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Göttingen Messerstecher muss zwölf Jahre hinter Gitter
Die Region Göttingen Messerstecher muss zwölf Jahre hinter Gitter
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20:20 23.06.2011
Von Matthias Heinzel
Regungslos: der Täter kurz vor der Urteilsverkündung.
Regungslos: der Täter kurz vor der Urteilsverkündung. Quelle: hein
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Göttingen

Das unter dem Beifall der Angehörigen der Opfer verkündete Urteil entspricht dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren plädiert – unter anderem, weil der Angeklagte vor der Tat viel Alkohol getrunken habe und die Messerstiche gegen das Kind ohne Tötungsabsicht geführt worden seien.

Der 22-Jährige, ein arbeitsloser Restauranthelfer, hatte in der Nacht zum 6. Juni 2009 seine frühere Freundin in deren Wohnung auf dem Holtenser Berg aufgesucht und die damals 24-jährige Frau und deren fünfjährigen Sohn mit einem Messer angegriffen. Beide überlebten nur dank einer Notoperation. Der Junge ist nach der Messerattacke lebenslang querschnittsgelähmt. Der Tat vorausgegangen war eine Kurzmitteilung der Frau auf das Mobiltelefon des 22-Jährigen, in der sie das Ende ihrer Beziehung bekräftigte.

Wie die Staatsanwaltschaft wertete das Gericht die sieben Messerstiche in den Oberkörper der Frau als versuchten Totschlag, die zwei Stiche in den Rücken des Jungen als heimtückischen Mordversuch. Die Messerstiche in Oberkörper und Rücken der beiden Opfer seien so gezielt und heftig gewesen, dass der Angeklagte den Tod der Mutter und ihres Kindes zumindest billigend in Kauf genommen habe. Das Gericht habe sich mit seinem Urteil der Maximalstrafe von 15 Jahren auch deshalb stark angenähert, weil beide Opfer nur sehr knapp mit dem Leben davongekommen seien, erklärte Richter Rolf Traupe. Eine verminderte Schuldfähigkeit, beispielsweise wegen des Alkohols, sei nicht gegeben. Dazu kämen die Folgen der Tat: Jeden Tag werde die Mutter beim Anblick ihres Sohnes an die „furchtbare Tat“ erinnert. Sie sei bis heute stark selbstmordgefährdet. Im Gegensatz zu der nichtöffentlich geführten Verhandlung wurde das Urteil öffentlich gesprochen. Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen beschimpften und bedrohten zwei Frauen im Saal den Angeklagten lautstark. Sie mussten den Gerichtssaal verlassen.

Nach wie vor, erklärte Thomas Jauch als Verteidiger des Angeklagten, fühle sich sein Mandant von der Familie der Opfer bedroht. Nach der Tat hatten Angehörige der Frau den Mann mit dem Tode bedroht. Vor den Morddrohungen flüchtete der Mann wenige Tage nach der Tat nach Mazedonien. Auch die Großfamilie des Täters verschwand Hals über Kopf. Die Opfer gehören einer Großfamilie deutscher Sinti an, der Täter stammt aus einer Roma-Flüchtlingsfamilie. Vater des verletzten Kindes wiederum ist ein Angehöriger eines anderen, mit der Familie des Angeklagten verfeindeten Roma-Clans.