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Göttingen Monika Zimmermann im Literarischen Zentrum
Die Region Göttingen Monika Zimmermann im Literarischen Zentrum
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00:18 03.06.2017
Im Literatischen Zentrum: die frühere Tageblatt-Redakteurin Monika Zimmermann (rechts) im Gespräch mit Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes. Quelle: Hartwig
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Göttingen

„Von grauen Eminenzen und bunten Vögeln, von hohen Tieren und Menschenfischern“ - der Untertitel ihres 240 Seiten starken Buches deutet schon auf den Kreis jener Interviewpartner hin, mit denen Zimmermann während ihrer beruflichen Stationen ins Gespräch kam. Politiker wie Angela Merkel und Erich Honnecker zum Beispiel, aber auch den berühmten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki

Ihn lernte Zimmermann als junge Frau kennen, die sich gerade erst die journalistischen Sporen beim Göttinger Tageblatt verdient hatte. Sie war ins Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gewechselt, wo Reich-Ranicki arbeitete. "Er konnte sehr ungalant sein," erinnerte sich Zimmermann, "aber auch überaus charmant". Der Redaktionsalltag bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sei "eine einzige Fortbildungsveranstaltung gewesen".

Beeindruckend waren die Schilderungen Zimmermanns, wie sie 1987 für die FAZ als Korrospondentin in die damalige DDR ging und im Gegensatz zu den anderen Westjournalisten in Ost-Berlin wohnte. Vieles sei schwierig gewesen, sagte sie mit Blick auf Schikanen und stetige Beobachtungen. "Aber journalistisch war das ganz toll. Ich war wie beseelt von meiner Arbeit." Den Zuhörern der Lesung im Literarischen Zentrum gewährte Zimmermann auch Einblicke in Auszüge ihrer Stasiakte. 

Auch ein paar Göttinger finden sich unter den 57 Portraits im Buch, aus dem sie einige Anekdoten zum Besten gab. So berichtete Zimmermann, wie sie Tageblatt-Mitarbeiterin wurde und zum Beispiel mit Jochen Brandi "durchs Gebüsch" zur Industriebrache des früheren Eisenbahnausbesserungswerkes, der heutigen Lokhalle, schlich. Brandi sei es gewesen, der damals versucht habe, das Bauwerk zu retten. Das und die beinahe malerisch-mystische Atmosphäre der großen alten Halle hätten sie tief beeindruckt, sagte Zimmermann.

Schließlich erfuhren die Zuhörer auch, wie es kam, dass die Journalistin Zimmermann "die Seiten wechselte" und in die Politik ging. Nämlich eher zufällig, wie sie sagt. Sie habe sich gerade darauf vorbereitet, für die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Journalistenprogramm in Bulgarien zu leiten, als der wiedergewählte Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Wolfgang Böhmer, sie angerufen und gefragt habe, ob sie Regierungssprecherin werden wolle. "Einen Tag später war ich Regierungssprecherin", sagte Zimmermann. In ihrem neuen Posten habe sie sich als "Übersetzerin" gesehen, die Journalisten die Politik erkläre und Politikern vermittle, "wie Journalisten so ticken".

Die Veranstaltung wurde moderiert von Tageblatt-Redakteurin Angela Brünjes.