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Göttingen Mutter Tanja S. aus Göttingen lebt auf den Malediven
Die Region Göttingen Mutter Tanja S. aus Göttingen lebt auf den Malediven
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19:02 25.07.2014
Von Matthias Heinzel
Nur vorläufig: Tanja S. hält ihre Nuria in den Armen. Nur selten können sie die Schönheit der Malediven genießen. Quelle: EF
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Göttingen/Zürich

Doch der Traum endet jäh:

Ende Februar dieses Jahres kommt die 36-Jährige von der Arbeit nach Hause. Ehemann Ahmed S. ist weg, ebenso Tochter Nuria. Auf dem Bett liegt der Ehering. Das Bankkonto ist geplündert. Ahmed S. hat die gemeinsame Tochter in seine Heimat auf die Malediven entführt.

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In Göttingen, wo Tanja S. neun Jahre lang lebte, hat sie noch Freunde und Bekannte. Ihre Schwester wohnt hier. Sie sind entsetzt darüber, was Tanja S. zugestoßen ist. Und unterstützen sie in ihrem Kampf, ihre Tochter wiederzubekommen.

Koran-Suren für die Tochter

Dafür lässt die 36-Jährige in der Schweiz alles stehen und liegen und fliegt auf die Malediven. Sie ahnt, weshalb ihr Mann Nuria entführt hat. Ahmed war Tanjas Lebensstil zu westlich, er und seine maledivische Familie wollten die Tochter islamisch erzogen wissen, islamischer Religionsunterricht, Kopftuch ab einem Alter von sieben Jahren. Das hatte Tanja S. abgelehnt und sich damit den Unmut der Familie ihres Mannes zugezogen.

Schnell findet die Mutter heraus: Ihr Mann hat Nuria im Haus seiner Eltern versteckt. Ahmed S. teilt Freunden mit, er spiele seiner „kleinen Prinzessin“ Koran-Suren vor. Die Entführung seiner Tochter rechtfertigt er mit einem Koran-Zitat. Eine maledivische Freundin der Familie teilt auf Facebook mit, das Kind sei muslimisch und solle auch muslimisch erzogen werden. Sie kritisiert Tanja S. dafür, dass sich die Deutsche dagegen ausgesprochen hatte.

Tanja S. wendet sich an die maledivische Justiz. Doch Ehemann Ahmed taucht mit Tochter Nuria unter. Das zuständige Familiengericht zwingt schließlich den Vater, Nuria seiner Mutter zu übergeben – vorläufig.

Hoffen auf maledivische Justiz

Derzeit hofft die 36-Jährige weiter auf die maledivische Justiz. Zurzeit sieht es einigermaßen gut aus, sagt sie, es werde über das Sorgerecht verhandelt. Doch mit ihrer Tochter kann und darf sie nicht weg. Dazu müsste die Ehe geschieden und dann noch einmal über das Sorgerecht verhandelt werden, meint ihr Anwalt.

Bis dahin, sagt Tanja S., müsse ihr Job in der Schweiz ruhen, trotz aller laufenden Kosten dort. Auf den Malediven lebt sie von Spenden, haust in einem heruntergekommenen Zimmer oberhalb einer Baustelle. An einigen Tagen sorgen Freunde dafür, dass sie die Schönheit der Malediven auf einem kleinen Atoll genießen kann. Als deutsche Staatsangehörige wird sie zudem von der Botschaft in Sri Lanka betreut, bestätigt das Auswärtige Amt.

Außerdem ist nicht sicher, dass die Justiz ihr das Kind zuspricht. Die Malediven sind ein streng islamischer Staat, das Rechtssystem ordnet sich der Scharia, der islamischen Rechtsordnung, unter. Die Hoffnung auf eine gemeinsame Rückkehr aber gibt Tanja S. nicht auf: „Ohne meine Tochter kann ich nicht leben.“