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Göttingen "Eines der gewalttätigsten Länder der Erde"
Die Region Göttingen "Eines der gewalttätigsten Länder der Erde"
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12:49 30.09.2016
Von Michael Caspar
Quelle: GT
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Göttingen

Wie das Paradies erscheine Afghanen Deutschland, berichtete der ehemalige Offizier, der seinen Vortrag mit deutlicher Stimme hielt. In der Bundesrepublik gebe es eine ärztliche Versorgung auch für Arme. Das wüssten die Afghanen aus Sendungen der Deutschen Welle. Das Radio berichte seit Jahren in den Landessprachen Paschtu und Dari. Die Deutschen respektierten das Gesetz, erführen die Menschen dort. Flüchtlingen drohe de facto keine Abschiebung. Und selbst Berichte über brennende Asylbewerberheime schreckten die Verzweifelten nicht ab.

 

 

„In Afghanistan fallen täglich unschuldige Zivilisten alliierten Luftangriffen zum Opfer“, sagte Erös. Eine „räuberische Elite“ beherrsche das Land, zitierte er einen afghanischen Politiker. Die Reichen und Mächtigen könnten machen, was sie wollten. Und der Westen unterstütze das noch, etwa wenn Bundeswehrsoldaten die Schlafmohnfelder der Kriegsherren beschützten, empörte sich Erös.

 

 

Die vom Westen mit ausgebildeten und mit 70 Dollar im Monat entlohnten Polizisten seien oft „korrupt, kriminell und inkompetent“, sagte der ehemalige Offizier. Wer in Afghanistan überfallen werde, wähle nicht 112, sondern müsse sich selbst verteidigen. Aufgrund dieser aussichtslos erscheinenden Lage schickten die Großfamilien ihre „kräftigen, intelligenten Jungen“ nach Deutschland. Sie sollten Geld schicken und die Familie nachholen.

 

Unter den afghanischen Flüchtlingen sei die Volksgruppe der Hazara sehr stark vertreten, berichtete Erös. Diese Menschen würden in Afghanistan wegen ihrer mongolischen Abstammung und ihres schiitischen Glaubens diskriminiert. Sie fürchteten die Rückkehr der Taliban, die in der Vergangenheit viele der „ungläubigen Hazara“ getötet hätten.

 

Erös will die Fluchtursachen bekämpfen. Der Arzt hat in Afghanistan zahlreiche Schulen gebaut und leistet medizinische Hilfe. Alle seine Projekte stimme er mit den Taliban ab, sagte Erös.