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Göttingen Gedenken in Grone: „Verbunden im Entsetzen und in der Trauer“
Die Region Göttingen Gedenken in Grone: „Verbunden im Entsetzen und in der Trauer“
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20:55 30.09.2019
Viele Göttinger bringen ihre Trauer und ihre Anteilnahme mit einer Kerze am Tatort zum Ausdruck. Quelle: Heller
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Göttingen

„Verbunden im Entsetzen und in der Trauer über die Opfer der Groner Bluttat“: Nach der schrecklichen Gewalttat mit zwei Toten in Grone hat die St-Petri-Gemeinde am Montag eine öffentliche Trauerandacht ausgerichtet. Hunderte nutzten die Gelegenheit, ihre Anteilnahme auszudrücken und das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten. Nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt.

Die Idee zu der Trauerandacht sei ihm im Laufe des Sonnabends gekommen, sagte Pastor Henning Kraus gegenüber dem Tageblatt. Er habe einen immer größer werdenden Bedarf bei den Bürgern gespürt, Antworten zu erhalten auf die Frage, wie sie mit ihrer Trauer umgehen könnten. „Wo gibt es einen Ort, an dem man zusammenkommen kann“, das sei die immer wiederkehrende Frage gewesen. Daraufhin sei die Entscheidung gefallen, die Andacht auszurichten.

Menschenschlange vor der Tür

Und der große Andrang gab ihm Recht. Bis auf den letzten Platz war das Gotteshaus in der Kirchstraße gefüllt. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Andacht, hatte sich eine Menschenschlange vor der Tür gebildet. Die Stimmung war gedrückt. Wenn gesprochen wurden, dann gab es nur ein Thema. Wie schon beim Erntedankfest am vergangenen Sonntag. Auch da sei die Kirche voll besetzt gewesen. „Ein schöner Gottesdienst“, der ebenfalls viel Trost gespendet habe, so Kraus.

„In Grone herrschen Sprachlosigkeit und Entsetzen“, betonte Kraus am Montagabend. Mit der Andacht solle versucht werden, dieser Trauer zu begegnen. Auch wenn das schwer falle. Er sei im Grunde ein positiv denkender Mensch. Wenn der Wetterbereicht ein Gewitter vorhersage, denke er, es werde schon nicht so schlimm. „Aber diesmal habe ich mich getäuscht. Es war es nicht nur schlimm, es war furchtbar.“

Grone im Mark erschüttert“

Das Verbrechen habe Grone und ganz Göttingen im Mark erschüttert, betonte der Geistliche vor den Menschen, die mit dieser Erschütterung offensichtlich nicht mehr allein sein wollten. Sie waren gekommen, um den Angehörigen ihre Unterstützung zu signalisieren und um selbst zu trauern. Immer wieder war Schluchzen zu vernehmen, Tränen flossen, man nahm sich in den Arm und reichte sich die Hand.

„Wir sind in der Trauer, Fassungslosigkeit und Bestürzung eng zusammengerückt“, betonte Dechant Wigbert Schwarze, der ebenfalls während der Andacht sprach. Über Göttingen liege seit der schrecklichen Tat eine Glocke aus Bestürzung und Sorge. „Es ist etwas passiert, das in der menschlichen Vorstellungskraft nicht vorgesehen ist.“ Dass es so etwas gibt, wisse man. Aber vor der eigenen Tür?

Dank an die Helfer

„Verstehen werden wir diese irrsinnige Tat nie“, sagte auch Grones Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr in ihrer bewegenden Ansprache an die Trauergemeinde. Ihre Worte zeugten davon, dass das Verbrechen viele Groner persönlich getroffen hat. „Viele von uns kannten die Verstorbenen aus dem privaten Umfeld. Die Kerzen und Blumensträuße am Tatort sowie auch heute diese Trauerandacht zeigen die große Anteilnahme der Groner“, sagte Sterr mit leicht zitternder Stimme. Ihr Dank galt allen Helfern, den Hinweisgebern und Polizisten, „die zur schnellen Ergreifung des Täters beigetragen haben“. Aber auch allen Augenzeugen, die Respekt vor den Opfern gewahrt haben und nicht zu Gaffern geworden seien.

Die Trauerandacht war ein Angebot für die Bürger in Grone und Göttingen, sich mit den Ereignissen der letzten Tage nicht allein zu fühlen. Um die Angehörigen der Opfer und Augenzeugen der Tat kümmern sich derweil Notfallseelsorger, sagte Kraus. Dafür gebe es im hiesigen Kirchenkreis wie in vielen anderen Kreisen auch ein spezielles Konzept, in das auch die Polizei eingebunden sei. „Dadurch wurden Strukturen geschaffen, die sofort greifen.“ Er selbst sei kein Notfallseelsorger, sagte Kraus. „Ich persönlich wäre mit einer Gewalttat wie dieser auch überfordert gewesen.“ Zumal er auch erst am Donnerstagabend davon erfahren habe. „Da waren alle Systeme auch schon längst angelaufen.“

Betroffenheit auch bei FC Eintracht Northeim

Auch die Besucher der Andacht konnten helfen. Neben dem Eintrag ins Kondolenzbuch und dem Entzünden einer Kerze bestand die Möglichkeit, für die Familien der Opfer zu spenden. Dies ist weiterhin über die Homepage der St. Petri-Gemeinde möglich.

Unterdessen versucht auch der Fußballklub FC Eintracht Northeim, den Blick wieder in die Zukunft zu richten – das 44-jährige Opfer von Frank N. war die Ehefrau eines Eintracht-Trainers. „Am Anfang war es Schockstarre, und wir haben der betreffenden Mannschaft freigestellt, am Wochenende zu spielen. Sie hat sich dagegen entschieden“, berichtete Eintracht-Pressesprecher Moritz Braukmüller. Zum nächsten Spiel will das Team antreten. Braukmüller: „Wir wollen ein Stück Normalität reinkriegen, aber das wird nicht einfach.“

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