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Göttingen Sind die Kirchen in Göttingen noch zu retten?
Die Region Göttingen Sind die Kirchen in Göttingen noch zu retten?
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15:51 26.08.2019
Quelle: epd
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Göttingen

Immer weniger Menschen in Stadt und Landkreis Göttingen gehören einer der großen Kirchen an. Das hat mit Austritten zu tun, aber auch damit, dass es mehr Beerdigungen als Taufen gibt.

Im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen nahm die Zahl der Kirchenmitglieder im vergangenen Jahr von 74410 auf 72694 Gläubige ab. Die Zahl der Austritte lag 2008 noch bei 672, 2018 bei 866. Ihnen standen 123 Eintritte im Jahr 2008 gegenüber. 2018 waren es 97.

Kirche müsse vielfältiger werden

„Wir müssen stärker auf die Menschen zugehen und auf ihre Bedürfnisse mit großer Offenheit reagieren“, kommentiert Superintendent Friedrich Selter die Zahlen. In einer ausdifferenzierten Gesellschaft müsse auch Kirche vielfältiger werden. Er sieht seinen Kirchenkreis da „in ganz vieler Hinsicht auf guten Wegen“. Bei den sogenannten Sommerkirchen, besonderen Gottesdiensten während der Sommerzeit, platzten die Dorfkirchen „mit 160 Besuchern förmlich aus allen Nähten“, nennt er ein Beispiel.

Mit besonderen Gottesdiensten vermögen die Kirchen Menschen zu erreichen: ökumenischer Gottesdienst auf dem Faßberg im Mai diesen Jahres. Quelle: Meinhard

Innovationen zu fördern, so Selter, sei allerdings eine Herausforderung, wenn zurückgehende Mitgliederzahlen eine Anpassung der kirchlichen Strukturen nötig machten. „Das führt an manchen Stellen zu Enttäuschung und Überforderung bei den Mitarbeitenden“, berichtet der Superintendent. Entscheidender als Statistiken sei es, dass die Kirche das Evangelium „weiterhin glaubwürdig, überzeugend und verlässlich“ in Diakonie, Seelsorge, Bildungsarbeit, Kirchenmusik und natürlich Gottesdiensten verkündigt.

Probleme auch in der katholischen Kirche

Vor ähnlichen Problemen steht die katholische Kirche. Die Zahl der Katholiken im Dekanat Göttingen sank von 29166 im Jahr 2008 auf 26932 im Jahr 2018. Im Dekanat Untereichsfeld ging sie sogar von 29584 im Jahr 2008 auf 25290 im Jahr 2018 zurück.

Der Duderstädter Pfarrer Reinhard Griesmayr beobachtet, dass bei vielen Mitgliedern die innere Bindung an die Kirche schon schwach sei. Ein kleiner Anstoß reiche aus und die Menschen vollzögen den Austritt. Die Kirche gebe zudem zur Zeit kein gutes Bild ab. Manche hielten sie für nicht mehr reformfähig.

Aufgrund des Priestermangels könne die Kirche „traditionelle Erwartungen nicht mehr so erfüllen“ wie bisher, berichtet der leitende Geistliche des Dekanats, Propst Bernd Galluscke. Im Untereichsfeld wird seit einiger Zeit nach und nach der sogenannte überpfarrliche Personaleinsatz eingeführt. Ein Pfarrteam betreut mehrere Gemeinden. Die Folge: Es finden nicht mehr jedes Wochenende in allen Kirchen Gottesdienste statt. Taufen müssen zusammengelegt werden. Ehrenamtliche führen Beisetzungen durch.

Neue Form der Kirche

Die größte Herausforderung sieht Galluschke darin, „den Wechsel von einer Form von Kirche zu einer neuen Form auszuhalten und dabei nicht genau zu wissen, wie die neue Form aussehen wird.“ Wichtig sei es, dass die Kirche „für Menschen in jedweder Not“ da zu sei.

In der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Göttingen ist die Zahl der Mitglieder in den vergangenen fünf Jahren von gut 2000 auf weniger als 1900 Christen gesunken. Ein- und Austritte würden sich die Waage halten, betont Pastor Michael Ebener. Allerdings kämen im Jahr auf zehn Taufen 20 Beerdigungen. Zudem verliere die Gemeinde jährlich 15 bis 20 Mitglieder durch Fortzüge.

Zahlen aus den Kirchenkreisen

Kirchenkreise Göttingen und Harzer Land

Die Zahl der Kirchenmitglieder im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen belief sich im Januar 2019 auf 72694. Im Vorjahr waren es noch 74410. 2008 gab es im Kirchenkreis 672 Austritte, 2012 bei 499, 2017 bei 789 und 2018 bei 866. Ihnen standen eine geringere Anzahl an Eintritten gegenüber. 2008 waren es 123, 2012 121, 2017 70, 2018 97.

Die Zahl der Taufen ist seit zehn Jahren rückläufig. Sie betrug 2008 674, 2012 599. 2017 528 und 2018 496. Auch die Zahl der Konfirmationen ist rückläufig. 2008 waren es 788, 2012 758, 2017 544 und 2018 452. Die Zahl der kirchlichen Hochzeiten belief sich 2008 auf 145, 2012 auf 155, 2017 auf 127 und 2018 auf 123. Die Zahl der Beerdigungen betrug 2008 975, 2012 905, 2017 839 und 2018 898.

Im Kirchenkreis Harzer Land, der unter anderem das Untereichsfeld und den Altkreis Osterode umfasst, betrug die Zahl der Austritte 2008 202, 2012 255, 2017 332 und 2018 407. Denen stand eine deutlich kleinere Zahl an Eintritten gegenüber. 2008 waren 82, 2012 57, 2017 55 und 2018 55.

Einen negativen Einfluss auf die Mitgliedzahlen hat der demografische Wandel. Die Zahl der Taufen belief sich 2008 auf 447, 2012 464, 2017 420 und 2018 328. Die Zahl der Konfirmationen belief sich 2008 auf 688, 2012 681, 2017 472 und 2018 418. Die Zahl der Hochzeiten belief sich 2008 auf 152, 2012 123, 2017 93 und 2018 123. Diesen Zahlen stand eine deutlich höhere Zahl an Beerdigungen gegenüber. 2008 waren es 979, 2012 923, 2017 918 und 2018 979.

Von Michael Caspar

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