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Göttingen Mit Schwung ins Netz – oder auch nicht
Die Region Göttingen Mit Schwung ins Netz – oder auch nicht
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18:14 03.07.2009
Eingelocht: Profis zeigen Anfängern, wie es geht.
Eingelocht: Profis zeigen Anfängern, wie es geht. Quelle: CH
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Das Netz, das Grauen: Schon beim flüchtigen Blick auf das Trainingsgelände der Bundesligaspieler vom MGC an der Grätzelstraße flammt ein kurzer Aggressionsschub in der Journalistin auf. „Böse Bahn“, erinnert sie sich an längst vergangene verzweifelte Minigolfversuche mit Freunden. Darüber können Jana Miglitsch und Sandra von dem Knesebeck nur lachen. Die beiden waren und sind Spielerinnen der Bundesliga.

Tapfer nehmen Brakemeier und Bielefeld Bahn 1 in Angriff, „Doppelkeile“ heißt die Bahn mit Rampe, der Ball muss in eine Blumenschale fliegen. Brakemeier legt los, zu lasch, zu schnell, daneben, in die Rabatten: „Peinlich“, grummelt er. Von dem Knesebeck hat ein Einsehen und erklärt: „Ganz leicht in die Knie gehen, Füße und Ball sollen ein Dreieck bilden. Und: Nicht aus dem Handgelenk schlagen.“ Klingt ja ganz leicht, denkt Bielefeld und schlägt den Ball schief über die Schüssel hinaus. Nach vier Versuchen ist es geschafft. Die beiden Profis brauchen nur einen Schlag.

Die Bodenwelle (Bahn zwei) ist gnädiger, die Anfänger, die alle Tipps beherzigen, lochen mit dem zweiten Schlag ein und erfahren, dass der Erfolg auch vom richtigen Ball abhängt. Gewicht, Härte, Gummimischung – Profis wählen sorgsam aus. Der Gelegenheitsspieler muss mit den Bällen Vorlieb nehmen, die an der Bahn ausgeteilt werden. Ihr Merkmal meist: klapperlaut und knüppelhart. Das Spiel über die Banden gerät so zum Glücksspiel.

Staunen und stümpern

Bahn drei und vier folgen, die Profifrauen spielen über Bande, wissen, welchen Effet der Ball braucht, um am runden Ende der Bahn eine Kurve und dann direkt ins Loch zu rollen. Miglitsch schwingt den Oberkörper leicht, elegant rollt der Ball genau den vorhergesagten Weg. Die Laien staunen und stümpern vor sich hin. Erst nachdem die richtige Fußstellung sitzt – immer schön senkrecht zur Richtung in die der Ball rollen soll –, klappts auch mit dem Einlochen. Hoch motiviert stapft Brakemeier zur „Brücke“ (Bahn 5). Bielefeld locht mit zwei Schlägen ein, breites Grinsen: „Na also, geht doch.“ Das Grinsen verfliegt so schnell wie es kommt. Brakemeier schwingt, schlägt, eingelocht beim ersten Mal. Advantage: Brakemeier. Die Profitipps machen sich bezahlt: Einfach den Ball mit wohl dosiertem Schwung schräg über die Brücke spielen, so dass er am Ende die Bande touchiert und sich dann langsam zum Loch in der Mitte vorarbeitet.

Sportmuffel Brakemeier hat „Talent“, bestätigt von dem Knesebeck. Und wer will das hören? Während Ballfeindin Bielefeld mit eher kreativen und weniger erfolgreichen Lösungen versucht, die Kugel irgendwie ins Ziel zu bugsieren, setzt Brakemeier die Profitipps souverän um. Na warte, das Netz kommt noch.

Vor dem Netz ist die Röhre. Daneben, gegen das Hindernis, über die Röhre, die Journalisten schaffen einiges, nur nicht, den Ball durch die Röhre zu rollen. „Alles den Schläger machen lassen“, raten die Profis. Mit dem letzten Versucht klappt es dann doch. Es naht, das Netz.

