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Göttingen Tod an der Göttinger Karspüle: Zeugen belasten Angeklagten
Die Region Göttingen Tod an der Göttinger Karspüle: Zeugen belasten Angeklagten
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20:34 18.06.2019
Was passierte in den Stunden nach der Tat? Mit weiteren Zeugenaussagen wird der Prozess um ein Tötungsfall in Göttingen fortgesetzt – hier Aufnahmen vom Prozessauftakt im Mai. Quelle: Christina Hinzmann / GT
Göttingen

Mit der Befragung weiterer Zeugen ist am Dienstag der Prozess um ein Tötungsdelikt im vergangenen Dezember an der Oberen Karspüle in Göttingen fortgesetzt worden. Nach ihren Angaben hat der Angeklagte selbst wenige Stunden nach der Tat von Messerstichen gegen das Opfer berichtet. Zugleich soll er noch in der Nacht und am Folgetag erst sein blutbeflecktes T-Shirt und dann seine Jacke verbrannt haben. Drei Zeugen bestätigten außerdem, gemeinsam mit dem Tatverdächtigen die mögliche Tatwaffe und das Handy des Opfers am Folgetag in einen Baggersee bei Rosdorf geworfen zu haben – teilweise aus Mitleid mit dem reuigen mutmaßlichen Täter.

Es ist bisweilen ein mühseliges Unterfangen für den Vorsitzenden Richter Michael Kalde, die Aussagen der Zeugen zu strukturieren und eine nachvollziehbare Darstellung der Ereignisse herauszuarbeiten. Immer wieder verstricken sich einige in dem überhitzten Saal des Landgerichts in Widersprüche zu ihren Aussagen vor einem halben Jahr bei der Polizei oder antworten zunächst sehr ungenau. Dass Familienmitglieder – vor allem die Mutter – des Opfers immer wieder in Tränen ausbrechen, drückt die Stimmung zudem.

Angeklagter verfolgt Verhandlung ernst

Auf der Anklagebank sitzt ein 20-jähriger Göttinger. Er verfolgt die Sitzung aufmerksam, ernst und mit leicht gesenktem Kopf. Ihm wird vorgeworfen, in der Nacht zum 1. Dezember 2018 einen 28-jährigen Göttinger an der Straße „Obere Karspüle“ getötet zu haben. Der damals noch 19-jährige mutmaßliche Täter soll sein Opfer nach einem Streit erstochen haben. Zu Prozessbeginn im Mai hatte er ein Geständnis abgelegt. Warum die beiden in Streit geraten waren, ist nach wie vor unbekannt.

Das sollte sich auch am 3. Prozesstag, der sich mit acht Zeugen über Stunden hinzog, nicht ändern. Geladen waren zunächst ein Anwohner der Oberen Karspüle, ein Bekannter des Angeklagten und Beschäftigter einer Bar sowie eine Gruppe junger Männer, die sich unmittelbar nach dem Vorfall in unmittelbarer Nähe aufhielten. Sie bestätigten unter anderem einen mutmaßlichen Streit und Blutflecken auf Kleidungsstücken des mutmaßlichen Täters. Drei 24 bis 30 Jahre alte Männer wollen außerdem beobachtet haben, dass der Angeklagte nach dem Streit parallel zu ihnen in aller Ruhe in Richtung Carré gegangen sei. Weil das Opfer aber noch ansprechbar war und sie den Eindruck gehabt hätten, es habe nur eine „normale Schlägerei gegeben seien sie ebenfalls gegangen so die Zeugen. Erst am Folgetag meldeten sich die Zeugen bei der Polizei.

Schwierig gestaltete sich die Befragung drei weiterer Zeugen im Alter von 18 und 19 Jahren. Sie hatten den Angeklagten und einen seiner vorherigen Begleiter vor einem Imbiss an der Goethe-Allee getroffen. Schon dort hätten sie gehört, „dass etwas passiert sein musste“ und der Angeklagte in einer Schlägerei verwickelt gewesen sei. Nach ihren zum Teil widersprüchlichen und lückenhaften Aussagen soll dieser auf Nachfrage gesagt und mit Gesten angedeutet haben, dass er einen anderen mit einem Klappmesser in ein Bein gestochen habe. Ein oder zwei Stiche Richtung Oberkörper seien „nicht durch die Jacke gedrungen“. Das Messer habe er kurz aus seiner Jacke geholt. Der Tatverdächtige habe selbst geschockt über die möglichen Folgen gewirkt.

Links zum Tod in der Karspüle

Anfang Dezember 2018 ist ein 28-jähriger Mann an der Unteren Karspüle in Göttingen erstochen worden. Inzwischen läuft der Prozess gegen den Angeklagten. Hier können sie die bisherige Berichterstattung im Göttinger Tageblatt nachlesen.

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Im weiteren Verlauf des Abends soll der Verdächtige das Shirt vor seinem Wohnhaus verbrannt haben. Am darauffolgenden Mittag soll er einige aus der Imbiss-Runde zu einem Treffen gerufen haben. In einem Schrebergarten in der Weststadt habe er sich zwar nicht weiter zu den Vorfällen in der Nacht geäußert. Er sei aber angespannt gewesen und habe unvermittelt seine Jacke ebenfalls verbrannt. Die Zeugen wollen ihn nicht nach dem Grund gefragt haben. Sie hätten sich selbst ihren Reim darauf gemacht, sagten sie.

Mitleid mit dem reuigen und mutmaßlichen Täter

Nach dem Vorfall mit der Jacke habe einer aus der Runde vorgeschlagen, die mögliche Tatwaffe zu beseitigen. Sie seien zwar nicht an der Tat beteiligt gewesen, hätten aber Mitleid mit dem reuigen Freund gehabt, sagten die Zeugen aus. Im Auto eines der Beteiligten sei dann auch das Handy des Opfers aufgetaucht. Einer der Begleiter des Angeklagten während der Tatzeit soll es vor dem Imbiss dort deponiert haben. Sowohl das Messer als auch das Handy habe er schließlich in den Rosdorfer Baggersee geworfen, so einer der Zeugen – er sei der beste Werfer der Runde gewesen. Auf die Frage, warum, obwohl er nicht an der Tat beteiligt war, sagte er: „Das weiß ich selber nicht und bereue es sehr.“ Der Prozess wird am Freitag, 21. Juni, fortgesetzt.

Von Ulrich Schubert

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