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Göttingen Mit Glas voller Cola Tante gezielt verfehlt
Die Region Göttingen Mit Glas voller Cola Tante gezielt verfehlt
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18:39 22.01.2015
Von Jürgen Gückel
Hat er auf seine Tante gezielt, hat er gezielt verfehlt, oder hat er das volle Glas Cola beim Gestikulieren versehentlich vom Tresen gefegt? Quelle: dpa
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Göttingen

Danach krachte das volle Glas neben dem Kopf der Tante gegen die Wand.

Die Anklage beim Amtsrichter lautete auf versuchte gefährliche Körperverletzung. Obendrein gibt es noch zwei Vorwürfe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Das Autofahren gibt er zu.  Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst, reparierte Autos zum Kunden zu bringen oder abzuholen.  Ja, er sei einschlägig vorbestraft, habe die Fahrerlaubnis verloren wegen Drogen, und jetzt müsse er erst einmal die Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) machen.

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Den Cola-Wurf bestreitet er. Er habe sich nur so aufgeregt, weil die Tante ihn wegen seiner Freundin angesprochen habe. Das ginge sie nichts an. Da habe er mit ihr geschimpft. „Ich rede immer mit Handbewegungen“, demonstriert er dem Richter sein südländisches Temperament. Und da sei das Glas eben zu Boden gefallen. Beim Onkel („Ich liebe ihn, wie meinen Vater.“) und der Tante habe er sich später schriftlich entschuldigt. Beide hätten ihm vergeben.

Dennoch schildert die Tante dann, wie es wirklich war. Sie habe dem Neffen während des Streites den Rücken zugekehrt. Da sei das Glas 40 Zentimeter an ihrem Kopf vorbei und gegen die Wand geflogen. Cola habe ihr Gesicht bespritzt.

„Aus welcher Entfernung?“, will der Richter wissen. „Aus 1,50 Metern.“ Der Amtsrichter wendet sich an die Anklagevertreterin: „Wenn ich aus anderthalb Metern werfe, wäre das dichter am Kopf.“ „Ja, wenn man‘s kann“, sagt die junge Referendarin. Sie versteht aber. So gezielt kann der Wurf nicht gewesen sein, als dass er treffen sollte. Keine versuchte Körperverletzung also, nur Sachbeschädigung. Aber die setzt Anzeige voraus. Die liegt nicht vor.

Während der Richter noch mit einer zehnten Klasse, Schüler im Praktikum bei der Polizei, über den Fall diskutiert, telefoniert die Referendarin in der Verhandlungspause mit dem Oberstaatsanwalt. „Wenn er gewollt hätte, hätte er getroffen“, sagt ein Schüler. „Genau, du sagst es“, mischt sich der Angeklagte ein.

Dann kommt die Sitzungsvertreterin zurück. Der Anklagepunkt wird eingestellt. Die Fahrten ohne Führerschein, immerhin Wiederholungstaten, reichen für vier Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. 80 Stunden gemeinnützig arbeiten muss der Verurteilte dafür.