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Göttingen Millionenbetrüger darf künftig nicht mehr zur Jagd
Die Region Göttingen Millionenbetrüger darf künftig nicht mehr zur Jagd
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18:47 30.11.2010
Von Jürgen Gückel
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Dagegen hatte sich der 68-Jährige vor dem Verwaltungsgericht gewehrt. Doch jetzt zog er seine Klage zurück. Weil ihn das Landgericht zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt hat, hätte er ohnehin keine Chance, weiter zur Jagd zu gehen. Umgehend, so machte der Landkreis deutlich, würde eine neue Jagdschein-Entziehung ausgesprochen. Denn wer rechtskräftig zu einer so langen Haftstrafe verurteilt wurde, gilt sowieso als unzuverlässig.
Der ehemalige Versicherungsmakler hat im großen Stil Anlagegelder verspekuliert. Als ihm die Polizei nach Strafanzeigen dahinter kam, ermittelte die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Braunschweig für Wirtschaftskriminalität. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Fahnder sechs Gewehre ordnungsgemäß gesichert in einem Waffenschrank. Allerdings: Eines davon stand gar nicht auf seiner Waffenbesitzkarte, ein weiteres war mit Zielfernrohr und Nachtsichtgerät ausgestattet, was in Deutschland zum jagdlichen Einsatz verboten ist. Zwei weitere Büchsen und Munition verwahrte der Jäger unsachgemäß in einem hölzernen Einbauschrank im Flur auf. Und schließlich wusste er nicht mehr, wo ein Revolver, der ebenfalls auf seiner Waffenbesitzkarte stand, abgeblieben war. Seine Frau fand die Waffe schließlich in der Waschküche.
Auch wenn der Mann argumentierte, sein Haus sei so gut gesichert, dass es nicht darauf an käme, ob die Waffen in einem speziellen Schrank stehen, und er außerdem „keine Söhne, die ein Risiko darstellen“ habe, entzog ihm der Landkreis den Jagdschein.
Seine Klage dagegen wurde jetzt verhandelt, musste aber nicht entschieden werden. Die Richterin machte seinem Anwalt klar, dass selbst dann, wenn die Klage erfolgreich wäre, allein die Verurteilung ausreiche, die Unzuverlässigkeit des Mannes anzunehmen. Die Kosten der Klage des betrügerischen Versicherungsmaklers trägt der Herberhäuser, heißt es im Einstellungsbeschluss. Der Grund: Der Kläger habe in der Vergangenheit klar gegen die Aufbewahrungspflichten verstoßen, und auch die Diebstahlsvorrichtungen für sein Wohnhaus bewahren ihn nicht davor, Waffen wie vorgeschrieben in sicheren Behältnissen zu verwahren. Schließlich habe er in seinen Stellungnahmen gezeigt, dass ihm noch immer die Einsicht fehle, sich an diese Vorschrift zu halten.