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Göttingen Mit dem CarBikePort gibt Göttingen Fahrradfahrern mehr Raum
Die Region Göttingen Mit dem CarBikePort gibt Göttingen Fahrradfahrern mehr Raum
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00:24 15.06.2019
Mitarbeiter der Stadt montieren den CarBikePort. Maik Lindemann, und Daniela Both aus dem Planungsbereich und Angelika Stephan vom ADFC testen die Anlage gleich darauf. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Mit einer ungewöhnlichen Aktion will die Stadt Göttingen herausbekommen, wo neue Fahrradständer installiert werden sollten – auch auf Kosten von Parkplätzen. Am Mittwoch hat sie den ersten von zwei mobilen Fahrradständern montiert – als Testballon. Der ADFC-Fahrradklub begrüßt die Aktion, bei Anwohnern kommt sie weniger gut an.

Der CarBikePort sieht aus wie ein überdimensionaler Fahrradhalter für Anhängerkupplungen. Wer genau hinsieht, erkennt an seiner Flanke zur Straße die Silhouette eines Pkw – ein symbolträchtiges Signal in der Stadtfarbe grün. Von ihr gehen fünf starke Metallrohre ab, an denen jeweils zwei Fahrräder angeschlossen werden können.

Symbolträchtige Sillhouette

Am Brauweg in der Südweststadt hat die Stadtverwaltung den ersten von zwei CarBikePorts aufgestellt – nach Verwaltungsangaben der erste in Norddeutschland. Er steht auf einem bisherigen Parkplatz am Straßenrand, fast gegenüber einer neuen Sitzbank, die erst kürzlich dort auf einem weiteren bisherigen Autoparkplatz aufgestellt wurde.

Anwohner beschweren sich bei den Stadtvertretern über den weiteren Verlust eines Parkplatzes. Quelle: Niklas Richter

Auto-Silhouette und der Standort markieren die zentrale Botschaft der Aktion: „Wir wollen zeigen, wie viele Fahrräder am Stellplatz nur eines Autos stehen können und damit auch für eine umweltverträgliche Mobilität werben“, erklärt Maik Lindemann, Leiter des städtischen Fachbereiches für Planung und Verkehr. Zugleich wolle die Verwaltung testen, ob ein öffentlicher Fahrradständer in dem Wohnquartier mit vielen alten Mehrfamilienhäusern angenommen wird, ergänzt Daniela Both vom Fachdienst Stadt- und Verkehrsplanung. Stichprobenartig werde bis September geprüft, ob der Ständer gut genutzt wird.

Kommt er an, sollen an der Stelle dauerhaft klassischer Fahrradbügel montiert werden. Dann wird der CarBikePort an einen anderen Stadtort versetzt. Wird die Anlage nicht genutzt, wird die Fläche wieder Parkplatz – gegen Gebühr. Wo in den nächsten Tagen das zweite Modell der Stadt aufgestellt wird, sei noch offen, so Lindemann.

Hintergrund ist nach Angaben von Lindemann ein Modellprojekt in diesem Stadtteil. Unter dem Titel „Umgebung und Quartier“ habe die Verwaltung 2017 mit den Anwohnern in offenen Workshops überlegt, wie das Quartier, vor allem aber die Nahmobilität verbessert werden könnte. Das Projekt sei eingebettet in ein Verkehrsentwicklungs- und ein Nahverkehrskonzept der Stadt. In den Veranstaltungen hätten ältere Bürger beklagt, dass es keine Ruhebänke an den Straßen gebe. Fahrradfahrer hätten zu schmale und fehlende Radwege sowie einen Mangel an Abstellmöglichkeiten moniert.

Angelika Stephan vom „Allgemeinen deutschen Fahrradclub“ (ADFC) findet die Aktion „richtig top“. Der Bedarf an mehr Stellplätzen zum Anschließen von Fahrrädern sei „in Göttingen auf jeden Fall“ da. Sie hätte sich aber auch den verbreiterten Fußweg unmittelbar neben dem jetzigen Standort dafür vorstellen können. 

