle.

Nach mehreren Jahren GSO-Konzerte in der Lokhalle werden die Abonnenten abspringen, das fängt jetzt schon an. Wir machen höchstens drei Jahre mit, dann ist Schluss. Bei einer Entscheidung für einen Neubau werden wir schon in diesem Sommer das GSO-Abonnement nicht mehr verlängern.“

Dr. Bettina Lange-Malecki aus Göttingen: „Die wiedereröffnete Diskussion um die Zukunft der Stadthalle zeigt, dass die sie nutzenden Besucher sehr wohl einverstanden waren mit dem jetzigen Standort, zu dem viele aus den nahen Wohnvierteln nicht nur mit dem Auto, sondern auch zu Fuß gekommen sind. Dass nun wieder über andere Standorte fantasiert wird, erscheint geradezu grotesk. Eine Mehrzweckhalle existiert mit der Lokhalle, daneben brauchen wir keine zweite, außerdem ist mit der Sparkassenarena weiterer Veranstaltungsplatz vorhanden. Göttingen braucht nach wie vor eine vernünftige Konzerthalle am jetzigen Standort im Wohnbereich, und je länger die Entscheidung dafür blockiert wird, desto mehr läuft die gesamte dort auftretende Kulturszene in Gefahr, Publikum zu verlieren!

Witzig, sich im kleinen Göttingen für Bahnhofnähe auszusprechen, von wo aus man in 10 min zu Fuß zur Stadthalle laufen kann! Die Debatte sollte nach den sich stets wiederholenden Argumenten schnellstmöglich in vernunftsorientierte Handlungen münden, und wenn Gelder fehlen, sei nicht nur gejammert, sondern kreativ überlegt, wie weitere Gelder beschafft werden könnten. Beherztes Engagement kann vieles erreichen. Wir brauchen auch keine Straße vor der Stadthalle, sondern eine Tiefgarage unter und mehr Grün auf dem Albaniplatz. Liebe Ratsmitglieder, entscheidet bitte zügig und bringt eine gute Sanierung voran, damit die reichhaltige Göttinger Kulturszene, die verglichen mit anderen Städten derselben Größe wirklich etwas Besonderes ist, nicht den Bach runtergeht. Ihr tragt dafür Verantwortung!“

Manfred Schulz aus Göttingen: „zu 1. Göttingen braucht eine Stadthalle für die Veranstaltungen, die bisher in der Stadthalle stattgefunden haben.

zu 2. Die Stadthalle ist am Albaniplatz richtig untergebracht. Sie ist gut zu erreichen. Auch Auswärtige können z. B. durch direkte Buslinien vom Bahnhof zur Stadthalle kommen.

zu 3. Eine Sanierung ist viel preiswerter. Vor allem ist eine Sanierung viel schneller realisierbar als ein Neubau. Ich vermisse die Räumlichkeiten der Stadthalle schon jetzt sehr. Z.B. war für das Galakonzert der Händel-Festspiele 2019 in der Jacobikirche schon am ersten Tag des freien Kartenverkaufs bis auf einige Nischenplätze alles ausverkauft. Auch für das Göttinger Symphonieorchester ist kein vergleichbarer Saal vorhanden. Daher muss schnell ein Ersatz geschaffen werden. Das geht nur durch eine schnelle Sanierung der Stadthalle. Den Argumenten von Herrn Dienberg (Baudezernent) und Frau Broistedt (Kulturdezernentin) in den Tageblatt-Berichten stimme ich in vollem Maße zu.“

zu 4. Wenn die Sanierung wie angegeben zu einer technischen und optischen Halle in Neubauqualität führt, spricht nichts für einen Neubau. Wichtig ist, das nun endlich schnell gehandelt wird, damit nicht noch mehr Zeit verloren geht.“

Georg Stolarski aus Göttingen: „Frage 1: Wenn die Bürgerinnen und Bürger weiterhin „kleine Veranstaltungen“ mit „kleinen Künstlern“ besuchen möchten, ist eine Stadthalle, wie sie jetzt ist, richtig. Wenn man aber „große Veranstaltungen“ mit „großen Künstlern“ nach Göttingen holen möchte, kommt man an einer Multifunktionshalle nicht vorbei. Entscheiden sollten hier nicht die Politiker, die ihre eigenen Politinteressen durchboxen möchten, sondern das Kulturamt und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Göttingen – denn deren Interessen haben die gewählten Parteien umzusetzen. Ich persönlich fahre oft in andere Städte und Multifunktionsstätten, um mir „große Künstler“ oder Fernsehaufzeichnungen anzuschauen.

