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Göttingen Die Schönheit der Bohrköpfe: Monira Al Qadiris „Empire Dye“ im Alten Rathaus Göttingen
Die Region Göttingen Die Schönheit der Bohrköpfe: Monira Al Qadiris „Empire Dye“ im Alten Rathaus Göttingen
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19:00 20.09.2019
Die Künstlerin Monira Al Qadiri stellt im Alten Rathaus aus. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Monira Al Qadiri stellt im Alten Rathaus in Göttingen ihre Skulpturen und Videoarbeiten aus. Der Kunstverein Göttingen organisiert Deutschlands erste Einzelausstellung der im Senegal geborenen Künstlerin mit kuwaitischem Pass mit dem Titel „Empire Dye“, also Färbung des Imperiums. Das Wortspiel mit dem englischen „die“, sterben, sei beabsichtigt, sagt die Künstlerin. Eröffnung ist am Sonntag, 22. September, um 12 Uhr. Al Qadiris schillernde und farbenprächtige Werke beschäftigen sich mit den Ozeanen, Erdöl und ihrer eigenen Vergangenheit.

Die Eingangshalle der Ausstellung im Obergeschoss des Alten Rathauses beinhaltet nur ein Exponat: Eine violett gefärbte, etwa zwei Meter große Purpurschnecke aus Styropor hängt dort von der Decke. Sie scheint nicht aus dieser Welt zu stammen und liefert zugleich den perfekten Einstieg in Al Qadiris Bilder- und Gefühlswelt. Die purpurne Farbe zieht sich durch den weiteren Verlauf: Seien es silberne Perlen in violetten Schalen oder gar die purpur schimmernden Anzüge des Synchronschwimmteams aus Abu Dhabi, das in einem Video nachts zur alten Musik der Perlenfischer im pechschwarzen Ozean tanzt.

„Empire Dye“ ist im Alten Rathaus Göttingen zu sehen

Großvater auf dem Perlenfischerboot

„Vor Öl war Perlenfischen eine Haupteinnahmequelle meines Landes“, erklärt Al Qadiri. Ihr Großvater war Sänger auf einem Perlenfischerboot, berichtet die in Kuwait aufgewachsene Tocher eines Diplomaten. Leider habe sie ihn nie kennengelernt, in ihrem Werk „Father of pearl“, Perlenvater, hat sie ihn aber verewigt. Auch dieses Projekt ist im Alten Rathaus ausgestellt. „Perlentauchen ist für mich noch immer fiktional, wie ein Disney-Film“, sagt sie.

Al Qadiri betrachtet in ihren Skulpturen die Ölindustrie mit einem besonders kritischen Blick. „Öl ist überall enthalten“, sagt sie. Man könne sich dem Rohstoff im Alltag nicht entziehen, er sei „wie ein Geist, dem man nicht entkommen kann.“ Zudem sei die Ölförderung nichts, auf das man die Wirtschaft eines Landes aufbauen sollte.

Schönheit gibt es auch bei Bohrköpfen

Dass aber auch Schönheit darin zu finden ist, verdeutlicht sie anhand aus Glas nachgebildeter Bohrköpfe, die im Licht glänzen und funkeln, in blau, violett und silber. Bohrköpfe finden sich in der Ausstellung überall: So hat ein japanischer Künstler echte Perlen für sie in diese Form geschliffen, auch Seifenstücke sind zu schwarzen Nachbildungen davon geworden. Al Qadiri zeigt die Schönheit in einem der zerstörerischsten Industriezweige der Welt, erkennt aber die Gefahr darin. Ihre Skulpturen regen zum Nachdenken und Hinterfragen an. „Ich frage mich oft: Wie sieht unsere Zukunft aus? Öl ist so verführerisch, aber auch endlich. Es wird nicht ewig so weitergehen können. Wir zerstören die Erde damit“, sagt sie.

Perfekter Rahmen im Alten Rathaus

Auch, wie zukünftige Generationen einmal auf das Hier und Jetzt zurückschauen werden, beschäftigt die Künstlerin, die in Berlin lebt. „Wird irgendwann jemand einen Bohrkopf ausgraben und sich fragen, was welche Außerirdischen damit einmal getan haben?“, fragt sie sich. Science-Fiction baut die Comic-Liebhaberin ebenfalls in ihre Kunst ein. So kann die Purpurschnecke durchaus als Alien gesehen werden, aber auch als Relikt aus Zeiten der Dinosaurier.

Die passende Umgebung für ihre Ausstellung hat Al Qadiri im Alten Rathaus gefunden. „Es ist schön, von so viel Geschichte umgeben zu sein. Das mittelalterliche Gebäude liefere den perfekten Rahmen für ihre Kunst. „Die meisten Kunsthäuser sind supermodern. Das hier ist wie im Märchen“, sagt sie.

„Empire Dye“ ist bis Ende November zu sehen

Der Kunstverein Göttingen präsentiert mit „Empire Dye“ die erste umfassende Einzelausstellung von Monira Al Qadiri in Deutschland. Der Titel bedeutet auf Deutsch „Färbung des Imperiums“. Die Ausstellung betrachtet aus einer „futuristischen Perspektive das unvermeidliche Ende der menschlichen Herrschaft über die materiellen Reichtümer der Erde“, schreibt der Kunstverein. Dazu wird das Meer als Metapher benutzt. In der Ausstellung im Alten Rathaus in Göttingen werden Skulpturen und Videoarbeiten gezeigt, die ozeanische Motive ästhetisch und erzählerisch mit der Geschichte des Erdöls verbinden. Die Vernissage beginnt am Sonntag, 22. September, um 12 Uhr mit Grußworten von Helmut Wenzel, Geschäftsführer des Kunstvereins, und Petra Broistedt, Kulturdezernentin der Stadt Göttingen. Die Kuratorin des Kunstvereins, Tomke Braun, wird anschließend in die Ausstellung einführen. Die Werke der kuwaitischen Künstlerin werden bis zum 24. November dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus zu sehen sein.

Von Tobias Christ

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