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Göttingen Impfteam verteilt Booster-Impfungen in Göttinger Seniorenheim
Die Region Göttingen

Mobiles Impfteam verteilt Booster-Impfungen im Göttinger Seniorenheim "Luisenhof"

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17:54 08.11.2021
Die Pflegedirektorin des Luisenhofs in Göttingen, Sabine Paluch, erhält von Krankenpfleger Bernd Schmidtchen ihre Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus.
Die Pflegedirektorin des Luisenhofs in Göttingen, Sabine Paluch, erhält von Krankenpfleger Bernd Schmidtchen ihre Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus. Quelle: Urs Mundt
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Göttingen

Ungewöhnlich viel los ist an diesem Freitag im Untergeschoss des Luisenhofs in Göttingen-Weende. In zwei Räumen haben sich die Johanniter-Mitarbeiter des zehnköpfigen Impfteams eingerichtet, um den rund 120 Bewohnern sowie den Beschäftigten des Senioren- und Pflegeheims Auffrischungsimpfungen mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff anzubieten. In dem Gewusel bahnen sich Hausbewohner mit und ohne Rollator ihren Weg, unterstützt von Pflegekräften des Hauses. Bereits im Februar wurden im Haus Zweitimpfungen angeboten. Nun ist das Pflegeheim eines der ersten im Landkreis, das wieder von einem Impfteam besucht wird.

Unter den Impflingen ist auch die Pflegedirektorin des Hauses, Sabine Paluch. An einem Tisch nimmt sie Platz neben dem Krankenpfleger und Johanniter-Mitarbeiter Bernd Schmidtchen. Ein kleiner Pieks und schon ist es geschafft. Paluch hofft, dass das Coronavirus auch künftig einen Bogen um den Luisenhof macht. „Unser Haus ist sehr gut durch die Pandemie gekommen. Wir hatten bislang keinen einzigen Corona-Ausbruch“, sagt sie. „Das ist nicht nur Glück. Unsere Mitarbeiter haben die angeordneten Schutzmaßnahmen stets umgesetzt. Dafür auch muss ich einen großen Dank aussprechen.“

Einige lehnen die Impfung ab

Zum Schutzkonzept gehört, dass die geimpften Mitarbeiter wöchentlich und die nicht geimpften täglich getestet werden, wie die Leiterin des Luisenhofs, Doreen Schultz, erklärt. Fast alle Mitarbeiter seien mittlerweile geimpft. „Ich akzeptiere das, wenn Mitarbeiter nicht geimpft werden möchten“, sagt sie. Für diese gelte dann die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Auch einige Bewohner lehnten die Impfung ab. Für manche komme die Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage. „Andere Menschen, die in palliativer Behandlung sind, möchten dem geschwächten Körper die zusätzliche Belastung ersparen“, erklärt Schultz.

Während die Arbeit im Untergeschoss weitergeht, impfen die Teamkollegen im dritten Stock Bewohner, die nicht oder kaum noch mobil sind. Mit dabei ist auch die zweite Impfärztin des Teams, Claudia Schumann. Früher hat die Ruheständlerin als niedergelassene Frauenärztin gearbeitet. Während der Pandemie hat sie in Impfzentren und in Impfteams mitgearbeitet. Während die zum nächsten Zimmer geht, erklärt sie, was beim heutigen Einsatz besonders ist: „Wir kennen die Leute nicht und müssen genau schauen, welche Vorerkrankungen sie haben, und welche Medikamente sie nehmen. Nach der Impfung muss jemand bei dem Bewohner bleiben, für den Fall, dass es zu einer allergischen Reaktion kommt“, sagt sie und zeigt auf die Notfall-Ausrüstung im mitgeführten Wägelchen. „Zum Glück habe ich das noch nicht erlebt.“ Schumann geht in ein Zimmer und schließt die Tür hinter sich.

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Pflegeheime wurden „zu lange vernachlässigt“

Ein paar Zimmer weiter wohnt Kurt Hotho. Der 95-Jährige, der vor drei Jahren in den Luisenhof zog und davor in Bovenden lebte, hat seine Auffrischungsimpfung schon am Vortrag erhalten. Er habe alle seine Corona-Impfungen gut vertragen, sagt er. Bedenken gegen die Impfung habe er keine. „Es geht ja darum, Corona zu bekämpfen. Als Gefahr sähe ich es, wenn jemand ungeimpft hier ins Haus käme“, sagt Hotho, der als Vorsitzender der Bewohnervertretung die Interessen der Hausbewohner vertritt. Aus seiner Sicht hat der Staat die Alten- und Pflegeheime in der Pandemie zu lange vernachlässigt. „Bund und Länder hätten sich besser absprechen müssen. Da zeigt sich ein Nachteil des föderalen Systems.“

Inzwischen ist es ruhig geworden in den Impfräumen. Der Dienststellenleiter des Johanniter-Ortsverbands Göttingen, Stephan Siebold, denkt schon an die nächsten Einsätze, etwa in kommunalen Gemeindehäusern im Landkreis. „Nur mit Altenheimen wären unsere fünf Teams nicht ausgelastet, da viele Heime die Drittimpfungen schon selbst organisiert haben, etwa mithilfe von Hausärzten“, erklärt er. So soll etwa auch im ehemaligen Impfzentrum an der Siekhöhe in Göttingen weiterhin geimpft werden. Das Angebot der Drittimpfung richtet sich aktuell nur an über 70-Jährige, deren Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt. „Für alle bieten wir aber auch weiterhin Erst- und Zweitimpfungen an“, betont Siebold.

Von Urs Mundt