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Die Region Göttingen Mojib Latif eröffnet Göttinger Klimaschutztage
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16:15 24.11.2017
„Alles ist noch möglich, aber die Kohlendioxid-Emissionen müssen jetzt sinken“: Mojib Latif im übervoll besetzten Ratssaal. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Der bekannte TV-Meteorologe ist Professor am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Latif zeigte in seiner Präsentation, dass die Konzentration des als Treibhausgas bekannten Kohlendioxids seit 1990 „explodiert” ist. Der Wissenschaftler sprach von einem Anstieg des Gases in der Erdatmosphäre um 65 Prozent in diesem Zeitraum. Das Problem: „Wir merken das nicht, wir sind unfähig, das wahrzunehmen”, sagte er. Noch immer gebe es Skeptiker: nicht nur der US-amerikanische Präsident Donald Trump halte die Erderwärmung für eine Lüge. „Sobald es einmal etwas kälter ist, bekomme ich tonnenweise E-Mails von Menschen, die an der Erwärmung zweifeln”, so Latif. Im derzeitigen „postfaktischen” Zeitalter gebe es genug Follower für alle möglichen abstrusen Ideen. „Es gibt genug Menschen, die immer noch nicht glauben, dass die Erde eine Kugel ist.” Den Leugnern des Klimawandels müsse man entschieden entgegentreten. „Wehret den Anfängen, mit dem Klimawandel fängt es an, mit der Abschaffung der Menschenwürde endet es.”

Noch sei es nicht zu spät, es müsse nur eine „kleine Revolution” entstehen. Nur „von unten heraus” könne man etwas bewegen. Das habe der Atomausstieg gezeigt. Ohne den Protest der Menschen wäre der nicht möglich gewesen. Das Problem sei ein Energieproblem, die Hauptursache sei in der Nutzung fossiler Energie zu finden. Dadurch sei der C02-Gehalt in der Atmosphäre auf einen in der Geschichte der Menschheit bislang einmalig hohen Wert gestiegen. Das könne man anhand von Eisbohrkernen leicht nachweisen.

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„Die Emissionen müssen jetzt runter“

Ein „Erkenntnisproblem” gebe es nicht, die Fakten lägen auf dem Tisch. Zwar habe es immer Kalt- und Warmzeiten gegeben und nicht jede Entwicklung sei zu berechnen. Was aber einmalig sei, sei die Geschwindigkeit, mit der Meeresspiegel, Temperatur und CO2-Gehalt steigen. Latif sprach von einem „gigantischen Experiment”, das die Menschen mit dem Planeten veranstalten. Seit 1990 sei auch in Deutschland kaum noch etwas passiert, „wir kommen nicht vom Fleck”, sagte der Wissenschaftler. „Alles ist noch möglich, aber die Emissionen müssen jetzt runter”, mahnte er. Kohlendioxid sei langlebig und bleibe mehr als 100 Jahre lang in der Atmosphäre. „Das ist wie beim Schulden anhäufen, auch wenn ich weniger mache, wächst der Schuldenberg weiter”, so Latif. Als Beispiel nannte er den andauernden Betrieb von Kohlekraftwerken. Das Problem sei seit Jahrzehnten bekannt, aber die Politik habe es „verschlafen”.

Viel Applaus vor allem von den jungen Zuhörern bekam Latif, als er mit einem Einstein-Zitat schloss. „Die gewaltigen Probleme unserer Zeit können nicht mit derselben Denkart gelöst werden, welche jene Probleme hervor gebracht hat.”

Von Britta Bielefeld

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