Frage 2: Wenn die Stadthalle als kleiner Veranstaltungsort bleiben soll, ist der derzeitige Standort zwar nicht optimal, aber gut. Lediglich die Verkehrsanbindung und Parkplatzsituation ist dürftig. Man sollte doch hier ortskundige Planer einschalten, die diese Region kennen und das Verkehrsgeschehen in Göttingen täglich erleben – Fachbücher helfen da leider nicht viel, denn Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Eine Multifunktionshalle wäre an diesem Standort völlig fehl am Platz, verkehrstechnisch nicht machbar.

Frage 3: Für eine Sanierung spricht nur die kleine Lösung. D. h. „kleine Veranstaltungen“. Wobei die Technik und das Flächenkonzept sicherlich nicht auf den aktuellen Stand erweitert werden. Denn die damalige Statik ist für derartige Änderungen nicht ausgelegt. Es werden wesentlich mehr statische Lasten, vielleicht sogar Verkehrslasten, eingebaut werden müssen. Neue Durchbrüche etc.. Das hat zur Folge, dass die statische Konstruktion erweitert werden muss, zum Teil sicherlich bis in die Fundamentebene hinein. Es werden also während der Sanierungszeit weitere Probleme und somit Mehrkosten auftreten, die jetzt noch gar nicht berücksichtigt sind. Im Übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass ein neuer Planer bei gleichen Vorgaben und Planungszielen derart höhere Kosten anzeigt, der Grund ist sicherlich intern zu suchen.

Frage 4: Für einen Neubau, egal ob Stadthalle oder Multifunktionshalle, spricht die Tatsache, dass, bei solider Planung, tatsächlich aktueller Standard in Technik, Flächenkonzept, Nutzerorientierung und Verkehrsanbindung erstellt wird (vom Fundament bis zum First). Und eine Bauzeit von sieben Jahren ist an den Haaren herbeigezogen, man braucht halt Gegenargumente. Leistungsfähige Planer und Baufirmen, die ein schlüssiges Konzept bekommen, kommen wesentlich schneller ans Ziel. Mehrkosten entstehen dann nur bei grober Fahrlässigkeit der Vertragsparteien, Umplanungen und Planungsänderungen sowie durch politischen Willen oder Unwillen.“

Andrea Mittelstädt: „1. Die Stadt besitzt bereits einen Multifunktionsbau in der Lokhalle. Was wir benötigen, ist ein angemessener Ort für kulturelle, wissenschaftliche und gesellschaftliche Anlässe mit guter Akustik und Erreichbarkeit für alle, einen kulturellen Mittelpunkt der Stadt.

2. Konzerte des Symphonie-Orchesters am Stadtrand? Die Händel-Festspiele am Stadtrand? Weihnachtsfeier von Keiner-soll-einsam-sein am Stadtrand? Wer so etwas verlangt, hat nicht begriffen, was eine Stadt im Innersten zusammenhält.

Die Stadthalle als Konzerthalle ist eine kulturelle Einheit mit dem Theater, den Museen und den großen Kirchen. Sie ist für viele zu Fuß oder mit dem Bus erreichbar (wobei die Busanbindung ab 22 Uhr besser sein könnte). Viele Gäste besuchen nach den Stadthallenveranstaltungen noch Gaststätten und Restaurants in der Innenstadt. Gedanken machen müsste sich die Stadt über die Parkplatzsituation. Der Albani-Platz als Parkplatz ist notwendig, aber hässlich.

3. Die jetzige Stadthalle, nach ihrem Bau oft verspottet, ist längst zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Sie ist in ihrem äußeren Erscheinungsbild etwas Besonderes und hebt sich durchaus von der tristen Betonarchitektur anderer Stadthallen ab (übrigens auch von einigen Entwürfen zur Sanierung). Warum sollte man das zerstören?

4. Für mich gibt es keine schlüssigen Argumente für einen Neubau. Er wäre zu teuer, dauerte zu lange und zerstörte ein Wahrzeichen der Stadt.

Dieter Boehler: „Zu 1. Sie sollte wie gehabt Multifunktionshaus bleiben. Zu 2. Sie sollte dort bleiben. Zu 3. So schnell wie möglich muss die Stadthalle saniert werden, denn sie fehlt schon jetzt. Die Aula ist für ein Symphonieorchester z. B. einfach zu klein.“

Bernard Fischer-Khonsari aus Göttingen: „Zwar war ich schon manches Mal seit 1993 in der Stadthalle, aber nie gerne. Häufig haben die auftretenden Künstler sich gar über die Hässlichkeit der Stadthalle von Innen und Außen lustig gemacht - zu Recht, wie ich finde. Ich bin häufig nur deshalb nicht zu Veranstaltungen gegangen, weil sie in der Stadthalle stattfanden. Ein Rock- oder Jazzkonzert in der Stadthalle? Nein danke, ind der Regel ohne mich.