Immerhin: Die weiteren Bahnen absolviert Bielefeld auch nicht viel schlechter als der „talentierte“ Kollege. Die Tipps zeigen Wirkung. Mit zwei, drei Schlägen landen die meisten Bälle im Ziel. Minigolf macht mächtig Spaß.

Den „Gradschlag mit drei Hindernissen“ (Bahn 10) bringen die Anfänger auch noch ganz gut über die Bühne. Dann stehen sie Auge in Auge mit dem betongewordenen Grauen eines Minigolfanfängers. Das Netz. „Mit Schwung, aber nicht mit Kraft“, rät von dem Knesebeck. „Viele trauen sich nicht, richtig auszuholen. Aus Angst, etwas kaputt zu machen.“ Die Metallplatte am Abschlag sieht jedenfalls stabil aus. Bielefeld trifft die Stange, den Fangzaun, eigentlich alles, nur nicht das Netz. Alles? Brakemeier hat mal wieder mehr auf Lager: Von Bahn 11 bis Bahn 14 fliegt sein Ball und verfehlt nur haarscharf eine Familie. Beim letzten Schlag trifft er immerhin das Netz. Bielefeld muss auch weiterhin mit dem nicht abgearbeiteten Netztrauma leben.

Herausforderung Mausefalle

Die Profispielerinnen finden das Netz hingegen läppisch. „Die Mausefalle ist die schwierigste Bahn auf dem Platz“, sagen Miglitsch und von dem Knesebeck übereinstimmend. Sieht einfach aus, ist es aber nicht. Am Ende von Bahn 13 wartet auf den Ball ein Durchlass in einem Hindernis, der maximal die Breite von zwei, höchstens drei Balldurchmessern hat. Aber: Es geht. Vom Anfängerglück beflügelt sind die übrigen Bahnen ein Klacks: selbst der Mittelhügel an Bahn 15, eigentlich Bielefelds „Aggro-Bahn“ des Minigolf-Frustes.

Fazit 1: Mit den richtigen Tipps lassen sich die 18 Bahnen auch für Nicht-Profis in den Griff bekommen. Und Spaß macht es außerdem. Eines sollte man als Anfänger aber tunlichst vermeiden: Auf den Bahnrekord schielen. In der Grätzelstraße liegt dieser bei den Turnierspielern – wie sollte es anders sein – bei 18 Schlägen, bei den Publikumsspielern bei 26 Schlägen. Fazit 2: Üben, üben, üben.

Minigolf: Wo spielen?

In der Region gibt es unter anderem folgende Minigolfplätze:

• Göttingen/Grätzelstraße: Bei gutem Wetter von April bis September an Werktagen sowie an Sonnabenden ab 14 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet. Während des Punktspielbetriebes des MGC ist die Sportanlage für den Turnierbetrieb reserviert. Telefon: 0551/ 61430.

• Göttingen/Schillerwiesen: Bei gutem Wetter zwischen April und Oktober geöffnet, werktags ab 14 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr. Telefon: 0551/ 5084767.

• Seeburger See: Minigolfplatz am Freibad. Geöffnet Montag bis Sonntag, 8 bis 20 Uhr. Telefon 05507/ 460.

• Bilshausen: Minigolfplatz mit Grillplatz am Hessenbergweg an der Rhume. Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend ab 14 Uhr, sonn- und feiertags ab 11 Uhr. Telefon 05528/999766.

• Northeim: Minigolfplatz, Adolf-Hueg-Wall, April bis Oktober geöffnet. Montag bis Sonnabend 14 bis 20.30 Uhr, Sonn- und Feiertags 10 bis 20.30 Uhr. Telefon: 05551/3228.

• Duderstadt/Schützenring: Ferien: Dienstag bis Sonntag 11 bis 19.30 Uhr, außerhalb der Ferien: Dienstag bis Freitag 14 bis 19.30 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 bis 19.30 Uhr.