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Göttingen Nach Bluttat: Schüler in Grone werden psychologisch betreut
Die Region Göttingen Nach Bluttat: Schüler in Grone werden psychologisch betreut
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20:23 30.09.2019
Das Gewaltverbrechen in Grone wurde auf offener Straße verübt. Auch einige Schüler und Lehrer mussten die Tat mit ansehen. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen/Grone

Das Gewaltverbrechen in Grone mit zwei Totenwurde auf offener Straße verübt. Außer Anwohnern und Passanten haben die Tat auch einige Schüler und Lehrer der benachbarten Astrid-Lindgren-Grundschule mit ansehen müssen. Diese werden nun von Spezialisten betreut.

Die Schule habe nach Bekanntwerden des Gewaltverbrechens die Eltern der Kinder informiert, die sich noch in der Schule befanden, damit diese die Möglichkeit bekommen, sie abzuholen, teilt Bianca Schöneich, Pressesprecherin der niedersächsischen Landesschulbehörde, auf Tageblatt-Anfrage mit. „Außerdem hat die Schule noch am Donnerstag den Schulelternrat informiert und sich an unsere Schulpsychologie gewandt.“

Psychologen gehen mit Lehrern in die Klassen

Bereits am Freitag, also einen Tag nach der Tat, seien vier Schulpsychologinnen an der Schule eingesetzt worden, so Schöneich. Diese seien mit den Lehrern in die Klassen gegangen, um mit den Kindern zu sprechen. „Auch mit Lehrkräften, die die Tat gesehen haben, und mit in der Schule anwesenden Eltern hat es Gespräche gegeben.“ Zudem habe die Schulpsychologie die Schulleiterin beim Verfassen eines Elternbriefs unterstützt.

Auch am Montag seien zwei Schulpsychologinnen vor Ort gewesen, die die Lehrer „zum Umgang mit den Kindern beraten und auch für Einzelgespräche zur Verfügung“ gestanden hätten. Ob auch in den kommenden Tagen Schulpsychologinnen die Astrid-Lindgren-Schule unterstützen werden, werde gemeinsam mit der Schulleitung „bedarfsabhängig entschieden“, erklärt Schöneich.

Zwei weitere Göttinger Schulen ließen sich beraten

„Selbstverständlich können sich auch Eltern oder Lehrkräfte bei Bedarf jederzeit an die Schulpsychologinnen und -psychologen in Göttingen wenden.“ Außerdem werde es in der Schule einen Elternabend unter Beteiligung der Schulpsychologie geben.

Außer der Grundschule in Grone hätten sich noch zwei weitere Schulen in Göttingen telefonisch beraten lassen, sagt Schöneich. „Die Schulsozialpädagogin einer der Schulen ist zudem in die Astrid-Lindgren-Schule gekommen, um dort persönlich mit den Schulpsychologinnen zu sprechen.“

Wie Lehrer reagieren sollten

Die Schulpsychologie berät und unterstützt Schulen aller Schulformen und Eltern bei Bedarf. „Konkret bedeutet das, dass sich die Schule oder Eltern an die Schulpsychologie wenden und um Beratung und Unterstützung bitten können“, erklärt Schöneich. Häufig trete die Schulpsychologie auch aktiv an die Schulen heran, wenn sie Kenntnis von Krisen- oder Notfällen in Schulen habe, und biete aktiv Unterstützung an.

Wie Lehrer in einem solchen Fall verfahren sollten, das hänge vom Alter der Schüler und von der Nähe zum Ereignis ab, so Schöneich. „Nur wenn ein direkter Bezug zur Gewalttat gegeben ist, sollte die Lehrkraft aktiv nachfragen, ob die Schülerinnen und Schüler etwas beschäftigt.“

„Kindgerechte Mitteilung des Sachstandes ohne Dramatisierung“

Lehrer bekämen Hilfe von der Schulpsychologie, die dann gemeinsam mit ihnen in die Klassen gehe und sich den Anliegen und Fragen der Schüler gemeinsam mit den Lehrern widme. „Die Lehrkräfte bekommen auch Unterstützung in Bezug auf die Fakten des Ereignisses und die kindgerechte Mitteilung des Sachstandes ohne Dramatisierung oder Beschönigung“, sagt Schöneich.

Und wie sollten Eltern reagieren? „Am wichtigsten ist, dass die Eltern selbst ruhig bleiben und ihre eigenen Ängste und Besorgnisse nicht auf die Kinder übertragen“, erklärt Schöneich. Die Eltern seien bei derartigen Vorkommnissen schließlich Halte- und Orientierungspunkt für die Kinder.

Eltern sollten ruhig und faktenbasiert mit ihren Kindern sprechen

„Eltern sollten möglichst versuchen, den Alltag normal zu gestalten. Jede Form von Normalität bietet den Kindern Sicherheit“, erklärt die Behördensprecherin. Wenn die Kinder über den Vorfall sprechen möchten, sollten die Eltern möglichst ruhig, faktenbasiert und in einer dem Alter angemessenen Wortwahl mit den Kindern sprechen. „Mutmaßungen und falsche Überzeugungen seitens der Kinder sollten in einem solchen Gespräch korrigiert werden.“

Günstig sei es zudem, „die Kinder an allzu reißerischer Berichterstattung im Internet oder Boulevard nicht teilhaben zu lassen, sondern besonnen auf die von den Kindern geäußerten Befürchtungen einzugehen“, so Schöneich.

Kontakt zur für die Göttinger Schulen zuständigen schulpsychologischen Dezernentin Christine Schlockwerder unter Telefon 0551/309854-33 oder per E-Mail an Christine.Schlockwerder@nlschb.niedersachsen.de.

Notfallseelsorge nach Gewaltverbrechen

Bei Gewaltverbrechenwie dem in Grone gibt es für Angehörige der Opfer, Helfer, Zeugen und zufällige Beobachter diverse Hilfsangebote. Im konkreten Fall habe die Polizei die Notfallseelsorge hinzugezogen, weil schnell abzusehen gewesen sei, dass es sich um einen außergewöhnlichen Fall handelt, sagt Ralf Nixdorff, Leiter Einsatz- und Streifendienst bei der Polizei Göttingen. Die Notfallseelsorge bietet eine Art „Erste Hilfe für die Seele“ in Notfällen und Krisensituationen. Überdies würden den Betroffenen auch weitere Beratungsangebote vermittelt. Die Notfallseelsorge kümmere sich im Übrigen auch um Angehörige des mutmaßlichen Täters, sagt Nixdorff. Auch Polizeibeamte erfahren nach belastenden Einsätzen Hilfe. Dafür gebe es innerhalb der Polizei eine eigene Beratungsstelle. Nach Angaben von Nixdorff können sich Beamte direkt an die Beratungsstelle wenden. Es gebe aber auch die Möglichkeit, dass Vorgesetzte den betroffenen Beamten offensiv Hilfe anbieten und auch vermitteln.

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