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Göttingen Nach Missbrauch Neuanfang
Die Region Göttingen Nach Missbrauch Neuanfang
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20:14 05.02.2010
Aus dem Gleichgewicht: Katholische Kirche und Jesuitenorden ringen mit dem Thema Missbrauch.
Aus dem Gleichgewicht: Katholische Kirche und Jesuitenorden ringen mit dem Thema Missbrauch. Quelle: SPF
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Der heutige Mitfünfziger wurde 2001 vom damaligen Bischof Josef Homeyer wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung eines Jugendlichen von seinen Ämtern entbunden. Der Pfarrer räumte den Vorwurf ein, das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Der Pfarrer musste das Bistum Hildesheim 2002 verlassen und unterzog sich in Würzburg einer Therapie.

Einige Zeit später durfte er in Göttingen einen Neuanfang wagen – mit Einverständnis und Wissen des damaligen Dechanten Norbert Hübner. Auch die Hauptamtlichen, die mit dem Pfarrer zusammenarbeiteten, wurden eingeweiht – sie sollten schließlich ein Auge auf ihn haben. Der Pfarrer hatte die Auflage, nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Er wurde in der Krankenhausseelsorge tätig und half auch in verschiedenen Gemeinden im Dekanat Göttingen aus.

Bistumssprecher Michael Lukas, der damalige Dechant Norbert Hübner und der jetzige Dechant Bernd Langer bringen viel Verständnis für den gestrauchelten Pfarrer auf. Das Verfahren sei damals korrekt behandelt und abgeschlossen worden, so Lukas. Der Seelsorger sei als geheilt entlassen worden, so Langer. Es sei um einen Einzelfall und nicht um ein Tatmuster gegangen. Zudem habe es sich nicht um einen schweren Fall von Missbrauch gehandelt. „Er hat gebüßt“, betont Hübner. Irgendwann müsse jemand auch die Chance auf einen Neuanfang bekommen, wenn die Therapeuten grünes Licht geben. Auch das Opfer sei damals psychologisch betreut worden. Langer, Hübner und andere Krankenhausseelsorger betonen, ihnen seien in der Göttinger Zeit nie wieder Übergriffe des Pfarrers bekannt geworden.

Neuer Vorwurf gegen Peter R.

Eine neue Entwicklung gibt es auch im Fall des Jesuitenpaters Peter R., dem sexueller Missbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen wird und der in den achtziger Jahren auch in Göttingen wirkte. Mittlerweile hat sich, wie das Bistum bestätigte, ein drittes Opfer gemeldet. Dabei gehe es um einen sexuellen Übergriff in den neunziger Jahren, sagte Lukas. Die betroffene Frau sei damals bereits volljährig gewesen.

Von Jörn Barke

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