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Göttingen Weitere Bomben in Göttingen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Blindgängersuche
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Mögliche Blindgänger in Göttingen: Was ist bislang bekannt?

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14:09 22.09.2021
Die Fachleute des KBD gehen davon aus, dass westlich und östlich der Leine in Göttingen (Godehardstraße, Blümchenviertel, Schützenplatz) mehr als 80 Verdachtspunkte zu untersuchen sind.
Die Fachleute des KBD gehen davon aus, dass westlich und östlich der Leine in Göttingen (Godehardstraße, Blümchenviertel, Schützenplatz) mehr als 80 Verdachtspunkte zu untersuchen sind. Quelle: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild
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Göttingen

In der Göttinger Weststadt haben sich durch neue Informationen des Landesamts für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen Verdachtspunkte zu Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg ergeben. Das hat die Göttinger Stadtverwaltung am Mittwoch mitgeteilt. Diesen Verdachtspunkten wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD) jetzt nachgehen und sie sondieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was wurde entdeckt?

Nach aktueller Lage gehen die Fachleute des KBD davon aus, dass westlich und östlich der Leine (Godehardstraße, Blümchenviertel, Schützenplatz) mehr als 80 Verdachtspunkte zu untersuchen sind. Ob sich der Verdacht jeweils erhärtet, kann nur durch eine gezielte Sondierung jedes einzelnen Punktes geprüft werden, so die Stadtverwaltung.

Wie ist das weitere Vorgehen?

Wenn sich Verdachtspunkte durch eine Sondierung weiter erhärten sollten, werde das jeweilige Objekt ausgegraben. Sollte es sich um einen Bombenblindgänger handeln, werde eine Entschärfung oder kontrollierte Sprengung vorbereitet, teilte die Verwaltung weiter mit. Im Anschluss an eine mögliche „Neutralisierung“ prüften Stadt und KBD die Lage im Gebiet und entschieden, welcher Verdachtspunkt als nächstes näher zu untersuchen ist.

Besteht eine Gefahr für die Bürger?

„Eine besondere Gefahrenlage für die Bevölkerung ist nicht gegeben“, unterstreicht Oberbürgermeister Köhler und betont, dass die Stadt im engen Austausch mit den Fachleuten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes stehe. „Wir gehen hier gemeinsam gut strukturiert und mit einem Maximum an Expertise ans Werk.“

Müssen akut bestimmte Bereiche geräumt werden?

Nach derzeitiger Kenntnislage sei es nicht erforderlich, dass kurzfristig einzelne Areale geräumt werden müssten. „Maßnahmen wie die Evakuierung der Bevölkerung werden ergriffen, sobald es zu einer möglichen Entschärfung oder kontrollierten Sprengung kommt“, so Köhler.

Vor welchen Herausforderungen stehen Verwaltung und Bürger?

Rein logistisch sieht der Oberbürgermeister große Herausforderungen auf die Stadt zukommen. Aufgrund der hohen Zahl an Verdachtspunkten lasse sich nicht vermeiden, die Bevölkerung im jeweils konkreten Fall zu ihrem eigenen Schutz zu evakuieren. Köhlers Appell: „Gefragt sind jetzt vor allem Gemeinsinn, Solidarität und Zuversicht. Es gilt, die Angelegenheit besonnen, zielstrebig und mit der gebotenen Ruhe anzugehen. Das wird ein Kraftakt für alle Beteiligten – für den KBD, für Hilfsorganisationen, für den Stab, vor allem aber für die Menschen im betroffenen Viertel.“ Der KBD werde versuchen, je Einsatz so viele Verdachtspunkte wie möglich zu bearbeiten.

Wie lange wird die Untersuchung der mehr als 80 Verdachtspunkte dauern?

Der Erste Stadtrat Christian Schmetz geht davon aus, dass die Untersuchung der Verdachtspunkte und im Fall der Fälle ihre Entschärfung oder kontrollierte Sprengung einen längeren Zeitraum beanspruchen wird. „Für die nächsten Jahre werden die Menschen im Quartier immer wieder mit Sondierungen, Evakuierungen und – im Fall eines Bombenfunds – Entschärfungen oder Sprengungen zu tun haben.“ Die Stadt stehe den Betroffenen dabei eng zur Seite, so Schmetz. „Göttingen hat leidvoll erleben müssen, dass das Thema Bombenblindgänger nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Die kontrollierte Sprengung von gleich vier Weltkriegsbomben Anfang 2021 hat gezeigt, wie wichtig die Arbeit des KBD ist.“

Gibt es schon konkrete Informationen zu einzelnen Verdachtspunkten?

„Aufgrund von Bauarbeiten gilt ein Punkt an einer Gasleitung der Stadtwerke als berührt und muss näher untersucht werden“, berichtet Schmetz. „Die Stadtwerke werden den betreffenden Leitungsabschnitt jetzt sperren. Es handelt sich um eine Transportleitung als Redundanz ohne direkt zu versorgende Kunden. Es besteht durch die Gasleitung für die Anwohner keine Gefahr durch Brand oder Explosion.“ Der Verdachtspunkt werde ab Donnerstag, 23. September, 7.30 Uhr, außerdem mit Containern gesichert, so Schmetz. Auch der Leineradweg werde zur Sicherheit gesperrt.

Wann beginnen die Untersuchungen der konkreten Verdachtspunkte?

Die Untersuchungen sollen laut Schmetz erst im nächsten Frühjahr starten, um bei Störungen im Gasnetz während der kalten Monate über die Wiederinbetriebnahme der Transportleitung die durchgängige Gasversorgung in Göttingen zu gewährleisten. Mit der Sondierung werde der KBD dann weitere Erkenntnisse über den Verdachtspunkt gewinnen. „Sobald diese Erkenntnisse vorliegen, können die nächsten Schritte geplant werden“, so Schmetz. Am Kulturzentrum gebe es einen weiteren Verdacht: „Die Nutzerinnen und Nutzer des Zentrums sind bereits informiert, der KBD wird hier in Kürze seine Arbeit aufnehmen und die Sondierung vorbereiten.“

Wie setzt sich der Krisenstab zusammen?

Unterstützt wird der KBD nach Angaben der Verwaltung von einem Stab, den der Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) unter der Leitung des Ersten Stadtrats Christian Schmetz sowie dem Leiter der Göttinger Berufsfeuerwehr Martin Schäfer eingerichtet hat. Für den Fall einer „Neutralisierungsmaßnahme“ will die Stadtverwaltung die Menschen im betroffenen Quartier wieder gezielt informieren. Außerdem soll dann auch wieder ein Bürgertelefon eingerichtet werden.

Von Andreas Fuhrmann/r