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Göttingen Nach Krankheitswelle bei Busfahrern: Göttinger Osten kämpft um Linie 50
Die Region Göttingen Nach Krankheitswelle bei Busfahrern: Göttinger Osten kämpft um Linie 50
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21:00 07.11.2019
Die SPD im Göttinger Osten kämpft um ihre Buslinie 50: Klaus Wettig und Sylvia Binkenstein vom Parteivorstand mit Bus-Nutzer Dieter Wiegand (v.r.). Quelle: Ulrich Schubert
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Göttingen

Das Göttinger Ostviertel kämpft um seine Buslinie 50. Fast 1000 Unterschriften hat der SPD-Ortsverein Ost als Initiator einer Kampagne inzwischen gesammelt. Sie sollen einen Protestbrief an die Göttinger Verkehrsbetriebe und den Oberbürgermeister untermauern. An erster Stelle fordern die Unterzeichner, dass die Linie 50 wieder im Halbstunden-Takt, auch spätabends und sonnabends fährt.

Seit Mitte August fahren die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) einen Notfallplan: Danach fahren die Stadtbuslinien 50 und 33 in der Regel nur alle 60 Minuten und ab 20 Uhr gar nicht mehr. Regulär ist ein Halbstunden-Takt. Sonnabends fahren beide Linien nur sehr eingeschränkt. Außerdem entfallen einzelne Fahrten der S62. Hintergrund ist ein hoher Krankenstand bei den Busfahrern seit vergangenem Jahr.

Altersgruppe 50+ und Berufspendler betroffen

Das ärgert Pendler aus der Weststadt, die mit der Linie 33 Richtung Norduni, Kliniken und Lutteranger fahren wollen. Und das ärgert ganz besonders viele Bewohner des Ostviertels. Die Altersgruppe 60+ „ist ganz besonders betroffen“, sagte am Donnerstag Klaus Wettig, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Göttingen-Ost. Sie seien auf die Linie 50 angewiesen, um zu ihren Ärzten, für Besorgungen in die Stadt und zum einzukaufen zu fahren. „Nicht weniger trifft es viele Berufspendler, die am Bahnhof in Züge umsteigen“, so Wettig. Im Stunden-Takt passten die Anschlüsse oft nicht mehr. Kommen Pendler nach 19 Uhr in Göttingen an, „fährt gar kein Bus mehr“.

Das sei auch für Theater-, Konzert- und Kinofreunde ärgerlich. „Man kommt dann abends nicht mehr nach Hause, höchstens mit einem Taxi“, ergänzte die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Sylvia Binkenstein. Hinzu kämen Einschränkungen für Schüler mehrere Schulen, die an der Linie 50 liegen und für Gäste der Göttinger Jugendherberge.

Auch viele betroffene Familien mit Kindern

Vor diesem Hintergrund hatte der Ortsverein Ende September eine Protestkampagne gestartet – mit Infoständen und Postkartenaktion. „Wir waren überrascht, wie viele Bürger dann tatsächlich an unseren Ständen über das Problem klagten“, so Wettig – „unter ihnen auch viele Familien mit kleinen Kindern“. Innerhalb von vier Wochen seien inzwischen 947 verteilte Protest-Postkarten zurückgekommen, ausschließlich aus dem Bereich oberhalb des Albaniplatzes. Und etliche Karten seien noch unterwegs.

Er sei vor gut zwei Jahren ganz bewusst vom Auto auf den Bus umgestiegen, sagte Dieter Wiegand während einer Ergebnispräsentation der SPD am Donnerstag. Der 80-Jährige fährt häufig in die Stadt, aber auch zum Bahnhof. Das sei jetzt oft beschwerlich, zeitweise nutze er wieder das Auto. „Und das passt nicht in die aktuelle Debatte um Klimawandel und Klimaschutz“, so Binkenstein.

Die eingeschränkten Linien:

Der aktuelle Ersatzfahrplan

Die Göttinger Verkehrsbetriebe werden den seit Mitte August geltenden Ersatzfahrplan voraussichtlich bis zum Jahresende fortführen. Das betrifft nicht nur die Ostviertel-Linie 50, deren Betriebszeit auf Stundentakt zwischen 6 und 20 Uhr reduziert wird. Einschränkungen gibt es auch auf den Stadtbuslinien 33 und 62. Die Linie 33 Holtenser Berg-Klinikum fährt ebenfalls nur noch im Stundentakt statt jede halbe Stunde. Sonnabends werden nur einzelne Fahrten am frühen Morgen und nachmittags durchgeführt. Die Fahrzeiten seien für Berufspendler auf die Schichtzeiten im Klinikum sowie auf die Schulzeiten abgestimmt, sagte GöVB-Sprecherin Stephanie Gallinat-Mecke. Auf der Linie 62 von und nach Bovenden entfallen die Schnellbusfahrten zwischen 15.30 und 18.30 Uhr – mit einer Ausnahme: Die Schnellbusfahrt nach Bovenden ab dem Markt um 15.09 Uhr soll weiter durchgefährt werden. Die Verkehrsbetriebe bitten um Verständnis für die unvermeidbaren und zeitlich begrenzten Einschränkungen.

In ihrem Protestbrief listet die SPD „die Folgen der Taktreduzierung“ auf der Linie 50 auf. Und sie nennt Verbesserungsvorschläge: langfristig einen 20-Minuten-Takt statt halbstündlich und eine Art Veranstaltungsbus freitags und sonnabends nach 22, 23 und 24 Uhr.

Nach Angaben der GöVB gilt der Notfallfahrplan noch bis Jahresende. „Danach soll der reguläre, genehmigte Fahrplan wieder gelten“, versicherte Unternehmenssprecherin Stephanie Gallinat-Mecke. Inzwischen seien 18 neue Busfahrer eingestellt worden, zudem 15 Auszubildende. 14 weitere potenzielle Fahrer würden zurzeit an einer Umschulung teilnehmen. Der Krankenstand der Busfahrer sei deutlich zurückgegangen, aktuelle würden aber noch viele Überstunden und Resturlaube abgebaut.

Die Protest-Postkarte. Quelle: Ulrich Schubert

Durch die Neueinstellungen könne das bestehende Fahrpersonal deutlich entlastet werden. „Weiterhin entspannt sich aktuell die Situation im Liniennetz an einigen Stellen“, so Gallinat-Mecke weiter.

Die GöVB beschäftigen zurzeit etwa 270 Busfahrer und haben etwa 90 Busse im Einsatz.

Per Barcode zur Fahrzeit:

In Echtzeit: Digitale Busanzeige auf dem Handy

Ab sofort können Nutzer der Stadtbusse an einigen Haltestellen in der Stadt Göttingen per Barcode auf ihrem Smartphone sehen, wann ihr gewünschter Bus ankommen und abfahren wird. Der neue digitale Abfahrtsanzeiger sei bereits für erste Haltestellen im Stadtgebiet erstellt, teilten die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) mit. Die QR-Codes seien dort als Aushang zu finden. Nach dem Scannen des Codes wird auf dem Smartphone eine virtuelle DFI geöffnet – eine „digitale Fahrgastinformation“. Sie zeigt in Echtzeit die Abfahrtszeiten der Busse an der Haltestelle an. Weitere Haltestellen würden sukzessive mit den QR-Codes ausgestattet. Seit August rüsten die GöVB bereits ihre digitalisierten Anzeigetafeln an etlichen Haltestellen um. Auch sie zeigen dort Ankunft und Abfahrt in Echtzeit an. (us)

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Von Ulrich Schubert

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