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Göttingen Baustopp nach „gigantischer Havarie“
Die Region Göttingen Baustopp nach „gigantischer Havarie“
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00:17 30.05.2016
Von Ulrich Schubert
Durch einen zunächst nicht vorgesehenen und extra gebauten Schacht mitten in der Rorbert-Koch-Straße musste der havarierte Bohrkopf geborgen werden.
Durch einen zunächst nicht vorgesehenen und extra gebauten Schacht mitten in der Rorbert-Koch-Straße musste der havarierte Bohrkopf geborgen werden. Quelle: r
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Göttingen

Die technische Leiterin der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB), Maren Reimann, kommentiert die Panne im vergangenem September irgendwo unter der der Robert-Koch Straße schonungslos: „Das war eine gigantische Havarie, eine Katastrophe.“ Das war passiert: Im Auftrag der Uniklinik verlegen die GEB neue Abwasserkanäle vom Großkrankenhaus bis zu einem sogenannten Sammler an der Bahntrasse – 550 Meter entlang der Robert-Koch-Straße, Beyerstraße und unter viele Wohngrundstücke hindurch. Hintergrund ist die Erweiterung der Uniklinik, sie bekommt unter anderem neue Bettenhäuser. Die UMG zahlt die neuen Kanäle, die GEB übernehmen später einen Großteil der Leitungen ins öffentliche Kanalnetz.

Zu spät für Korrekturen

Bei den Arbeidten setzen die GEB auf ein Microtunneling-Verfahren. Dabei dringt ein großer Bohrer in sieben Meter Tiefe durchs Erdreich. Im entstehenden Tunnel werden die Kanalrohre eingezogen. Auf zwei Streckenabschnitten sei alles gut gelaufen, so Reimann, im 3. Abschnitt sei der Bohrer plötzlich abgedriftet. Als die Firmen das bemerkten, sei es für eine Korrektur zu spät gewesen.

Inzwischen sei klar, dass der Bohrer im August auf eine Nahtstelle zwischen härterem Kies und weichem Boden gestoßen sei. Dadurch sei er in die weiche Richtung aus seiner Bahn gedrückt worden. Reimann: „Der Göttinger Boden ist schwierig und inhomogen – durchsetzt mit vielen verschiedenen Materialschichten.“ Fehler seien passiert, dennoch können niemandem eine Schuld zugewiesen werden.

550 Meter freier Fluss

Es ist eines der größten Kanalbauprojekte: der Göttinger Entsorgungsbetriebe. Auf einer Strecke von 550 Metern verlegt die GEB für das Uniklinikum neue Schmutzwasserkanäle. Durch sie soll das Klinikabwasser bis zu einem großen Sammelrohr an der Bahntrasse fließen. Ein Pumpwerk ist nicht mehr erforderlich.

Erstmals lassen die GEB die Tunnel für die Polymerbetonrohre in acht bis vier Meter Tiefe ferngesteuert bohren - unter Straßen, Häuser und Gärten hindurch. Nur an einigen Stellen werden Schächte gegraben. Regenwasserkanäle für den Klinikbereich sind in ähnlicher Bauweise bereits fertiggestellt. us

Folge der Havarie: Baustopp, Gutachten und etliche Krisensitzungen mit allen beteiligten Firmen. Ungeplant musste mitten in der Robert-Koch-Straße ein großer Schacht gesetzt werden, um den Bohrer zu bergen. „Und die eigentlich geplante Trasse war auch unbrauchbar“, so Reimann.

Neuer Bohrer, neue Strecke

Monatelang hätten Baufirmen und GEB um eine Lösung gerungen, die für alle vertretbar sei – auch für die Uni als Auftraggeber. Inzwischen werde wieder gearbeitet. Mit einem deutlich größeren Bohrer werde ein Tunnel im 24-Stunden-Betrieb vorgetrieben, auf einer neuen Strecke. Durch seine Größe und andere Technik hofften die Fachleute, das Pannenrisiko zu verringern.

210 von 320 Meter Tunnel im betroffenen Abschnitt seien bereits geschafft, so Reimann, „und auch die Anlieger spielen mit. Die Mehrkosten „werden wohl mehrere Hunderttausend Euro betragen“. Für das gesamte Projekt waren etwa drei Millionen Euro veranschlagt.