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Göttingen Venus, Jupiter oder Supernova
Die Region Göttingen Venus, Jupiter oder Supernova
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21:22 18.12.2017
Gezeigt wird unter anderem der Krebsnebel, die Überreste einer Supernova im Sternbild Stier.
Gezeigt wird unter anderem der Krebsnebel, die Überreste einer Supernova im Sternbild Stier.
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Göttingen

Dr. Thomas Langbein und Dr. Klaus Reinsch vom Förderverein erläutern wissenschaftliche Erkenntnisse mit Hilfe eindrucksvoller 360-Grad-Projektionen in einem mobilen Planetarium in der St. Johanniskirche.

Viele Wahrscheinlichkeiten

„Wir versuchen, den Fragen, die sich die Menschen zur Weihnachtszeit stellen, naturwissenschaftlich nachzugehen“, sagt Reinisch zu Beginn seines Vortrags. Schnell wird klar, dass es viele Wahrscheinlichkeiten gibt, aber keine sicheren Erkenntnisse oder gar Beweise. Überlieferte Verse aus dem Matthäus- und dem Lukas-Evangelium bilden die Grundlage, ein eventuelles Himmelspektakel zeitlich einordnen zu können, doch es kommt immer zu Ungereimtheiten. Ein Komet, wie ihn beispielsweise Giotto di Bondone in seinem Fresko in der Arena-Kapelle in Padua verewigt hat, ist, so Reinsch, höchstwahrscheinlich vom Halleyschen Kometen inspiriert, der im Mittel alle 76 Jahre auf der Erde sichtbar ist. Zur uns bekannten Geburt Christi sei er allerdings nicht zu sehen gewesen, sondern 12 Jahre zuvor.

Der deutsche Astronom Johannes Kepler hatte im Jahr 1604 einige spektakuläre Planeten-Konstellationen beobachtet und konnte zurückrechnen, dass sie in ähnlicher Form in der Heiligen Nacht aufgetreten sind. Die von Kepler gesehene Konjunktion, eine scheinbare Begegnung, von Jupiter, Saturn und Mars und eine mögliche, aber wissenschaftlich nicht belegbare Supernova, eine Sternenexplosion, könnten im Jahre 7 vor Christus erfolgt sein. Dagegen spricht, dass Jupiter und Saturn sich nie so nahe gekommen sind, als das die Heiligen Drei Könige sie für einen einzigen Stern gehalten haben könnten. Wenn diese Erkenntnis allerdings gesichert wäre, müsste unsere Zeitrechnung um sieben Jahre korrigiert werden.

Alles mit Fragezeichen versehen

Zwei weitere Konjunktionen, die Kepler beobachtet hat, ließen sich zeitlich deutlich dichter am Geburtstag Jesu Christi , nämlich im Jahr 2 vor seiner angeblichen Geburt verorten: die von Venus und Jupiter sowie von Jupiter und Regulus, dem Hauptstern im Bild des Löwen. An Hand eines eingeblendeten Zeitstrahls in der Kuppel verweist Reinsch allerdings auf den nächsten Widerspruch: „Das würde dann nicht mehr mit dem überlieferten Todesdatum des regierenden Herodes übereinstimmen, der sich ja vor dem neuen König gefürchtet haben soll.“ Alles, schließt Reinsch seinen Vortrag, sei mit vielen Fragezeichen versehen. „So bleibt es jedem Menschen selbst überlassen, was er im Stern von Bethlehem sehen möchte.“

Eine zweite Show in der Planetariumskuppel trägt den Titel „Dort draußen – die Suche nach fremden Welten“. „Wir möchten, so Vereinsvorstand Langbein, ferne und neue Welten entdecken, sie erforschen und nach neuartigen und außergewöhnlichen Lebensformen suchen, die in unerforschten Bereichen des Universums existieren könnten. Beide Veranstaltungen richten sich an Erwachsene sowie an Kinder ab 10 Jahren, dauern jeweils 25 Minuten und sind kostenfrei. Spenden sind willkommen. Die Vorstellungen werden abwechselnd gezeigt und beginnen am Dienstag um 17 Uhr, 17.30 Uhr, 18 Uhr sowie um 18.30 Uhr. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes bitten die Veranstalter um eine Kartenreservierung .

Von Christoph Mischke

18.12.2017
14.01.2018