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Göttingen NDR-Radiosendung „Jetzt reicht’s“ zur Göttinger Heinrich-Sohnrey-Straße
Die Region Göttingen NDR-Radiosendung „Jetzt reicht’s“ zur Göttinger Heinrich-Sohnrey-Straße
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17:22 12.08.2013
Von Katharina Klocke
Thema Sohnrey: Auf dem Podium stehen Möbus, Böhme, Vogtherr, Otte, Busse und Schumann (v. l.). Quelle: Pförtner
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Göttingen

So auch am Dienstag während einer Aufzeichnung der Radiosendung „Jetzt reicht’s“ von NDR 1 Niedersachsen mit Moderator Hans-Jürgen Otte. Der Historiker Dirk Schumann erklärte während der Diskussion, er habe der Universität Göttingen empfohlen, sich von ihrem 1934 ernannten Ehrenbürger Sohnrey zu distanzieren.

Neun Ehrenbürger und 26 Ehrendoktoren hat Schumann für die Uni hinsichtlich ihrer Nähe zum Nationalsozialismus überprüft. Sohnrey sei kein ausgewiesener Nationalsozialist gewesen. Dennoch zögen sich „fremdenfeindliche und rassistische Tendenzen“ durch sein Werk.

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„So jemand sollte nicht in der Tradition der Ehrenbürger gesehen werden“, begründete Schumann seine Empfehlung. Entscheiden werde die Präsidentin.

Sohnreys maßgebliche Schaffensperiode

Sohnrey habe der „nationalsozialistischen Ideologie“ nahe gestanden, meinte auch der Literaturwissenschaftler Frank Möbus. Beispielsweise habe der Jühnder in seinen Werken für die „Reinheit des deutschen Blutes“ plädiert, „das ist rassistisch“.

Es sei problematisch, solche Aussagen mit seinen Verdiensten als Sozialreformer abzuwägen, sagte Möbus in Richtung des Sohnrey-Biografen Gerd Busse, der den Schriftsteller als bürgerlich-konservativ bezeichnet hatte.

Antisemitisches Gedankengut sei während des Kaiserreichs – Sohnreys maßgebliche Schaffensperiode – weit verbreitet gewesen, so Busse. Von den Nationalsozialisten habe er sich in Korrespondenzen abgegrenzt, „als arm geborener Mensch“ aber kooperiert, um seine Existenz zu erhalten.

Die ehemalige Heinrich-Sohnrey-Realschule in Hann. Münden hat sich im Zuge der Debatte in Drei-Flüsse-Realschule umbenannt. In Göttingen wird über einen neuen Namen für die Heinrich-Sohnrey-Straße in Geismar nachgedacht.

Geteilte Meinung

Die Stadtverwaltung ließ für eine Online-Publikation der Göttinger Straßennamen Sohnrey parallel zur Uni-Untersuchung überprüfen, „mit übereinstimmendem Ergebnis“, erklärte Ernst Böhme, Leiter des Stadtarchiv. Die Verwaltung werde daher empfehlen, die Straße umzutaufen.

„Entscheidendes Gremium ist der Ortsrat Geismar“. Thomas Vogtherr, von Otte als „niedersächsischer Oberhistoriker“ eingeführt, berichtete dass auch andere Städte Straßenumbenennungen prüften. „Die Frage, ob jemand es wert ist, dass so an ihn erinnert wird, ist völlig legitim“, sagte der Vorsitzende der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen.

Darüber herrschte im Publikum geteilte Meinung. Mehrfach wurde auf die „Gefahr des Vergessens“ hingewiesen. Vielleicht, so der Vorschlag einer Doktorandin zu einem ähnlichen Thema, sei in solchen Fällen möglich, Zusatztafeln anzubringen, „damit wir uns mit der Geschichte auseinandersetzen“.

Ausgestrahlt wird „Jetzt reicht’s“ Donnerstagabend um 20 Uhr

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