In meinen Augen ist sie das unansehnlichste Veranstaltungsgebäude, dass Göttingen zu bieten hat. Ich würde es begrüßen, wenn Innen und Außen eine deutliche Veränderung erfahren, weg von Kachelofenoptik und Gemeindesaalatmosphäre. Ob man das mit Sanierung hinbekommt? Ich bezweifle es.

Auch gehe ich davon aus, dass die Sanierung noch erheblich teurer wird als jetzt veranschlagt. Und die angekündigten Kosten für einen Neubau sowie die veranschlagte Plan- und Bauzeit von sieben Jahren halte ich für übertrieben. Es heißt ja, man soll schlechtem Geld nicht noch gutes hinterherwerfen. Ich fürchte, das würde man bei einer Sanierung tun.

Auch den Standort finde ich zumindest diskussionswürdig. Göttingen ist ja flächenmäßig nicht allzu groß, auch ein Standort in Bahnhofsnähe wie die Lokhalle (ein in meinen Augen wesentlich besserer Veranstaltungsort) lässt sich fußläufig in wenigen Minuten erreichen.“

Dr. Inge Schulz aus Göttingen: „1. Wir brauchen weiterhin ein Multifunktionsgebäude mittlerer Größe, in dem beispielsweise Musik ohne Verstärkung gespielt werden kann.

2. Ja, da innenstadtnahe.

3. Die vergleichsweise Kürze der Sanierungsdauer im Gegensatz zu einem Neubau mit insgesamt niedrigeren Kosten als beim Neubau. Dies aber nur unter der Voraussetzung einer vollständigen Entkernung mit innerem „Neubau“ und einer eindeutigen Verbesserung der Parkplatzsituation. Diese ist absolut defizitär, insbesondere bei gleichzeitiger Bespielung von DT und Stadthalle.

4. Nur, wenn Punkt 3. nicht realisierbar ist.“

Rosemarie Schroeder: „Zu 1.: Göttingen braucht die Stadthalle. Zu 2.: Der jetzige Standort ist optimal!! Zu 3.:Die Sanierung wäre deutlich billiger,es muss ja nicht alles entsorgt werden, es gab im vorigen Jahr sehr kreative Vorstellungen seitens der jeweiligen Planungsbüros, z.B.:Wiederverwendung der Kacheln an der Fassade u.a.. zu 4.:NICHTS spricht für einen Neubau.“

Thomas Burgdorf aus Rosdorf: „ Zu 1. Für mich stellt sich nicht die Frage, es kann nur eine Multifunktionshalle sinnvoll sein. Alles andere ist für die nachfolgenden Generationen nicht sinnvoll. Nur weil wieder einmal ein kleiner Kreis der Meinung ist, die Weissheit für sich gepachtet zu haben, wird wieder einmal provinziell gedacht, anstatt in die Zukunft zu schauen.

Es gibt Pläne für eine Halle hinter der Lokhalle, diese existieren schon lange, dafür gab es schon einen Wettbewerb. Warum werden diese nicht einfach genutzt und so abgewandelt, das sich alle damit identifizieren können.

Diese Halle könnte nicht nur die Lösung für eine Stadthalle, sondern auch für die Erweiterung der Lokhalle sein.

Man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe, und rechtfertigt so auch evt. höhere Baukosten.

Zu 2. Die Standortfrage sollte dann auch beantwortet sein. Hinter der Lokhalle ist genug Platz und dies ist genau so zentral innerhalb Göttingen wie der Albaniplatz, und die Parkplatzsituaton wäre wesentlich besser zu regeln.

Zu 3. Gar nichts. Der Bau ist aus den 60iger Jahren und soll jetzt kernsaniert werden, um dann vielleicht weitere 30 Jahre durchzuhalten oder auch nicht.

Zu.4. Alles. Ein neuer Standort, ein modernes den heutigen Standards entsprechendes Gebäude, auf dem neuesten Stand der Technik, geeignet für Konzerte des GSO, genauso wie für Tagungen, Messen, vielleicht sogar für Sportveranstaltungen. Denn auch die S-Arena dürfte auf Dauer zu klein werden. Vielleicht einfach mal nicht nur 20, sondern 50 oder 60 Jahre weiter denken, dann sind auch Baukosten von 65 Millionen Euro gerechtfertigt.

Hatten wir diese Diskussion nicht auch bei der Lokhalle, ob sie nötig sei oder nicht, und ist sie heute noch wegzudenken aus der Kulturlandschaft in Göttingen. Nein, natürlich nicht. Also, Mut zu großen Taten und nicht wieder klein kein.“

Christine Schaab-Engels aus Göttingen: „1. Göttingen braucht eine Stadthalle als Multifunktionsbau, dies steht außer Frage. Die jetzige Stadthalle ist für viele Zwecke geeignet und sollte dies auch in Zukunft sein.

