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Göttingen Der Meister, Margarita und das Taufbecken des Wahnsinns
Die Region Göttingen Der Meister, Margarita und das Taufbecken des Wahnsinns
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00:20 06.02.2019
Pontius Pilatus (Volker Muthmann, Mitte) in der Erzählung des „Meisters“ (3. v. r., Valentin Schroeteler) Quelle: Winarsch
Göttingen

 Für die Theaterfassung von „Meister und Maragarita“ von Michail Bulgakow haben sich der Regisseur Titus Georgi und die Dramaturgin Sonja Bachmann eines Romans angenommen, der Anleihen in der großen Weltliteratur macht. Am Sonnabend feierte das Stück Premiere im Deutschen Theater in Göttingen.

Für die Produktion „Meister und Margarita“ kooperiert das Deutsche Theater Göttingen mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien (HMTM) in Hannover. Zum Ensemble gehören vier Schauspieler des Deutschen Theaters und acht Schauspielschüler, die Regisseur Georgi als Professor für Schauspiel an der HMTM unterrichtet.

Handlung läuft auf drei Ebenen

Bulgakows Geschichte verläuft in drei wesentlichen Handlungssträngen, die auf der Bühne teilweise nacheinander, gelegentlich aber auch parallel gezeigt werden. Dabei konzentriert sich die Darstellung zunächst auf das Leben verschiedener Figuren im Moskau des 20. Jahrhunderts. Einige Persönlichkeiten begegnen dem Teufel, dargestellt von Gerd Zinck, der sich als Professor für Schwarze Magie ausgibt.

Zweiter Strang ist die Geschichte um Margarita und den Meister. Der Meister hat ein Buch über Pontius Pilatus geschrieben, das Margarita für ein Meisterwerk hält. Das Paar verbindet eine intensive Liebe. Nachdem der Meister keinen Verleger für sein Buch findet, landet er in der Psychiatrie. Margarita ist verzweifelt, sie weiß nicht, wo er ist und ob er noch lebt.

Auf der dritten Ebene wird der Roman des Meisters aufgeführt, seine Geschichte um Pontius Pilatus, der darunter leidet, Jeschua verurteilt zu haben.

Bühnengeschehen mit häufigen Wechseln

Das Bühnenbild greift die Parallelwelten auf. Jochen Hochfeld, der für die Bühne und die Kostüme verantwortlich zeichnet, trennt mit einem durchsichtigen Vorhang Raum und Zeit, ermöglicht damit aber auch Einblicke in das Parallelgeschehen oder – so entsteht der Eindruck – gelegentlich auch in die Köpfe der Protagonisten.

Die Szenerie wechselt stetig und ständig. Zwei Motive halten das Geschehen zusammen: der Teich auf der Bühne, in dem sich zunächst der Teufel die Hände wäscht. Später gehen dort alle baden, die dem Wahnsinn verfallen.

Passend dazu dient als zweites Motiv ein Ort: die Psychiatrie, in der die Handlungsstränge um den Meister und die Moskauer Bürger zusammengeführt werden. Marius Ahrendt als Poet Besdomny landet dort, als er nach dem Tod seines Freundes Berlioz (Lev Semenov) in Unterhose loszieht, um die Moskauer Gesellschaft zu bewegen, den Satan zu verjagen. „Die Menschen sind nun einmal sterblich. Das ist der ganze Trick“, kommentiert der Teufel das Ableben Berlioz‘ und schubst Besdomny in den Teich, der mittig auf der Bühne platziert ist.

Seine Tricks setzt der Teufel geschickt gegen verschiedene Moskauer Bürger ein: Stjopa, der Intendant des Varietés (Angelika Fornell), glaubt sich plötzlich 1000 Kilometer von Moskau entfernt und schickt seinen Mitarbeitern ein Telegramm – vermeintlich – aus der Distanz, obwohl er kurz zuvor noch im Theater angerufen hatte. Derweil hat der Teufel die Wohnung Stjopas übernommen. „Welche Hypnose kann einen Menschen über 1000 Kilometer verfrachten?“, kommentieren seine Mitarbeiter ratlos.

Herausforderung für das Publikum

Insgesamt über drei Stunden fordert das Ensemble sein Publikum heraus. Die schnellen Wechsel der Szenen und die verschiedenen Handlungsstränge erschweren es oft, der Geschichte konstant zu folgen. Es ist der guten Leistung der Schauspieler zu verdanken, dass dies dennoch gelingt. Besonders eindrucksvoll agieren dabei, neben Zinck als Teufel, mit Anna Paula Muth und Lea Gerstenkorn zwei der Studierenden. Dabei treten sie in große Fußstapfen. So wie der Roman von Bulgakow Anleihen in der Weltliteratur nimmt, scheut auch Regisseur Georgi keine Anspielungen mit anderen Inszenierungen. Ähnlichkeiten mit den finalen Szenen aus Darren Aronofskys Psychothriller „Mother!“, der 2017 in den Kinos lief, drängen sich in der Betrachtung der Ballszene auf. Muth als Margarita hatte schon zuvor eindrucksvoll ihre Seelenqualen auf die Bühne gebracht, zeichnet sich in dieser Szene aber erneut aus. Plakativ im pinkfarbenen Sakko zeigt Gerstenkorn komisches Talent als enthusiastischer Moderator. Besser hat es auch Hape Kerkeling in „Kein Pardon“ nicht aufgezeigt – den Wahnsinn des Showbusiness.

Die Produktion „Meister und Margarita“ ist am 7. Februar, 5. März, 9. April, 24. April und 31. Mai jeweils um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, zu sehen. Zusätzlich gibt es am 18. Februar und am 27. März Einführungsveranstaltungen. Karten gibt es beim DT unter Telefon: 05 51 / 4 96 93 00 und in den Tageblatt-Geschäftsstellen in der Weender Straße 44 in Göttingen und in der Marktstraße 9 in Duderstadt.

Von Claudia Bartels

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