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Göttingen Neue Wohnung, neues Glück: Ehemalige Keplerstraße-WGs rappeln sich nach Brand auf
Die Region Göttingen Neue Wohnung, neues Glück: Ehemalige Keplerstraße-WGs rappeln sich nach Brand auf
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07:05 28.10.2019
Anne, Magdalena, Luna, Felix und Fabian stehen in der provisorischen Übergangslösung an der Güterbahnhofstraße im Flur.  Quelle: lel
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Göttingen

Sie standen buchstäblich auf der Straße: Nach dem Brand in der Keplerstraße wussten elf Studierende nicht mehr, wohin mit sich. Ein technischer Defekt hatte gegen 5 Uhr morgens im Erdgeschoss das Feuer ausgelöst, das sich sehr schnell seinen Weg ins Dachgeschoss bahnte. Glücklicherweise wurde keiner der Bewohner verletzt, sie alle schafften es schnell genug ins Freie.

Aber mit dem Haus waren ihre Möbel, Kleidungsstücke, Elektrogeräte dahin. Lediglich ihre Schlafkleidung hatten die meisten bei sich. Anne hatte geistesgegenwärtig ihr Smartphone mit vor das brennende Haus gerettet und diente der WG vorübergehend als „Sprachrohr zur Welt“, wie es Sascha ausdrückte. Das Tageblatt berichtete über die beiden Wohngemeinschaften und rief dazu auf, den jungen Menschen Hilfe zukommen zu lassen – vor allem mit Wohnungsangeboten, aber auch finanziell. Mittlerweile haben alle wieder ein Dach über dem Kopf.

Der Brand in der Keplerstraße machte ihr Zuhause unbewohnbar. Quelle: Peter Krüger-Lenz

Sechs Menschen, drei Zimmer

Die Sechser-WG aus dem oberen Stockwerk wollte unbedingt zusammen bleiben und lebt jetzt übergangsweise in drei Zimmern. „Wir teilen sie uns, das geht schon, bis wir in die neue Wohnung können“, sagt Anne. Ihre Nachnamen wollen die Studierenden lieber nicht in der Zeitung lesen. Bis Anfang Dezember schläft Anne im selben Raum wie Magdalena, die nötigsten Dinge wie Matratzen und erste Möbel haben sie schon. „Drei Freunde eines Verstorbenen haben den Artikel gelesen und sich bei uns gemeldet. Dann durften wir zur Wohnungsauflösung kommen und uns alles nehmen, was wir brauchten“, erzählt Fabian. Tische und Stühle waren dabei, „ganz viele Schränke, Küchen- und Elektrogeräte haben wir auch mitgenommen“, so Anne.

Trotzdem essen sie meistens in der Mensa, denn die Übergangswohnung hat weder Herd noch Kühlschrank. An ein paar Dingen mangelt es eben doch noch. „Mein Schreibtisch steht jetzt quasi in der SUB, alles, was ich sonst zuhause daran getan habe, mache ich jetzt eben dort“, sagt Magdalena. Die geteilten Zimmer seien nur manchmal ein Problem. „Letzte Woche hat mein Zimmerpartner eine Prüfung geschrieben, musste früh ins Bett und morgens auch zeitig wieder los“, erzählt Felix. „Es ist ein bisschen blöd, wenn man sich gegenseitig stört, aber wir arrangieren uns ganz gut.“

Menschen boten Kinderzimmer an

Im Dezember ziehen die sechs aus der ehemaligen oberen WG in die Johannisstraße. Die Wohnung haben sie am Ende doch selbst gefunden. „Der Vermieter der Drei-Zimmer-Wohnung hier baut gerade eine Sechs-Zimmer-Wohnung aus und hat sie uns angeboten“, erzählt Anne. Viele Menschen hätten sich bei ihnen gemeldet, die Kinderzimmer ihrer ausgezogenen Kinder angeboten oder freie Einzelräume im Haus. „Aber wir sind wie eine Familie, auseinander gerissen werden wollten wir nicht.“

Die Erdgeschoss-WG aus der Keplerstraße hat auch eine Wohnung gefunden, sogar nur zwei Häuser weiter. Allerdings werden nur vier von ihnen dort einziehen – Luna zum Beispiel. Auch sie hat bis zum Umzug zu kämpfen: „Ich lebe zur Zeit nur von Püriertem, einen Mixer habe ich nämlich schon wieder“, erzählt sie. Auf die neue Küche freut sie sich schon.

Knapp 3000 Euro aus Fundraising-Aufruf

Für die Einrichtung der neuen Wohnungen verwenden die Studierenden unter anderem das Geld, das Freunde, Familien, Kommilitonen und ihnen völlig fremde Menschen ihnen gespendet haben. Knapp 3000 Euro sind bisher zusammen gekommen, davon haben sie erst einmal den Schutt-Container bezahlt. „Wir mussten das Haus als Mieter selbst ausräumen nach dem Brand, dafür zahlt keine Versicherung“, sagt Anne. Vergangenen Mittwoch waren sie dafür das letzte Mal in der Keplerstraße. „Wir haben den Schock verkraftet, aber wir sind auch froh, dass das ein Ende hat“, so Anne. Damit meint sie auch den organisatorischen Aufwand nach dem Brand. „Wir haben wochenlang mit Versicherungen und anderen Instanzen telefoniert, jetzt freuen wir auf etwas Neues.“

Magdalena, Sascha, Fabian, Anne, Felix, Greta, Matthias und Lucas wenige Tage nach dem Brand. Quelle: Niklas Richter

Für Felix kann es jetzt richtig losgehen. Der Erstsemester wohnte erst eine Woche mit den anderen fünf „von oben“ zusammen, als der Brand ihm das neue Zuhause nahm. „Es ist sowieso alles neu und verwirrend, dann komme ich auch mit einem Umzug mehr klar“, sagt er. Nach einem Blick in die Runde seiner Mitbewohner fügt er hinzu: „Außerdem muss ich sagen: Mit keiner anderen WG wäre mir die Wohnung lieber abgebrannt“. Auch er ist schon nach fünf Wochen ein fester Teil der WG-Familie, die bald weiterzieht.

Von Lea Lang

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