2. Die Stadthalle ist am richtigen Standort untergebracht. Ich stimme allen Argumenten von Kulturdezernentin Petra Broistedt und den Mitgliedern des Städtebaubeirats für den Erhalt der Stadthalle am jetzigen Standort zu. Die Lage ist ideal. Warum sollte die Stadthalle in der Nähe der Lokalle stehen oder gar ein Anbau dieser werden? - Ich bin im übrigen sehr froh, dass die Lokhalle damals nicht auch abgerissen wurde, sondern an diesem Standort ebenso für vielfältige Zwecke geeignet ist.

3. Der „Kachelofen“ gehört zu Göttingen wie das „Deutsche Theater“, das Alte und Neue Rathaus und der Gänselieselbrunnen, so wie viele andere markante Gebäude auch. Diese „Wegwerfmentalität“ ist mir zuwider, bzw. den Abriss von erhaltenswerten Gebäuden lehne ich ab. Er hat sich schon in der Vergangenheit als falsch erwiesen, siehe Reithalle.

Die markante farbige Kachelfassade ist originell und ein Alleinstellungsmerkmal in der Baukunst der 60er Jahre und wirkt immer noch modern. Der Bau wirkt von außen und innen solide und klassisch und strahlt überall eine angenehme Atmosphäre aus, so dass man sich auf den verschiedenen Ebenen wohlfühlt. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass man diese schöne Stadthalle so verkommen ließ, dass eine Sanierung in Frage gestellt ist. Dass die Stadthalle in den letzten Jahrzehnten nicht ordentlich instandgehalten wurde, ist ein großer Fehler, der sich nun rächt, und muss eben jetzt bei der Sanierung teuer bezahlt werden. Es sind nicht nur Nachhaltigkeitsgründe und moralische Bedenken, sondern emotionale Gründe, die für die Erhaltung der Stadthalle sprechen.

Ich fasse es nicht, dass sich bei einer Umfrage auf dem Marktplatz 80 Prozent der Befragten für einen Abriss ausgesprochen haben sollen. Ich meine, dass viele Göttinger und Göttingerinnen so wie ich es sehr bedauern, wenn die Stadthalle weg ist. Ein Stück Göttinger Stadtgeschichte würde wegbrechen und wäre unwiederbringlich verloren. Gerne würde ich dafür z.B. auf das "Kuqua" verzichten und das Geld dafür in die Sanierung der Stadthalle stecken.

4. Für einen Neubau spricht meiner Meinung nach gar nichts, denn wir besitzen bereits eine sehr schöne Stadthalle. Ich bezweifle, dass ein Neubau notwendig und sinnvoll ist.“

Elke Schauer-Rauschecker: „Zu 1.: Die Stadthalle war schon immer ein Multifunktionsbau – Bälle, Kongresse, Kabarett, GSO und … und … und. Was soll die erneute schwachsinnige Diskussion?Zu 2.: Der Standpunkt ist ideal – auch für jemanden wie ich, der in Bovenden wohnt, betagt ist, und mit Bus und Sammeltaxi an allen Veranstaltungen teilnehmen kann, wenn es mir witterungsbedingt nicht angenehm ist, mein Auto zu benutzen. Außerdem hat man vor oder nach den Veranstaltungen noch die Möglichkeit sich in der umgebenden Gastronomie auszutauschen- den Abend vorher mit einem Essen zu genießen - oder hinterher mit einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

Zu 3. : Aufgrund steigender Mindestlöhne und Materialkosten dürfte es den zuständigen Beteiligten der Stadt und aller Parteien doch von Anfang an klar gewesen sein, dass die Baukosten sich erhöhen werden. Wenn jetzt der Streit noch Monate- oder Jahrelang weiter geht, dann wir weder die Sanierung noch ein Neubau nicht in 7 sondern – wenn es gut geht – in 10 – 15 Jahren realisiert. Denken Sie an den Fachkräftmangel und die Schwierigkeiten, die die Bauindustrie und alle Zulieferer heute schon haben. Man mag sich nicht ausdenken, wie das in der Zukunft noch ausartet. Kultur in Göttingen ade!!!

Zu 4.: Schlichtweg gar nichts.“

Otfried Wolf: „1. Die Stadthalle ist schon eine Multfunktionshalle und wird das auch nach der derzeit Planung in besserer und auf die Zukunft hin orientierter Qualität bleiben.

2. Eindeutig JA!

3. Alle vernünftigen Argumente, außerdem hat die Sanierung längst begonnen und es hat nach 5 - 7 jähriger kontroverser Diskussion, Recherche und Planung ein mehrheitliches Votum des Göttinger Rates für die inzwischen schon vorbereitete Sanierung gegeben!!!

Stoppt den Sanierungsstopp, fangt an zu bauen!!! Jeder Tag an dem die Arbeit ruht erhöht die Kosten! Wenn diese aus dem Ruder zu laufen drohen, dann müssen eben, wie das ein vernünftiger Bauherr auch tun würde, ein paar Abstriche gemacht werden.

