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Göttingen Göttingen: Aufruf zur Kundgebung gegen rechte Gewalt
Die Region Göttingen Göttingen: Aufruf zur Kundgebung gegen rechte Gewalt
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20:00 31.10.2019
Bewohner der Hausgemeinschaft Goßlerstraße 17a stehen vor dem Unterstand, an dem bislang unbekannte Täter in der Nacht zum Montag einen Brandanschlag verübten. Quelle: R
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Göttingen

Das Feuer auf dem Gelände des Hausprojektes Goßlerstraße 17/17a geht auf Brandstiftung zurück. Ermittler der Polizei Göttingen haben Spuren eines Brandbeschleunigers gefunden. Das in einem Unterstand postierte Mobiliar ist mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen worden, versichert eine Polizeisprecherin. Die Ermittlungen hat das vierte Kommissariat übernommen, das sogenannte Staatsschutz-Kommissariat. Ermittelt werde auch, ob die Hakenkreuz-Schmierereien am Gebäude der Uni-Bibliothek und die Verschandelung der Fassade des Fachschaftsrates Sozialwissenschaften mit blauer Farbe mit dem Brandanschlag in einem Zusammenhang stehen. Vermutet werden Täter aus der rechten Szene.

„Nazis sind kein ostdeutsches Problem“

Die Reaktionen auf die Vorfälle am und auf dem Göttinger Campus sind vielfältig. Es sei kein Zufall, dass so etwas passiert, nachdem die AfD in Thüringen mit knapp einem Viertel der Wählerstimmen ins Erfurter Parlament eingezogen ist, heißt es in einer Mitteilung der Jusos Göttingen. „Nazis sind eben nicht nur ein ostdeutsches Problem. Wer das behauptet, verschließt die Augen vor der Realität und macht es sich verdammt einfach“, warnt die Juso-Vorsitzende Larissa Freudenberger. Die Schmierereien und der Brandanschlag würden sich einreihen in eine schon länger andauernde Serie von rechten Übergriffen in Form von Aufklebern, Kritzeleien und körperlichen Angriffen.

„Die Polizei muss endlich handeln“

„Die Polizei muss endlich handeln und wirkliche Ermittlungen aufnehmen“, appelliert Hannah Dißelbeck, sie ist Mitglied im Juso Unterbezirksvorstand. Auch Universität und Stadt müssten Initiative zeigen und „engagiert gegen Nazis vorgehen“. Göttingen sei eine bunte Stadt, eine Stadt voller Vielfalt und mit der Freiheit sie auszuleben. Antisemitische, nationalistische und transfeindliche Schmierereien seien ein deutliches Zeichen, dass diese Freiheit nicht selbstverständlich ist. „Wir können nicht dabei zusehen, wenn Rechte versuchen, sich in der Stadt zu etablieren“, fügt Jannik Bönsch vom Juso Stadtverbandsvorstand hinzu. Die Jusos Göttingen würden entschieden jeder Art von rechter Hetze und Menschenfeindlichkeit entgegentreten.

„Wir dürfen die Augen nicht verschließen“

Die Ratsgruppe Piraten und Partei Göttingen macht darauf aufmerksam, dass vor einigen Monaten ein Gymnasium mit rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Symbolen beschmiert worden ist, nachdem hier eine All-Gender-Toilette eingerichtet worden war. Diese Übergriffe scheinen weniger willkürlich, als vielmehr auch anlassbezogen und bedrohlicher geworden zu sein, meint Ratsfrau Dana Rotter. Die Ratsgruppe kritisiert, dass rechtsextreme Gewalttaten und Angriffe oft nicht als solche erkannt und erfasst würden. So käme das Bundeskriminalamt auf 85 Todesopfer rechtsextremer Gewalt seit 2001, die Amadeo-Antonio-Stiftung auf mindestens 198. „Wir dürfen die Augen nicht verschließen vor dem, was gerade in unserer Gesellschaft passiert“, erklärt die Vorsitzende der Ratsgruppe, Helena Arndt. Akteure aus dem rechtsextremen Milieu würden sich bestärkt fühlen durch Wahlerfolge „von Faschisten wie Björn Höcke und dem politischen Wandel in Europa“.

„Die geistigen und die realen Brandstifter“

„Wenn die Blockade einer Lesung mit Thomas de Maiziére qualifiziert ist, einen bundesweiten Aufschrei zu provozieren, frage ich mich schon, wer in unserer Gesellschaft die geistigen und die realen Brandstifter sind“, kommentiert Claus Hansen für den Kreisverband Göttingen (Die Partei) die Vorfälle. Im Namen des „Bündnis gegen Rechts“ fordert DGB-Regionsgeschäftsführerin Agnieszka Zimowska Stadt und Landkreis Göttingen sowie die Georg-August-Universität dazu auf, entschlossen und glaubhaft gegen Nazis und rechte Gruppierungen vorzugehen und jene Menschen zu stärken und zu unterstützen, die von Bedrohungen betroffen sind.

„Solidarische Alternative entgegenstellen“

Die vom Brandanschlag betroffene Hausgemeinschaft hat die Göttinger Zivilgesellschaft aufgefordert, sich gegen rechte Gewalt zu positionieren. „Dieser Angriff ist nicht nur gegen unsere Hausgemeinschaft gerichtet. Rechte Netzwerke trainieren für Angriffe auf alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen“, ist sich Luca Wolf sicher. Stellvertretend für die Hausgemeinschaft erklärt sie: „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir als emanzipatorische Initiativen zusammen stehen und dem anhaltenden Rechtstrend unsere solidarische Alternative entgegenstellen.“

Kundgebung am 2. November in Goßlerstraße

In einer Einladung der Hausgemeinschaft wird zu einer Kundgebung unter dem Motto „Für eine solidarische Nachbarschaft - Gemeinsam gegen rechte Gewalt in Göttingen und überall“ am Sonnabend, 2. November, von 14 bis 16 Uhr vor dem Haus in der Goßlerstraße 17/17a aufgerufen. Es werde Redebeiträge, Essen, Musik und Infostände geben sowie Raum für Austausch und Zusammenkommen.

Brandanschlag findet bundesweites Echo

Der Brandanschlag auf einen hölzernen Unterstand auf dem Gelände des selbstverwalteten Wohnprojektes Goßlerstraße 17a hat sich in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober zugetragen. Dabei fingen Gartenmöbel und ein hölzener Boden Feuer. Bewohner bemerkten den Brand gegen 3 Uhr und konnten ihn eigenständig löschen. Knapp 50 Meter entfernt beschmierten in der selben Nacht Unbekannte ein Gebäude mit NS-Symbolen und verübten einen Farbanschlag auf ein weiteres Uni-Gebäude. Die Vorfälle sind bundesweit zur Kenntnis genommen worden. So berichten die als linksorientiert geltenden Zeitungen „TAZ“, „Junge Welt“ und das „Neue Deutschland“ darüber. Im letztgenannten Medium wird darauf hingewiesen, dass im März dieses Jahres knapp 1000 Menschen in Göttingen unter dem Motto „Es reicht!“ gegen die Zunahme rechter Übergriffe in der Stadt auf die Straße gegangen sind. Das sei auch jetzt wieder „bitter nötig“, heißt es.

Von Ulrich Meinhard

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