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Göttingen Mord nach zwei Suizid-Versuchen
Die Region Göttingen Mord nach zwei Suizid-Versuchen
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00:17 29.04.2016
Von Jürgen Gückel
Zum Auftakt eines Mordprozesses vor dem Landgericht Göttingen hat am Dienstag die angeklagte 28-jährige Studentin zu den Vorwürfen geschwiegen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Überall Blut - auf dem Bett, dem Fußboden, an der Wand. Der Polizeibeamte, der am 28. Oktober vorigen Jahres gegen 20.40 Uhr als erster das Appartment in der Annastraße, also den Tatort, betrat, fand die Leiche einer jungen Frau, zugedeckt mit einer Decke und mit einer augenfälligen Stichwunde im Rippenbogen. Das Tatwerkzeug fand er nicht. Die Obduktion hat später festgestellt, dass die junge Studentin mit etlichen Messerstichen, darunter einen, der die Halsschlagader durchtrennte, getötet wurde.

Unter Verdacht geriet zunächst auch der Lebensgefährte des Opfers, ein Informatik-Student, ebenfalls chinesischer Staatsbürger. Der junge Mann war zuletzt mit dem Opfer zusammen und hatte zuvor sieben Jahre lang mit der jetzigen Angeklagten gelebt. Beide wohnten zusammen. Nach seiner Darstellung aber "wie Bruder und Schwester" und spätestens seit 21. September nicht mehr als Paar. Er habe ihr schon vor drei Jahren gesagt, gab er als Zeuge an, dass er sie nicht heiraten werde und nur bis zum Ende des Studiums mit ihr zusammen leben wolle. Die Exmatrikulation stand am Tattag kurz bevor; gerade hatte er seine Masterarbeit abgeschlossen.

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Doch die junge Frau, die heutige Angeklagte, hatte schon bei der ersten Ankündigung vor drei Jahren dramatisch reagiert: Suizidversuch. Auch nach der endgültigen Trennung im September habe sie erneut versucht, sich mit einer Plastiktüte über dem Kopf das Leben zu nehmen. Er fand sie und rettete sie. Den Grund, warum er mit ihr nicht zusammenbleiben wollte, gab der Zeuge auch an: Sie sei nicht ehrgeizig, habe ihr Studium vernachlässigt und lieber den ganzen Tag Fernsehserien gesehen.

Wie sie denn reagiert habe, als sie erfuhr, dass er nun mit der 24-Jährigen zusammen ist, wollte das Gericht wissen. Ruhig, sagt er. Sie habe gesagt: "Ich wünsche euch ein schönes Leben." Er glaube aber, dass sie ihn noch geliebt habe.

Am Tattag hatte er einen Termin zum Reifenwechsel - und einen beim Zahnarzt. Er bat sie, seinen Mercedes in die Werkstatt zu fahren, trug ihr noch die Reifen runter. Von der Werkstatt aus, so die Anklage, sei sie mit dem Taxi zum späteren Opfer gefahren, habe die Nebenbuhlerin zur Rede gestellt, dabei das mitgebrachte Messer gezückt und die arglose Studentin erstochen. Dann fuhr sie wieder per Taxi zur Werkstatt und holte das Auto. Er indess versuchte den ganzen Tag lang, seine neue Freundin zu erreichen - vergeblich. Als er abends zum zweiten Mal zu ihr fuhr, hatte die Polizei die Tote schon gefunden. Seine Mitbewohnerin habe ihm später, als er sie konkret danach fragte, die Tat indirekt gestanden: Sie habe mit der Hand Stichbewegungen gemacht. Der Prozess wird erst Mitte Mai fortgesetzt.

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