4. Nichts dafür, alles dagegen: mindestens doppelte Kosten, dreifache Bauzeit und die Zukunft unserer Kinder gestalten sie schon selbst in ihrem Sinne.“

Hella Sauerland aus Göttingen: „1. Göttingen braucht die Stadthalle mit Multifunktionscharakter wie bisher. 2. Ja, es ist der richtige Standort. 3. Die Kosten im Falle eines Neubaus. 4. Garnichts.

Barbara Schäfer aus Klein Lengden: „1. Stadthalle 2. Ja!! Ein Umfeld, in dem man sich in den Pausen gern aufhält. Außerdem kommen zahlreiche Besucher zu Fuß. 3. Siehe oben 4. Nichts!!!“

Dr. Peter Götz von Olenhusen, Vorsitzender des Landschaftsverbandes Südniedersachsen: „1. Göttingen braucht ein adäquates Veranstaltungszentrum, in dem die Kulturschaffenden gute Voraussetzungen finden und Besucher sich wohl fühlen können.

2. Es gibt gute Gründe für den Standort in der Innenstadt, vor allem Eingebundensein in die Kulturlandschaft der Stadt, Belebung der Innenstadt und Synergieeffekte kulturellen Lebens. Die Erreichbarkeit von außerhalb kann durch pfiffige Shuttle-Lösungen verbessert werden. Wird nicht bald das autonom fahrende Auto die Besucher zur Stadthalle bringen und abholen?

3. Dass die Stadthalle nach vielen Jahrzehnten saniert werden muss, ist nicht überraschend. Die Sanierung ist vorbereitet und bringt Göttingen alsbald ein modernisiertes Kulturzentrum. Verlängern Planung und Umsetzung eines Neubaus die Zeit, in der keine Kulturveranstaltungen stattfinden?

4. Ein Neubau lässt in jedem Fall mehr Gestaltungsfreiraum. Eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Analyse und Abwägung muss sein, dann sollte beherzt ein Entschluss gefasst werden, der Göttingen in nicht zu ferner Zukunft eine angemessene Kulturstätte bringt.“

Angelika Haddinga: „1. Göttingen braucht eine Multifunktionshalle.

2. Der Standort Albaniplatz ist richtig.

3. a) Wir brauchen die Stadthalle so bald wie möglich, sie fehlt schon jetzt sehr.

b) Ein Neubau oder Anbau, der erst in einigen Jahren ausgeschrieben werden könnte, kann sicherlich nur teurer werden als die jetzige Sanierung.

c) Jetzt kann die Stadt die Sanierung finanzieren. Ob sie in einigen Jahren einen Neubau finanzieren kann, ist mehr als ungewiss.

4. Für einen Neubau spricht nichts. Wer sich jetzt gegen die Sanierung entscheidet, wird wahrscheinlich am Ende gar keine Stadthalle haben.“

Dr. Thomas Berger-v.d.Heide aus Göttingen: „Alles spricht für die Fortführung der Kernsanierung, vor allem die Aussicht, dass die erneuerte Stadthalle ab 2021 wieder zur Verfügung steht. Mit den beteiligten Firmen sollte man einen Festpreis vereinbaren, um auf der sicheren Seite zu sein.“

Achim Hofmann aus Bovenden: „1. Wir brauchen eine Stadthalle (sie ist ja heute schon in kleinerem Maßstab eine Multifunktionshalle)

2. Der Standort ist optimal - mehr Parkplätze wären wünschenswert

3. Für eine Sanierung sprechen einwandfrei die Kosten

4. Ein Neubau wäre viel zu teuer, die veranschlagten Kosten sind sowieso „gelogen“ - denn es wird mit Sicherheit erheblich teurer!“

Anna-Luise Hofmann aus Bovenden: „1. Göttingen braucht auf jeden Fall eine Stadthalle (im Prinzip ist sie ja heute auch schon eine Multifunktionshalle)

2. Der Standort ist optimal und sehr gut zu erreichen. Einzig mehr Parkplätze wären angebracht

3. Für eine Sanierung sprechenauf jeden Fall die Kosten

4. Ein Neubau wäre viel zu teuer, die veranschlagten Kosten sind sowieso erheblich zu tief gestapelt - denn es wird mit Sicherheit erheblich teurer (siehe auch andere Projekte - BER, Stuttgart 21, Elbphilharmonie usw.)!“

Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl ist der Meinung, dass Göttingen „vorrangig eine Stadthalle“ benötige, und zwar „mitten in der Stadt“. Auf die Frage 3 antwortet er: „Vom Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk gibt es ein Manifest für Kulturbauten, in dem er unter anderem proklamiert dass wir statt ’Gross und Teuer’ ’Klein und Billig’ brauchen. Dieser Grundsatz sollte auch bei der Stadthalle gelten. Die Zeit großspuriger Kulturbauten ist vorbei.“ Für einen Neubau hingegen spreche „nichts“, so Steidl.

