Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Mountainbiker bleiben im Stadtwald Göttingen weiter illegal auf ihren Downhill-Pisten
Die Region Göttingen Mountainbiker bleiben im Stadtwald Göttingen weiter illegal auf ihren Downhill-Pisten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 25.05.2019
Mountainbiker in Action. Quelle: HAZ
Anzeige
Göttingen

Für Mountainbiker wird es im Göttinger Stadtwald wohl keine eigens für sie eingerichtete Teststrecke geben. Die Verwaltung sieht die Ausweisung einer solchen Strecke, wie sie die FDP bereits im vergangenen Jahr in einem Ratsantrag vorgeschlagen hatte, kritisch. Die Mitglieder im Sportausschuss folgten ihren Ausführungen. Einen Beschluss fasste der Ausschuss aber noch nicht. Das Votum aus dem Umweltausschuss soll zunächst abgewartet werden.

FDP für Teststrecken

Seit Jahren gibt es in Göttingen eine eingeschworene Downhill-Gemeinde, die mit ihren Mountainbikes auf illegalen – Wortlaut Stadtverwaltung – Strecken, teils mit Rampen und anderen Hindernissen, durch den Stadtwald den Berg hinab rasen. Die FDP hatte in ihrem Antrag vorgeschlagen, die Nutzung des Stadtwaldes für Mountainbiker auf einer Probestrecke für ein Jahr freizugeben. „Eine Mountainbikestrecke als Test würde den Wald für nicht vereinsgebundenen Sport attraktiver machen, die ,wilde’ Nutzung durch Mountainbiker zurückdrängen und für Spaziergänger eine übersichtlichere Situation schaffen, da man sich auf eine bestimmte Strecke einstellen kann“, argumentierte die FDP.

Anzeige

Im vergangenen Jahr hatten die Vereine „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) und „Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen“ (BSG) sowie Britta Walbrun, Naturschutzbeauftragte der Stadt Göttingen, moniert, dass einzelne Mountainbiker nicht respektieren, dass der Göttinger Wald durch seinen Flora-Fauna-Lebensraum unter europäischem Schutz stehe.

 

„Die Ausweisung von Teststrecken ist im Stadtwald kritisch zu sehen“, heißt es in der Verwaltungsantwort. Sie würden andere Waldbesucher „deutlich“ einschränken. Auch müssten die Routen im Landschaftsschutzgebiet liegen, da eine Ausweisung im Naturschutzgebiet abseits der Hauptwege ausgeschlossen sei. Folglich müssten diese Strecken „im bereits stark frequentierten Hainberg“ liegen. Zudem sei eine Ausweisung von Teststrecken nur sinnvoll, wenn es ausreichend finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung stehen. In Göttingen fehle Geld und Personal.

200.000 Euro für drei Probestrecken im Deister

Als Beispiel nennt die Verwaltung die bei einem Pilotprojekt angelegte Probestrecken im Deister in der Region Hannover. Hier hatte die Region Hannover über ein Jahr drei Probestrecken in Kooperation mit dem Flächeneigentümer den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) ausgewiesen, berichtet die Verwaltung. Die Strecken dort enthielten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und seien als Einbahnstraßen ausgewiesen. Die Sicherheit für Fußgänger solle unter anderem dadurch garantiert werden, dass sie für diese gesperrt sind. Die Mountainbiker hätten in Eigenregie einen Verein, der die Verkehrssicherungspflicht, den Bau der Hindernisse und die Beschilderung der Strecke übernahm. Die Gesamtkosten hätten bei 200.000 Euro gelegen – ohne die angefallenen Personalkosten der Region Hannover.

Teststrecken mit Sogwirkung

Wie im Deister müsste in Göttingen ein Verein gegründet werden, „da ansonsten die Verkehrssicherung und die Haftung bei der Stadt verbleiben“, führt die Göttinger Verwaltung weiter aus. Die Gründung eines Vereins sei in Göttingen aber bereits 2011 „erfolglos“ geblieben. Ein Jahr später scheiterte ein zwischen Forst, Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GöSF) und nicht organisierten Bikern ausgehandelter Kompromiss, der mit der Duldung einer Strecke unterhalb des Bismarckturms enden sollte. Voraussetzung dafür wäre die Gründung eines Vereins gewesen – als Träger für eine genehmigte und mit Versicherungsschutz versehene Freizeitanlage. So ein Konstrukt kam jedoch nicht zustande.

