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Göttingen Minka: Von Krähen zerhackt
Die Region Göttingen Minka: Von Krähen zerhackt
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18:17 03.07.2009
Musste die Wunden von Katze Minka behandeln lassen: Manfred Schachtebeck.
Musste die Wunden von Katze Minka behandeln lassen: Manfred Schachtebeck. Quelle: Hinzmann
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Der Überfall ereignete sich am frühen Sonntagmorgen. „Im Morgengrauen brach das Spektakel los“, berichtet Schachtebeck. Mit großem Lärm seien gleich mehrere Vögel auf die schwarz-weiße Katze losgegangen. Und erst durch Schachtebecks beherztes Eingreifen ließen sich die Angreifer vertreiben. Minka hatte sich unterdessen verkrochen, nur eine Blutspur sei noch von ihr zu sehen gewesen.

Schachtebeck berichtet, wie sie Tage zuvor immer wieder Krähen in der Nähe ihres Hauses zwischen Benniehausen und Niedeck beobachtet hatte. „Die Krähen waren ständig in der Nähe. Das war wie in Hitchcocks ,Die Vögel‘“, sagt sie. Dass die Krähen so aggressiv sind, habe sie noch nicht erlebt.

„Wie bei Hitchcock“

Später, so berichtet Schachtebeck weiter, habe man die zwölf Jahre alte Minka dann nach Rittmarshausen zu Tierärztin Susanne Fritsch gebracht. Fritsch hat die Wunden behandelt. Für sie war es allerdings der erste Fall, bei dem Krähen eine Katze angefallen haben.

Kreisjägermeister Ernst-Friedrich Wille sagt hingegen, dass Angriffe von Krähen keineswegs selten sind: „Krähen sind aggressiv. Besonders in größeren Verbänden“, sagt er. So könne es sein, dass sich die Vögel etwa auf junge Hasen oder andere leichte Beute spezialisiert haben. Angriffe auf Wildtiere seien keine Seltenheit, berichtet Wille aus Erfahrung.

„Minka ist eine verwöhnte Katze und leicht übergewichtig“, sagt Schachtebeck und vermutet, dass die Krähen vielleicht auch deshalb so leichtes Spiel mit dem Tier gehabt haben. Ob es sich bei Schachtebecks Fall eventuell um eine reine Nestverteidigung gehandelt hat, könne er schlecht beurteilen, sagt Wille. Sehen die Vögel ihre Brut bedroht, könne es auch zu Angriffen von Einzeltieren auf Menschen kommen. „Wir haben zu viele Krähen“, lautet auf jeden Fall das Fazit von Waidmann Wille.

Auch der Göttinger Ornithologe Hans-Heinrich Dörrie vermutet, dass die Vögel ihren Nachwuchs vor der Katze verteidigt haben. „Jetzt im Juni und Juli werden die Jungtiere flügge. Wenn sich diesen eine Katze nähert, vertreiben die Vögel diese“, sagt er. Untereinander seien die Vögel, besonders bei der Revierverteidigung, schon aggressiv, nicht aber gegenüber anderen Tieren. „Krähen greifen nicht aus reiner Bosheit an. Und dass die Krähen, wie es von Jägern gerne behauptet wird, Feinde des Niederwildes und von anderen Singvögel sein sollen, ist durch nichts erwiesen“, sagt Dörrie. Für einen „Skandal erster Güte“ hält der Vogelexperte die Abschüsse von Rabenkrähen und Elstern im Landkreis durch die Jägerschaft. Nach dem Jagdbericht der Kreisjägerschaft sind im Jagdjahr 2008/2009 692 Krähen und 213 Elstern abgeschossen worden. Dörrie hält es für falsch, dass die sehr intelligenten Tiere immer wieder dämonisiert werden.

Von Michael Brakemeier