Rainer Kallmann aus Göttingen: „Frage 1: M.E. braucht Göttingen keine so genannte Multifunktions- (früher genannt: Mehrzweck-) Halle, sondern eine Einrichtung für Musik- und Sprechveranstaltungen jeder Art mit bis zu 1.200 Plätzen. Eine Stadthalle ist also die unbedingt erforderliche Einrichtung zwischen Lokhalle und S-Arena.

Frage 2: Die Stadthalle ist aktuell (und zukünftig!) am richtigen Ort. Sie wurde nachweislich von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern fußläufig erreicht. Außerdem ist der Standort gut an den ÖPNV angebunden und kann mit dem Fahrrad erreicht werden. Selbst die Parkplatzsituation ist zumeist ausreichend, wenn auch sicher verbesserungsfähig. Nach den Veranstaltungen konnte außerdem das gastronomischen Angebot der Innenstadt ebenfalls gut wahrgenommen werden, so dass mit einem Verlust des bisherigen Standorts weitere ökonomische Vorteile wegfallen würden.

Frage 3: Aus meiner Sicht spricht alles für eine Sanierung, wobei hervorgehoben werden muss, dass keine Sanierung im landläufigen Verständnis geplant ist, sondern eine Kernsanierung. Kernsanierung bedeutet, dass von der „alten Stadthalle“ nur die intakten Außenwände erhalten bleiben, während das Innere völlig erneuert wird. Dies geht ausweislich der vorliegenden Pläne von der aufwändigen Erneuerung der gesamten Technik über die optische und akustische Neugestaltung des Saals und der Nebenräume bis hin zu den Künstlergarderoben. Von Ausschlag gebender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang zudem der Zeitfaktor. Da wesentliche Vorarbeiten seit 2012 (!) bereits geleistet wurden, könnte alsbald mit dem Bau begonnen werden, so dass das Gebäude innerhalb verträglicher Zeit wieder zur Verfügung stünde.

Frage 4: Neben den denknotwendig höheren und bei weiterem Zeitverlust weiter steigenden Kosten spricht m.E. wiederum der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Wenn bis zur Realisierung sieben Jahre vergehen sollten, was für die bekannten Göttinger Verhältnisse sogar außerordentlich schnell wäre, würde dies voraussichtlich das Ende der Händelfestspiele, der Kunstgala des GSO und zahlreicher anderer Veranstaltungen bedeuten; denn die mit wechselnden Spielorten für das Publikum und die Künstlerinnen und Künstler verbundenen künstlerischen und organisatorischen Herausforderungen sowie die finanziellen Einbußen können nur über einen begrenzten Zeitraum gemeistert werden. Wenn insoweit geltend gemacht wird, eine Mehrzweckhalle könne kostengünstig in zwei Jahren erstellt werden, so ist dem entgegen zu halten, dass eine Halle „von der Stange“ den an eine Stadthalle zu stellenden Anforderungen nicht gerecht werden kann.“

Alfons von Uslar

1. Gö konkurriert mit attraktiven Metropolen um talentierte Arbeitskräfte sowie nationale und internationale Studenten. Dafür braucht Gö eine belebte beliebte Innenstadt mit Fachwerk + Kultur + Gastroszene. Und dazu gehört die Stadthalle mit ihrer markanten ‚vintage’ Kachelfassade. Das Gebäude ist inzwischen selbst Kult!

2. Ja - Kultur gehört in die Innenstadt!

3. Dafür spricht Zeit, Geld und die Kacheln! Denn die Sanierung geht schneller, ist billiger und erhält im Wesentlichen den einmaligen Look des Gebäudes. Und dafür wird es von innen modern.

4. Was für die Stadthalle spricht, spricht gegen den Neubau. Und falls dieser architektonisch anspruchsvoll -wie an der Elbe- ausfallen soll, würde es wohl noch länger dauern und noch teurer werden.

Arbeitskreis „Das besondere Geschäft in den Seitenstrassen“

1: Die Stadthalle ist wichtiger und erfüllt viele Aufgaben.

2: Ja,denn die Lage ist ideal für Busanbindung, Fußgänger, Pkw, Taxi und Fahrräder, zentral und in Nachbarschaft zu Theater etc.