Die Teststrecken im Deister seien im durch die Besucher gut angenommen worden, berichtet die Verwaltung nach Rücksprache mit den Verantwortlichen für das Pilotprojekt am Deister. Dort bleibe der „Nutzungsdruck auf den illegal angelegten Trails“ aber unverändert. Die Annahme: Die Ausweisung der Teststrecken habe auch eine Sogwirkung. Auch Menschen aus den umliegenden Gebieten nutzten nun den Deister zum Mountainbikefahren. „Da das gewünschte Ergebnis nicht erzielt wurde, wird derzeit von der Region darüber nachgedacht, mit Kontrollen und Sanktionen zu arbeiten, um den Druck der illegalen Nutzung in den hoch sensiblen Naturschutzbereichen zu reduzieren“, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung.

Teststrecken im Deister genehmigt

Die Region Hannover hat vor zwei Jahren ein Gutachten erstellt, welches ergab, dass die Mountainbikstrecken im Deister der Flora und Fauna in der Umgebung nicht schaden. Die Teststrecken dürfen daher langfristig bleiben und sind legale Routen für die Sportler. „Einer dauerhaften Genehmigung steht nichts im Weg“, teilte ein Sprecher der Region damals mit. Mit dem Projekt sollen die Extremsportler auf die genehmigten Trails gelenkt werden, denn illegale Mountainbike-Strecken breiten sich im Deister, aber auch im Teutoburger Wald rasant aus. 2014 hatten die Niedersächsischen Landesforsten, die Region und der Mountainbike-Verein Deisterfreunde das gemeinsame Projekt mit den drei Teststrecken gestartet. Die kurvigen Trails im Wald haben Sprungschanzen und Gruben, sie werden von dem Verein gepflegt, der auch die Haftung übernimmt, wenn Unfälle passieren. Die Strecken dürfen nur von Mountainbikern mit entsprechender Schutzausrüstung befahren werden. Wanderer werden durch Schilder darauf hingewiesen.

Statt Downhill-Strecken schlägt die Göttinger Verwaltung ein Radwegeprojekt vor, das sich „jedoch auf die festen Wege beschränken und keine Hindernisse enthalten“ würde. Hier könnten dann nicht nur Mountainbiker, „sondern auch alle anderen Radfahrer fahren und somit der Nutzungskonflikt mit Spaziergängern noch etwas reduziert und das Radfahren attraktiver gestaltet werden“ heißt es. So könnten beispielsweise Routen für Familien oder Erwachsene mit langen oder kurzen Distanzen ausgewiesen werden. Aus Sicht der Verwaltung werde eine zukünftige Zusammenarbeit mit der Göttinger Sport und Freizeit GmbH begrüßt.

OB Köhler: „Man muss nicht jede Aktion unterstützen.“

Felicitas Oldenburg (FDP) bedauerte die ablehnende Haltung der Verwaltung: „Schade, dass wir nicht mehr Sport in den Wald bekommen.“ Christian Henze (SPD) betonte, dass der von der Verwaltung vorgelegt Kompromiss den Downhill-Fahrern nicht gerecht werde. Es sei auch der Wunsch der SPD gewesen deren Aktivitäten auf den ausgewiesenen Strecken zu kanalisieren. Er könne die Ansicht der Verwaltung aber nachvollziehen. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler machte deutlich: „Man muss nicht jede Aktion unterstützen. Nicht alles ist in dem stark frequentierten Wald möglich.“

Julian Gebhard, der bis vor Kurzem die Mountainbike-Gruppe im Deutschen Alpenverein Göttingen geleitet hat, bedauert, dass Göttingen nicht mehr aus seinem Potenzial für Mountainbiker mache. So habe der Wald schöne Wege und Stellen zu bieten. Hier sollte die Stadt ein entsprechendes Angebot an Biker machen. Er habe aber den Eindruck als seien die „Fronten schon länger verhärtet“.

Der Umweltausschuss des Rates berät zu dem Thema am Dienstag, 28. Mai, im Sitzungsraum 118 des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4. Beginn ist im Anschluss an die Sitzung des Betriebsausschuss Umweltdienste, der ab 16 Uhr tagt.

Soll es Göttinger Stadtwald Strecken für Mountainbiker geben?

Die Stadtverwaltung hält eigene Strecken für Mountainbiker für kritisch und nicht umsetzbar.

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Soll es Göttinger Stadtwald Strecken für Mountainbiker geben?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Sie erreichen den Autor unter:

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Von Michael Brakemeier