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Göttingen Drei Tage lang kein Müll – Selbstversuch in Göttingen
Die Region Göttingen Drei Tage lang kein Müll – Selbstversuch in Göttingen
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00:22 02.05.2019
Rhoda Dunkel (von li.), Marcel Steinfeld und Sarah Gries arbeiten am selbst entworfenen Memorie, das auf Berechnungen des Naturschutzbundes basiert. Quelle: Meinhard
Göttingen

Ein Wochenende ohne Müll. Ist das überhaupt möglich, da doch so vieles in Plastikfolie verpackt ist? Kann es gelingen, wenigstens drei Tage lang nach dem „Zero-Waste-Prinzip“ zu leben? Dieser Frage geht Marcel Steinfeld nach. Er absolviert derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in Diensten des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP) Niedersachsen mit Sitz in Ottersberg. Zu seinen Aufgaben gehört es, Projekte zu entwickeln. Das abfallfreie Wochenende ist eines seiner Ideen. Dazu hatte er über das für den BDP zur Verfügung stehende Kommunikationssystem Einladungen verschickt. Der Workshop sollte vom 26. bis 28. April in Göttingen stattfinden. Die Resonanz auf die Idee war prinzipiell gut, sagt der FÖJ-ler, der in Bremen zuhause ist. Aber Anmeldungen hielten sich in Grenzen. Letztlich sagten nur Sarah Gries, eine FÖJ-lerin aus Greetsiel und die Pfadfinderin Rhoda Dunkel aus Hannover zu. Die drei jungen Menschen trafen sich schließlich in Göttingen nach dem Motto: Lieber in kleiner Besetzung als gar nicht.

„Es ist möglich“

Die drei Müllvermeider übernachteten in einem Hostel und arbeiteten hier auch am Thema. Ein Leben ohne Abfall. Funktioniert das wirklich? „Es ist möglich“, findet Steinfeld. Man müsse sich aber konkret mit dem Ziel auseinandersetzen und sich auch darauf einstellen, dass das Alltagsleben teilweise komplizierter werden kann. „Wir müssen ganz gezielt darüber nachdenken, was wir brauchen. Und was nicht. Obst und Gemüse lassen sich mit Netzen oder Jutebeuteln einkaufen. Chips kann man selbst herstellen. Deo auch“, sagt Steinfeld. Zahnbürsten aus Plastik lassen sich durch solche aus Bambus ersetzen, gibt Rhoda Dunkel einen Tipp. Und selbst die Zahnpasta muss nicht aus der Tube kommen, schließlich gibt es Zahnputztabletten – plastikfrei. Sarah Gries verweist auf feste Seife anstatt Duschgel aus der Kunststoffflasche. „Man braucht oft gar nicht so viel, wie man eigentlich glaubt“, meint sie.

Mikroplastik im Kaugummi

Die FÖJ-lerin hat ein Memoriespiel entwickelt: Die Spieler müssen zuordnen, wie viele Jahre ein bestimmtes Produkt braucht, um sich, einmal weggeworfen, zu zersetzen. Wollstrümpfe zum Beispiel lösen sich nach ein bis fünf Jahren in ihre Bestandteile auf. Bei einer Plastikflasche dauert diese Zeitspanne 450 Jahre. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass sich in Duschgels, Cremes und Kaugummi Mikroplastik befindet“, gibt Gries eine individuelle Produktwarnung heraus. Göttingen haben die Drei als Treffpunkt erwählt, weil es hier ein Geschäft gibt, das Lebensmittel unverpackt anbietet. „Es ist zu spüren, dass sich die Menschen immer mehr mit dem Thema Müllvermeidung auseinandersetzen“, blickt Steinfeld optimistisch in die Zukunft.

Von Ulrich Meinhard

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