3: die Eigenwilligkeit des Entwurfs, die geringeren Kosten, die schnellere Umsetzung

4: nichts

Podiumsdiskussion: „Eine Stadt und Ihre Halle“

Die Debatte um die Sanierung der Stadthalle ist im Februar neu in Gang gekommen: Die Baukosten steigen auf voraussichtlich 30 Millionen Euro. Deshalb will die Mehrheit der Mitglieder des Stadtrates Göttingen erneut entscheiden. Über das Problem muss nicht nur im Rat der Stadt geredet werden. Das Deutsche Theater und das Göttinger Tageblatt wollen am Sonntag, 31. März, ab 16 Uhr die Stadthalle, ihre Nutzung und ihren Nutzen in sanierter oder neuer Form zum Thema machen: „Eine Stadt und Ihre Halle“.

An der Diskussion „Eine Stadt und Ihre Halle“ auf der Bühne des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11, am Sonntag, 31. März, ab 16 Uhr nehmen teil: Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD); Olaf Feuerstein, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Göttingen; Robert Marlow, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen; Ratsfrau Dr. Dagmar Sakowsky (Bündnis 90 / Die Grünen); Thomas Wedrins, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt; Tobias Wolff, Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Moderiert wird die Veranstaltung von Tageblatt-Redakteur Peter Krüger-Lenz.

„Göttinger Stadt-Musik“ von Tageblatt-Leser Johann Hinrich Peters

Eine Stadthalle kann ein braves Pflänzchen sein, das alle Aufgaben erfüllt, die ihm die Stadtplanung zuweist. So geschehen in Göttingen vor Jahrzehnten, und alle leiden bis heute darunter.

Oder ein Konzertsaal bekommt Flügel, und dann pilgern die Hörer von weither, um die sagenhafte Akustik zu genießen. So geschehen in Hamburg beim Bau der Elbphilharmonie. Hier wurde die große Akustik erkauft, indem man den besten Akustiker der Welt bereit war einzuspannen. Der Göttinger Traum ist, einen spektakulär klingenden Konzertsaal zu besitzen, der wie ein Magnet wirkt, und dies am besten mit dem geringsten Zeitverzug und zu erträglichen Kosten. Unvorstellbar? Ich schlage hier einen Mittelweg vor, der an anderer Stelle real verwirklicht worden ist! Sollen wir etwas kopieren? Nicht kopieren, aber die besten Ideen übernehmen und weiterentwickeln.

Die Elbphilharmonie ist nicht der einzige gut klingende Konzertsaal in der Welt. Für Viele, auch für mich, steht der Musikvereinssaal in Wien an der allerhöchsten Stelle. Der klangliche Unterschied? Die Elbphilharmonie ist von einer großen akustischen Klarheit, die ihren eigenen Reiz hat. Aber der Raum, die Wände, bleiben unbeteiligt, neutral. Im Musikvereinssaal, dem „Goldenen Saal“, atmet der ganze Raum mit, der Boden schwingt mit der Musik, über die Wände werden die benachbarten Räume akustisch „angekoppelt“.

Als man das im Krieg weitgehend zerstörte Schinkelsche Schauspielhaus in Ostberlin wieder aufbauen wollte, war es klar, dass man ein weiteres Schauspielhaus eigentlich nicht brauchte. Man entschied sich daher, das historische Gebäude innen in ein Konzerthaus umzuwandeln. Und um sicher zu sein, dass es auch akustisch ein großer Wurf würde, kopierte man einfach die Maße des Musikvereinssaales in Wien. Und was war das Ergebnis? Das Konzerthaus Berlin wurde ein gut klingender Saal, der aber das hohe Vorbild nicht ganz erreichte. Was war der Unterschied? Es wurden moderne Materialien benutzt: Beton, Stahlbeton. Im Gegensatz hierzu ist der Musikvereinssaal noch mit herkömmlicher Technik gebaut worden: Der Holzfußboden wird von einer Holzkonstruktion getragen, die Decke ebenfalls, die Wände zu größeren Teilen. Wenn man etwas übernimmt, dann muss man es mit Verstand tun.

Wer nun sagt, dass man auf diese Bauweisen der Vergangenheit nicht mehr zugreifen kann, weil sie z. B. zu teuer sind oder modernen Feuerschutz- und Sicherheitsansprüchen nicht genügen, der irrt: In Tübingen wünscht man sich ein Konzerthaus und schaute nach Zürich. Dort musste die berühmte Tonhalle für längerfristige Renovierungsarbeiten geschlossen werden. Als Notlösung fand sich eine aufgegebene Fabrikhalle, und man spendierte 9 Millionen Euro, um in sie hinein einen Konzertsaal mit 1.200 Plätzen zu bauen – gedacht als Provisorium, das später auch wieder abgerissen werden kann. Im akustisch glücklichen Schuhkarton-Format, und überwiegend aus Fichtenholz. Das Provisorium wurde so preiswert, weil es ja in der Fabrikhalle kein eigenes Dach und keine festeren Stützkonstuktionen benötigte. Und bei der Innenausstattung verzichtete man auf allen überflüssigen Protz.

