Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Museums-Sanierung: Endspurt in der alten Posthalterei
Die Region Göttingen Museums-Sanierung: Endspurt in der alten Posthalterei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:46 05.03.2012
Von Katharina Klocke
Schöne Fachwerkfassade: die Posthalterei von der Jüdenstraße aus gesehen.
Schöne Fachwerkfassade: die Posthalterei von der Jüdenstraße aus gesehen. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Begonnen hatte die Komplettsanierung mit Arbeiten an der Nordfassade des 300 Jahre alten Hauses. Dabei war festgestellt worden, dass auch die übrigen Bereiche der Posthalterei sowie die angrenzende Remise stark geschädigt und zum Teil einsturzgefährdet sind. Eine Gebäudeuntersuchung folgte – mit unerfreulichem Resultat: Schwamm im Mauerwerk, Fäulnis und Holzwurm im Gebälk. Aus mehrmonatigen Sanierungsarbeiten wurde ein Siebenjahresplan, an dessen Ende das Museum generalüberholt und Teil der geplanten Wissenshäuser sein soll.

Die Stadtgeschichte-Ausstellung musste geschlossen werden. Magazine wurden leergeräumt, die Verwaltung in Bürocontainer umgesiedelt. Im Zuge der Sanierung – mit Fördermitteln wurden 1,9 Millionen Euro investiert – hat sich die Posthalterei von außen in ein Fachwerk-Schmuckstück verwandelt. „Am Nachbargebäude ist zu sehen, wie das Haus einmal ausgesehen hat“, meint Ernst Böhme, Leiter des Museums und des Stadtarchivs.

Fraunhoferinstitut unterstützt

Dabei sei das Gebäude keinesfalls „luxussaniert“, sondern lediglich nach aktuellen Standards instandgesetzt worden. „Das meiste Geld ist dahin geflossen, wo man es nicht sieht“,  sagt Göttingens Baudezernent Thomas Dienberg. Der Sockel sei komplett erneuert worden, ebenso einige Ständer. Außen- und Zwischenwände erhielten neue Fundamente. Eine sogenannte diffusionsoffene Dämmung wurde eingebaut. Die energetischen Arbeiten unterstützte das Fraunhoferinstitut.

„Die Frage war, wie Baukultur erhalten und gleichzeitig Energie eingespart werden kann“, fasst Dienberg zusammen, warum das Institut mit im Boot war. Fördermittel erhielt die Stadt aus dem Bund-Länder-Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen sowie aus Denkmalschutzprogrammen. „Da ist viel Geld geflossen“, sagt Dienberg. „Aber das musste sein, um Göttingen ein sehr wichtiges historisches Ensemble in der Innenstadt zu erhalten und nutzbar zu machen.“

Endspurt im städtischen Museum: Seit 2008 wird die ehemalige Posthalterei vollständig saniert. Im April werden die Arbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein.

Denn auch die Geschichte des 1712 errichteten und um 1770 erstmals umgebauten Hauses stand im Mittelpunkt der Sanierung. Die Stadtarchäologie begleitete die Arbeiten. Funde wie Austernschalen, Keramik und Glas zeugen von bürgerlicher Existenz vergangener Jahrhunderte: „Die Bewohner haben gut gelebt“, glaubt Böhme. 13 Farbschichten ehemaliger Anstriche wurden ergründet – bis hin zur allerersten Farbe, die gleich nach dem Bau des Gebäudes aufgetragen wurde. Wie das Grau („Grisaille“) des Treppenhauses, das nach der Sanierung wieder hergestellt werden soll.

Im zweiten Obergeschoss wurden Fragmente von Wandmalereien aus der Erbauungszeit freigelegt. Elke Schlöder, Leiterin des im Haus aktiven Restauratoren-Teams, und ihre Kollegen schabten die Motive sorgsam frei. Teile des Originalanstrichs sowie die floralen Zeichnungen und ein Ausschnitt des Original-Wandaufbaus bleiben erhalten: als sogenannte Geschichtsfenster, durch die Besucher einen Blick auf die Vergangenheit des Hauses werfen können. „Das wird Teil einer kleinen Ausstellung“, sagt Böhme.

Zurzeit sind Handwerker jedweden Fachgebiets in der alten Posthalterei unterwegs: Lehm- und Heizungsbauer, Maler, Restauratoren, Elektriker und Fliesenleger arbeiten unter anderem daran, dass die Mitarbeiter im Frühjahr wieder einziehen können. Die Großbaustelle Museum allerdings ist damit noch nicht erledigt: 2012/13 will die Stadt dem zerstörerischen Schwamm in der Remise zu Leibe rücken.

Mittel aus Denkmalschutz

Bis 2015 sollen anschließend sämtliche Gebäudeteile saniert werden. „Für die Schwammsanierung hat die Stiftung Denkmalschutz uns Mittel zugesagt, darüber hinaus hoffen wir auf weitere Gelder aus dem Bund-Länder-Programm.“ Wahrscheinlich nach 2017, so Dienberg, sei dann der Hardenberger Hof, der Gebäudeteil mit Foyer und Tapetensaal, an der Reihe.

Für den Museums-Betrieb bedeutet die Planung eine Fortsetzung der Zwangspause. Sämtliche noch im Museum verbliebenen Exponate müssen ausgelagert werden. Auch der bisher noch zugängliche Ausstellungsbereich soll geschlossen werden. Für kleinere Präsentationen und Veranstaltungen bleiben dann laut Böhme bis zur Fertigstellung nur die Räumlichkeiten im Hardenberger Hof – bis zur erhofften „Teilneueröffnung“ im Jahr 2015.

Mehr zum Thema

Das Unglück begann 2005. Vor fünf Jahren entdeckte die Stadt an der Nordseite der ehemaligen Posthalterei schwere Schäden am Fachwerk. Schwellen und Fachwerkständer waren angefault. Die Fassade musste abgestützt werden.

Michael Brakemeier 07.09.2010

Auf einen mindestens 300 Jahre alten Gewölbekeller sind Arbeiter im Städtischen Museum Göttingen gestoßen. Entdeckt wurde der Lagerraum während der Sanierung der ehemaligen Posthalterei an der Jüdenstraße.

11.03.2010
Göttingen Göttinger Symphonieorchester - Konzert im offenen Denkmal

Hunderttausende haben beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals Blicke hinter sonst verschlossene Türen geworfen. In Göttingen waren das neben Kirchen auch das Logenhaus der Augusta oder die ehemalige Posthalterei in der Jüdenstraße.

12.09.2010