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Göttingen Mit René dem Maulwurf an die Spitze der Charts
Die Region Göttingen Mit René dem Maulwurf an die Spitze der Charts
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18:47 07.01.2011
Komponist, Göttinger, jetzt in Los Angeles: Christian Büttner steht 13 Wochen auf Platz eins der französische Hitparade. Jetzt sollen die US-Charts folgen.
Komponist, Göttinger, jetzt in Los Angeles: Christian Büttner steht 13 Wochen auf Platz eins der französische Hitparade. Jetzt sollen die US-Charts folgen. Quelle: Vetter
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Was ursprünglich mal als Klingelton im Rummelplatz-Techno-Sound für Mobiltelefone gedacht war, hat die Franzosen im September im Sturm erobert. Mit Quäkestimme singt der computeranimierte Maulwurf René mit Überbiss im Reggae-Rhythmus davon, dass er seine Angebetete liebt, auch wenn sie ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat. René tanzt und fuchtelt unbeholfen mit den Ärmchen.

13 Wochen stand das Stück „Mignon, Mignon“, das Büttner gemeinsam mit Marcello Pagin komponierte und produzierte, in Frankreich an der Spitze der Hitparade. Ende Dezember gab es dafür sogar eine goldene Schallplatte. Die erfolgreichste Single 2010 in Frankreich. Und ein noch größerer Hit im Internet: Knapp 19 Millionen Mal wurde es bisher auf der Videoplattform Youtube angeklickt.

Dass das Lied an „Drei Chinesen mit dem Contrabass“ erinnert? Geschenkt. Das Chinesenstück sei gemeinfrei. Und außerdem: „Es gibt eben gewisse einfache Melodien, die eben typisch sind für ein Kinderlied“, sagt Büttner. Auch wenn das Lied einfach klingt, es war ein gutes Stück Arbeit. Und der Erfolg scheint Büttner Recht zu geben. Immerhin habe er ihn finanziell „sorgenfreier“ gemacht.

Das Geheimnis seines Erfolges? „Talent ist eigentlich unwichtig“, sagt Büttner. Sowohl für Musik als auch für andere Sachen. „Die besten Sänger sind nicht immer die erfolgreichsten“, argumentiert der 31-Jährige. Für ihn stehen drei andere Dinge an erster Stelle: „Harte Arbeit, die Dinge ernst nehmen und gleichzeitig Spaß daran haben.“

Büttner nimmt seinen Job als Komponist ernst: Über die Weihnachtsfeiertage hat er zu Hause bei seinen Eltern drei Stücke geschrieben. Insgesamt 500 Songs hat er bisher bei der Gema angemeldet.

Mit drei Jahren fängt Büttner an, Blockflöte zu spielen, mit sechs dann Klavier. Ursprünglich will er Dirigent werden. Dementsprechend viel klassische Musik hört und spielt er, bis Büttner merkt, dass ihm die Klassik „nicht kreativ genug ist“. Interpretationen der Klassiker gebe es schließlich schon zu Genüge. Stattdessen beschäftigt sich Büttner im heimischen Keller mit digitaler Aufnahmetechnik. Es folgt eine Ausbildung zum Tontechniker in München, bei der Büttner seinen Partner Pagin kennen. Das Duo schreibt und produziert nun für Clublabels, arbeitet mit DJs zusammen. Für die Castingband Monrose komponieren die beiden zwei Stücke für das Album Ladylike, produzieren den Titelsong für die TV-Show Popstars, arbeiten mit der Sängerin Kerli zusammen. Herauskommen moderne, hitparadentaugliche Dancefloor- und R‘n‘B-Nummern, ganz anders als die Maulwurfnummer.

„Ich habe jede Menge musikalische Einflüsse“, sagt Büttner. „Alles, was richtig erfolgreich ist.“ Gerade entdecke er die Backstreet Boys neu. „Genial. Die Songs sind auf den Punkt“, schwärmt er. Auch die Singer-Songwriter Jack Johnson und Jason Mraz haben es ihm angetan.

Inzwischen haben Büttner und Pagin München und Deutschland verlassen und sich in Los Angeles niedergelassen, um auf dem großen amerikanischen Musikmarkt Fuß zu fassen. Der erste Schritt ist getan: für Atlantic Records oder Def Jam haben sie gearbeitet. Auf Einladung der Managerin von Britney Spears haben die beiden an einem Songwritertreffen teilgenommen, bei dem die neuen Songs für die nächste Britney-Platte gesucht worden sind. Unter den eingeladenen Komponisten waren die beiden Deutschen die einzigen, bei denen noch keine Nummer eins in den amerikanischen Charts auf dem Konto stand. Eine Nummer eins muss es für Büttner jedoch nicht gleich sein: „Ein Song von mir in den amerikanischen Charts, das ist mein nächstes großes Ziel.“ Die harte Arbeit ruft.