Gringer Parkdruck   

Der Standort sei vor allem für die erste Testphase geeignet, „weil der Parkdruck in Brauweg-Viertel nicht allzu hoch ist“, erklärt Both auf Nachfrage. Eine Einschätzung, die Anwohner gar nicht nicht teilen. „Wer hat sich denn den Blödsinn ausgedacht“, protestiert der Bewohner eines nahen Hauses. „Wir haben drei Kinder, da muss man auch mal das Auto nutzen“, erklärt er seine Wut und fügt an: „Haben Sie eine Ahnung, wie schwer es ist, hier einen freien Parkplatz zu finden? Gibt es denn keine besseren Stellen für so was?“ Das fragt auch Anwohner Michael Olbricht. Vor allem abends und morgens seien alle Parkplätze belegt und viele Autos würden unerlaubt auf der Straße stehen. „Das ist dann wieder gefährlich für Kinder, die man beim Überqueren der Straße kaum sieht“.

Unabhängig vom Verlust des Parkplatzes kann Olbricht generell nicht verstehen, warum in einem Wohngebiet ohne Geschäfte, Kneipe und öffentliche Gebäude ein Fahrradständer fehlen soll. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand hier sein Rad anschließt. Die meisten werden ihr Fahrrad doch auf ihrem Wohngrundstück anschließen.“ Zugleich beklagen Anwohner, dass sie dazu nicht befragt worden seien.

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Wie viele öffentliche Fahrradständer gibt es in Göttingen?

Wie viele Fahrradbügel und ähnliche Anlagen es in der Stadt gibt, hat die Stadtverwaltung nicht erfasst, sagt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Nach früheren Angaben hat die Stadt am Bahnhof mehr als 2400 legale Abstellmöglichkeiten eingerichtet – davon 1500 an der Ostseite im bereich ZOB und Haupteingang. Am Bahnhof gibt es auch ein Fahrradparkhaus mit 715 Stellplätzen auf zwei Ebenen.

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Nicht zum ersten Mal protestieren Anwohner gegen konkrete Pläne aus dem Nahmobilitätskonzept der Stadt.

Das Nahmobilitätskonzept

Das Nahmobilitätskonzept der Stadt Götingen ist eine sogenannten Initialprojekt aus einem städtischen „Klimaplan Verkehrsentwicklung“. Inhaltlich geht es vor allem um die Förderung der Aufenthaltsqualität, des Rad- und Fußverkehrs.

Nahmobilität betrifft vor allem die Wege zum Büro, zur Arbeit oder zur Schule, mit dem Rad oder zu Fuß, aber auch in Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr.

In diesem Zusammenhang hat die Stadtverwaltung 2017 mehrere Bürgerworkshops organisiert und Wünsche wie Klagen gesammelt. Daraus sind etwa 200 mögliche Maßnahmen erwachsen, die in ein Konzept eingeflossen sind. Das Konzept inklusive Umsetzung ausgewählter Projekte hat der Rat schließlich beschlossen. Dazu gehören eine Ruhe und die CarBikePort-Aktion im Brauweg sowie ein befestigter Jahnweg.

Die Bank des Anstoßes

Ebenfalls im Brauweg hat die Stadt erst kürzlich eine Sitzbank aufgestellt – ebenfalls an Stelle eines Parkplatzes. Sie soll vor allem älteren Bürgern (von einem nahen Altenheim) die Möglichkeit bieten, ich auf dem Weg in die Stadt auszuruhen. Auch dagegen hagelte es Kritik von anderen Anwohnern – vor allem Autofahrern.

Die neue Bank am Brauweg. Quelle: Niklas Richter

Protest gegen Versiegelungswahl

Zur verbesserten Nahmobilität im Brauwegviertel gehört auch ein Fußweg im bereich des Freibades, den die Stadt im vergangenen Jahr befestigt hat. Fußgänger und auch Radfahrer hatten über den vorherigen – gelegentlich auch matschigen – Schotterweg geklagt. Als die Baumaschinen anrückten, gab es allerdings heftige Proteste von Bürgern aus der ganzen Stadt. Sie wollten mit Blick auf den Naturschutz verhindern, dass wieder ein Jahnweg verbreitert und versiegelt wird. Und sie fürchteten, dass ein Bitumweg zur Rennstrecke für Radfahrer wird.

 

Von Ulrich Schubert

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