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Göttingen Städtisches Museum Göttingen: Bild von 1732 restauriert
Die Region Göttingen Städtisches Museum Göttingen: Bild von 1732 restauriert
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17:11 12.06.2019
Kinderportrait von 1732: Restauratorin Viola Bothmann zeigt den Zustand des Gemäldes vor der Restaurierung (links) und das restaurierte Gemälde. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Das älteste Kinderbild im Bestand des Städtischen Museums Göttingen strahlt wieder. Das Bild von 1732 ist restauriert worden. Wer das kleine, barocke Mädchen ist und wer es schuf, ist bislang unbekannt.

Städtisches Museum: Ölgemälde von 1732 restauriert

Geld für Restaurierungen ist in den meisten Museen knapp. Auch in Göttingen. Der Zufall allerdings half dabei, dass das Gemälde nun wieder strahlt und für die nächsten Jahre konserviert ist. „Ich saß vor dem Museum und wartete auf meinen Sohn, der hier studiert hat“, erzählt Jürgen Ostwald. Er arbeitet für den Optikerkonzern Fielmann in der Museumsförderung. Vor dem Museum traf er im vergangenen Sommer zufällig auf den Leiter des Museums, Ernst Böhme. Die Fielmann-AG engagiert sich unter anderem im Kultursponsoring. „Ich dachte mir, die Göttinger kann man ja mal fördern“, sagt Oswald. Man kam ins Gespräch und schnell überein: Das Mädchen sollte es sein.

Ein Gesicht aus der Zeit vor 287 Jahren

„Das Gemälde stand lange in einer Ecke des Museums, beim Aufräumen anlässlich der Renovierungsarbeiten haben wir es wieder entdeckt“, sagt Andrea Rechenberg vom Museum. Das Werk sei ihr sofort aufgefallen. „Da hatten wir doch ein Objekt, das sich lohnt“, sagt Böhme. Schließlich sei es das älteste Ölgemälde eines Kindes aus der Sammlung. Nun zeigt sich das Bild wieder so, wie vor 287 Jahren: Ein Mädchen von etwa fünf Jahren schaut mit offenem Blick direkt die Betrachter an. Blumen, Früchte und Tiere treten klar hervor. „Diese Attribute und die Kleidung deuten darauf hin, dass das Mädchen aus einem adeligen Haushalt stammt“, sagt Böhme.

Kinderportrait von 1732: Wer ist das Mädchen?. Quelle: Niklas Richter

Die Restaurierung des Bildes hat Oswald zufolge „mehrere tausend Euro“ gekostet. Die Restauratorin Viola Bothmann, die schon häufig mit dem Städtischen Museum zusammen gearbeitet hat, spricht von einem „sehr schlechten Zustand“, in dem das Bild aufgefunden wurde. Der harzige Firnis war vergilbt, die Oberfläche der Farbe gesprungen, kleine Teile abgeplatzt. Es ist und war rot grundiert und auf Leinwand gemalt. Auch der original Rahmen, auf den der Stoff gespannt war, ist noch erhalten. „Die Oberfläche der Leinwand war deformiert, hatte regelrecht Beulen“, sagt die Restauratorin. Also nahm sie die Leinwand ab, beseitigte die Dellen und spannte das Bild später mit neuen Nägeln wieder auf. Fast ein halbes Jahr arbeitete sie an der Restaurierung.

Unbekannter Künstler

„Das Bild ist datiert und signiert“, erklärt Bothmann. Fest steht, es ist von 1732 und damit das älteste Kinderbild im Bestand. Der Name des Künstlers allerdings ist auch nach der Restaurierung und einer speziellen Untersuchung nicht bekannt. „Wir haben das Bild in Kassel einem Infrarot-Verfahren unterzogen“, sagt die Restauratorin. Der Vorname ist mit „A.“ abgekürzt, der lange Nachname nicht mehr zu entziffern. Und das Gemälde gibt weitere Rätsel auf. Wer ist das kleine Mädchen? Und wie kam das Bild nach Göttingen?

Das Kind ist mit edler Spitze bekleidet. In der Hand hält es einen Vogel und zwei Kirschen, neben ihm ist ein – perspektivisch nicht wirklich brillant getroffener Tisch mit Obst zu sehen. „Der Vogel ist ein Bluthänfling, ein häufiger Volierenvogel dieser Zeit “, sagt Rechenberg. Die Vorhänge und Landschaft im Hintergrund lassen die Experten ebenfalls weitgehend im Dunkeln tappen – der Künstler hinterließ auch damit kaum Hinweise auf die Herkunft des Bildes. Die Kirschen und die Art des Bildes können als Hinweis für eine Hochzeit, der Vogel auch als einer auf den Tod gedeutet werden. Die Kirsche als Hinweis auf das Paradies.

Bezug zu Göttingen wahrscheinlich

Dennoch: „Ein Bezug zu Göttingen ist wahrscheinlich“, sagt Rechenberg. Das Bild falle zeitlich mit der Universitätsgründung zusammen, viele der frühen Professoren entstammten dem Adel - vielleicht war das Kind eine Angehörige eines Gelehrten. Oswald, ein Kunsthistoriker, der sich viel mit Malerei beschäftigt, findet das Bild „ungewöhnlich groß für ein Kinderporträt“. Zudem falle auf, dass das Gesicht außergewöhnlich schön gefertigt ist. Der Rest des Bildes falle dagegen ein wenig ab. Das sei nicht selten gewesen, wenn Bilder in einer großen Werkstatt in Auftrag gegeben wurden. Das Gesicht malte der Meister, den Rest ein Schüler – schon damals war Kunst eine Frage des Preises.

„In der Wissenschaft bleiben immer Fragen offen“, sagt Böhme. Und auch das Kind hat trotz der wissenschaftlichen Untersuchungen seine Geheimnisse bislang nicht preisgegeben. Im Magazin des Museums lagern noch viele andere Stücke, die eine Restaurierung gebrauchen können und Geheimnisse verwahren. Oswald versprach: „Wir fördern weiter, das hier wird ein Restaurierungslangzeitprojekt.“

Von Britta Bielefeld

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