Nach Raubüberfällen in Göttingen: Lange Haft und Sicherungsverwahrung
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Nach Raubüberfällen in Göttingen: Lange Haft und Sicherungsverwahrung

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17:00 22.04.2021
Das Gericht ordnete für beide Angeklagte neben der langjährigen Freiheitsstrafe auch Sicherungsverwahrung an.
Das Gericht ordnete für beide Angeklagte neben der langjährigen Freiheitsstrafe auch Sicherungsverwahrung an. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Beide Männer haben bereits viele Jahre im Gefängnis verbracht – jetzt sollen sie auf nicht absehbare Zeit hinter Gittern bleiben, möglicherweise sogar für den Rest ihres Lebens: Das Landgericht Göttingen hat am Donnerstag zwei 67 und 54 Jahre alte Männer wegen schweren Raubes zu Gesamtfreiheitsstrafen von zwölf beziehungsweise elf Jahren verurteilt.

Das Gericht ordnete für beide Angeklagte neben der langjährigen Freiheitsstrafe auch Sicherungsverwahrung an. Beide hätten einen Hang zu erheblichen Straftaten und seien daher für die Allgemeinheit gefährlich. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass sie im Januar 2020 eine Frau in Hetjershausen in deren Villa überfallen und ausgeraubt hatten. Der 54-Jährige habe außerdem im November 2017 die Ehefrau eines Unternehmers in Rosdorf in ihrem Wohnhaus überfallen und auszurauben versucht.

Sieben Monate währender Prozess

Das Gericht entsprach mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten dagegen auf Freispruch plädiert. Die Richter waren allerdings am Ende des mehr als sieben Monate dauernden Prozesses überzeugt, dass sich die Taten so zugetragen hatten, wie es in den Anklagen beschrieben war. Die Angeklagten selbst hatten in dem Prozess geschwiegen und in ihrem Schlusswort die Vorwürfe bestritten. Das Gericht hielt sie jedoch unter anderem aufgrund von Videoaufnahmen und anderer Indizien für überführt.

Das Verfahren sei vor allem deshalb ungewöhnlich, weil man es selten mit Angeklagten zu tun habe, die strafrechtlich derart vorbelastet seien, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Der 54-jährige Angeklagte, der aus Hildesheim stammt, und zuletzt in Bad Fallingbostel wohnhaft war, habe wegen zahlreicher Raubdelikte bereits rund zwei Jahrzehnte in Haft gesessen. Der 67-jährige gebürtige Lüneburger, der zuletzt in Hannover gewohnt hatte, war 1998 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und im Oktober 2017 nach 19 Jahren Haft auf Bewährung entlassen worden. Beide Angeklagte hätten sich „im Knast kennengelernt“, sagte der Vorsitzende Richter.

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Eine weitere Knastbekanntschaft ist ein ebenfalls mehrfach vorbestrafter 48-jähriger Mann aus Göttingen. Dieser war nach Angaben des Vorsitzenden Richters ebenfalls ins Visier der Fahnder geraten, weil eine Anwohnerin in Hetjershausen einen Hinweis auf einen Pkw gegeben hatte, der dem 48-Jährigen zuzuordnen sei. Der 54-jährige Angeklagte sei am Tatmorgen in der Nähe des betreffenden Grundstücks in Hetjershausen aus diesem Pkw ausgestiegen. Da es außerdem, wie die Auswertung der Handys ergab, diverse telefonische Kontakte zwischen den Angeklagten und dem 48-Jährigen gegeben hatte, hatte die Polizei zunächst auch gegen den Göttinger ermittelt. Das Verfahren wurde später jedoch eingestellt.

Als Finanzbeamter getarnt

Nach Überzeugung des Gerichts war der 67-Jährige am Tatmorgen im Januar 2020 gesondert in Hetjershausen erschienen. Er habe morgens bei der allein in einer Villa lebenden Frau geklingelt und erklärt, dass er von der Finanzbehörde komme. Die Frau habe ihn ebenso wie den kurz darauf auftauchenden 54-Jährigen hineingelassen, weil sie befürchtet habe, dass ihr Ehemann Geschäfte getätigt haben könnte, die steuerrechtlich relevant seien. Als sie von den beiden Männern den Dienstausweis sehen wollte, habe der 67-Jährige eine Waffe gezogen und gesagt: „Das ist unser Dienstausweis.“ Die Angeklagten hätten dann das Haus nach Wertgegenständen durchsucht und Schmuck, Uhren und Münzen im Wert von knapp 18 000 Euro zusammengerafft. Anschließend hätten sie die Frau im Jagdzimmer gefesselt und mit ihrer Beute das Haus verlassen.

Etwas mehr als zwei Jahre zuvor hat der 54-Jährige nach Überzeugung des Gerichts eine ähnliche Tat in Rosdorf verübt. Es sei davon auszugehen, dass er zuvor die örtlichen Gegebenheiten ausgekundschaftet habe, sagte der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe morgens, als der Rosdorfer Unternehmer in seiner Firma, und seine Ehefrau allein zuhause war, an der Haustür des Privathauses geklingelt und sich als Paketbote ausgegeben. Als die nichts Böses ahnende Frau die Tür öffnete, habe er ihr ins Gesicht geschlagen, an ihren Haaren gezogen und versucht, sie zu Boden zu bringen. Die Frau habe sich allerdings heftig zur Wehr gesetzt, so dass er schließlich aufgab und flüchtete. Bei seiner Flucht ließ er im Flur Kabelbinder zurück. Nach Überzeugung der Richter hatte er sein Opfer damit fesseln wollen. Sie werteten die Tat als versuchten schweren Raub in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung.

Von Heidi Niemann

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