Und dann ereignete sich ein kleines Wunder: Der Raum hat eine faszinierende Akustik. Schon jetzt ist er zur Pilgerstätte für Musikenthusiasten geworden. Niemand ist bereit, schon daran zu denken, ihn wieder abreißen zu müssen.

Fichtenholz ist nicht nur eines der preiswertesten Hölzer, sondern es schwingt auch wunderbar, wie jeder Geigenbauer bestätigen kann. Edle Tropenhölzer oder Verkleidungen aus Naturstein sind vollkommen unnötig, und die sind es ja oft, die die Preise in die Höhe treiben.

Ein mit klassischer Musik gut klingender Raum muss keinerlei Zugeständnisse machen gegenüber anderen Nutzungen. Nichts spricht dagegen, ihn auch für Musicals, Tagungen, Antikmarkt oder Abtanzball zu benutzen. Eine solche Konstruktion ist in kürzester Zeit zu verwirklichen, denn wir haben ja die Lokhalle, und das Münchener Architektenbüro, das die Zürcher Halle als Schnellbaumaßnahme entworfen hat, ist sicher gern bereit, eine ähnliche noch einmal zu bauen. Wenn wir sie dann haben, ist die Existenz unseres Konzertlebens, sind die Händel-Festspiele und ist unser Orchester gesichert, die sonst ein schmerzliches Tal durchschreiten müssten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das Konzertleben unbeschädigt in Göttingen überleben soll, wenn der Orchesterklang über Lautsprecher übertragen wird, wie es jetzt geschieht. So mancher Zuhörer wird dann zu der Erkenntnis kommen, dass er das auch zu Hause haben kann.

Tun wir aber den mutigen Schritt, einen Saal in der Lokhalle zu verwirklichen, kann dann in Ruhe die Stadthalle saniert werden, vielleicht auch deren Akustik nach den genannten Gesichtspunkten auf die elegante Art noch verbessert werden. Und wenn wir dann in 10 Jahren zwei Konzertsäle haben, die beide so gut klingen, dass die Besucher-Busse aus Süddeutschland vor ihnen parken (wie an der Elbphilharmonie), dann werden die Entscheidungsträger sich nicht grämen müssen, wenn das Göttinger Konzertleben Flügel bekommen hat und dann zu einem überregionalen Magneten wird. Auch das soll es geben, wenn man sehr, sehr viel Glück hat.

(Der Autor, emeritierter Professor für Immunologie, hat sich nebenberuflich mit Akustik beschäftigt, so ist er der Konstrukteur des in Göttingen bis heute benutzten Mikrofonsystems „CLARA“, das von „Stereoplay“ vor 30 Jahren als „absolute Spitzenklasse“ eingestuft wurde. Peters war sechs Jahre Vorsitzender der Kammermusikgesellschaft und hat kürzlich einen Vortrag über die Akustik der Geige gehalten, umrahmt von einer Streichquartett-Vorführung, gespielt auf nach seinen Erkenntnissen entworfenen Streichinstrumenten.)

CDU diskutiert über „Zukunft unserer Stadthalle

Mit der „Zukunft unserer Stadthalle“ befasst sich der CDU-Stadtverband Göttingen am Donnerstag, 11. April, im Hotel Freizeit In, Dransfelder Straße 3 in Göttingen. Der Abend beginnt um 19 Uhr. In seiner Einladung an die Mitglieder des Stadt-, aber auch des Kreisverbandes der CDU, prangern die Organisatoren eine „unsagbar schlecht vorbereitete Entscheidung zur Schließung und Renovierung der Stadthalle“ durch „die rot-grüne Ratsmehrheit und die Verwaltung der Stadt Göttingen mit OB Rolf-Georg Köhler an der Spitze“ an.

Ende April 2019 würden in außerordentlichen Sitzungen des Finanzausschusses und des Rates der Stadt Göttingen wichtige Entscheidungen fallen. Mit ihrem Informations- und Diskussionsabend wollen die Organisatoren die Meinung der Bürger dazu einholen. Ludwig Theuvsen, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, und Olaf Feuerstein, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, werden auf dem Podium sitzen.

Von Angela Brünjes

Die Volksbank Kassel-Göttingen hat einen Wettbewerb für regionale Förderung ausgerufen. Die 50 besten Projekte erhalten finanzielle Unterstützung. Bewerbungen sind vom 8. April bis 12. Mai möglich.

28.03.2019
Göttingen Deutscher Gewerkschaftsbund Göttingen - „Wir fordern das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit“

In einer Verdi-Studie zeigt sich, welche Branchen von Belastungen bei der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit betroffen sind. Vor allem Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit, um Angehörige zu betreuen.

31.03.2019

Ab Montag, 1. April – und das ist kein Aprilscherz – wird zwischen Göttingen und Duderstadt stündlich ein Schnellbus verkehren. Für die Strecke braucht er 45 Minuten.

30.03.2019