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Göttingen Messerstecher vom Markt muss in die Psychiatrie
Die Region Göttingen Messerstecher vom Markt muss in die Psychiatrie
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21:49 16.11.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Einer der Gründe, warum der Mann nach Überzeugung des Gerichts unbedingt in die geschlossene Psychiatrie muss: Ihm fehlt jede Einsicht in seine Krankheit, eine Psychose. Das bewies er noch während der Rechtsbehelfsbelehrung des Gerichts. Er fühlt sich völlig unschuldig, reichte noch, während Richter Ralf Günther sprach, seinen Revisionsantrag herüber und hatte auch schon Briefe an Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht geschrieben, dass er völlig unschuldig sei und freigelassen werden müsse.

In seinen letzten Worten vor dem Urteil führte er wortreich aus, dass er selber gar nicht aggressiv gewesen sei, mit Parolen wie „Deutsche sind Hunde“ lediglich „stumm beleidigt“ habe und dann angegriffen worden sei. Als er sich habe verteidigen müssen, hätten die Passanten selbst „das Messer aktiviert“, hätten seine Körperbewegungen „vollkommen kontrolliert“ und sich so selbst mit dem Messer verletzt. „Ich war nicht Herr meiner Bewegungen – das ist ein Naturgesetz.“ Dass das psychiatrische Gutachten über ihn falsch sei, könne man schon daran sehen, sagte er, dass der Gutachter die iranische Regierung beleidigt habe.

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Der Psychiater Georg Stolpmann hatte eine sich schleichend entwickelnde Psychose diagnostiziert, die den Patienten in seinem eigenen Bezugssystem gefangen halte und ihm jeden Realitätsbezug nehme. Auslöser der Eskalation war offenbar das Ende seiner Ehe.

Der 39-Jährige hatte am Tattag am Markt Passanten mit Beschimpfungen gegen Deutsche provoziert, bis einer der Angesprochenen ihn mit einem Kaffeebecher bewarf. Er hatte diesen danach angegriffen und zu Boden geschubst. Als Zeugen schützend eingriffen, wobei sie teils auch ihn schützen wollten, hatte der Deutschiraner ein Küchenmesser gezückt, zugestochen und einen Helfer lebensgefährlich verletzt.