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Göttingen Mit 83 Jahren ein Lehrling in Sachen E-Mail
Die Region Göttingen Mit 83 Jahren ein Lehrling in Sachen E-Mail
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18:28 15.11.2010
Von Jörn Barke
Computerpartnerschaft zwischen Jugendlichen und Älteren: Horst G. Maar (r.) wird von Mirco (2.v.r) unterstützt. Quelle: Hinzmann
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Er hat während des Kurses, der von Wendy Ramola von der ländlichen Erwachsenenbildung geleitet wird, seine ersten Mails verschickt. Der Kurs hat zudem eine Besonderheit: Die älteren Menschen, die den Umgang mit dem Computer lernen wollen, werden dabei von Jugendlichen unterstützt, die in der Jugendanstalt Leineberg im offenen Vollzug sitzen. Einer davon ist der 22-jährige Ricardo. Wenn es Fragen gibt, hilft er und zeigt den Computer-Neulingen zum Beispiel, wie man Seiten im Internet findet. Auf diese Weise wächst zwischen den Älteren und den Jugendlichen wechselseitiger Respekt.

Die Computerkurse „Leinefischer im Netz“ sind eines von vielen Angeboten des Stadtteilbüros Leineberg, das vor knapp zwei Jahren als Modellprojekt ins Leben gerufen wurde, um die Zusammengehörigkeit in dem Stadtteil mit 2800 Einwohnern zu stärken. Der Stadtteilbüro-Leiter Pastor Thomas Harms zieht eine positive Bilanz des zunächst auf drei Jahre angelegten Projektes. Neben den Computerkursen fänden zahlreiche weitere Veranstaltungen wie Erzählcafés, Bewegungsschule für Senioren und kulturelle Angebote statt. Aus dem Aktiventreff sei die Idee entstanden, erstmals seit 26 Jahren wieder ein Stadtteilfest auszurichten. 37 Einrichtungen und Vereine hätten sich präsentiert. Bis zu 1200 Menschen seien auf dem Festgeländen gewesen. Beim Begegnungstisch, bei dem es dreimal in der Woche ein Mittagessen gibt, entstünden viele Kontakte, so Harms.

Die Gründung eines Nachbarschaftsvereins sei geplant. Pro Woche würden – ohne besondere Veranstaltungen – um die 100 Menschen Angebote im Stadtteilbüro nutzen. Es sei ein Kristallisationspunkt entstanden, wo Menschen und Gruppen ins Gespräch kommen könnten. Es sei zudem ein Glücksfall, dass die Städtische Wohnungsbau derzeit im großen Stil Häuser in dem Viertel saniere.

Am Ende des nächsten Jahres läuft die finanzielle Förderung des Projektes durch den Bund, den evangelischen Kirchenkreis und die Stadt aus. Bis dahin müsse ein Stamm an engagierten Ehrenamtlichen aufgebaut sein, der das Projekt weiter trage, so Harms. Er hofft auf ein finanzielles Nachfolgeprogramm, dass zumindest ermögliche, auch kleine Aufwandsentschädigungen zu zahlen.