Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Ermittlungen gegen Freundeskreis
Die Region Göttingen Ermittlungen gegen Freundeskreis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 29.01.2017
Von Markus Scharf
Die Schlägerei zwischen fünf zum Teil bewaffneten Anhängern des „Freundeskreises Thüringen / Niedersachsen“ (FKTN) und zwei Angehörigen der linken Szene am 12. November auf dem Albaniplatz war der bisherige Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen Rechten und Linken in Göttingen. Quelle: DPA
Anzeige
Göttingen

Von ursprünglich sieben Ermittlungsverfahren wurden die zwei gegen die Mitglieder der linken Szene nach Auskunft von Staatsanwaltssprecher Andreas Buick jetzt eingestellt. Für einzelne Freundeskreis-Mitglieder steht der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung im Raum.

Zu der Auseinandersetzung war es im Nachgang einer Demonstration gekommen. Eine FKTN-Kundgebung an der Göttinger Stadthalle, die etwa 500 Gegendemonstranten auf den Plan gerufen hatte, war kurzfristig abgesagt worden. Stattdessen hatte es der Anmelder vorgezogen, eine parallele Veranstaltung in Duderstadt zu besuchen. Am Nachmittag gegen 15.15 Uhr aber war sein vollbesetzter weißer BMW dann doch noch in Göttingen aufgetaucht. Als er an der Stadthalle von einer Polizeistreife kontrolliert wurde, kam es zur Eskalation.

Anzeige

Nach bisherigen Ermittlungen ergibt sich folgende Szenerie: Der BMW wird vor der Stadthalle von Polizisten gestoppt, zwei Mitglieder der linken Szene gehen auf das Auto zu, schlagen mit der Hand dagegen und skandieren „Nazis raus“. Tatsächlich steigen in diesem Moment drei Personen unter anderem mit einer Kette bewaffnet aus dem Auto aus. Wenig später liegt ein Mann verletzt auf dem Boden und wird von einem Glatzköpfigen mit der Kette traktiert, berichten drei Zeugen gleichlautend. Eine junge Frau wird von zwei Angreifern zwischen Autos liegend mit Stock und Bierflasche bedroht.

Wie kann es trotz der Anwesenheit der Polizei zu dem Gewaltausbruch kommen? Laut Akte sitzt eine Polizistin zur Tatzeit im Streifenwagen, um Verstärkung zu rufen, während ihr Kollege bei Fahrer und Beifahrer des BMW stehend von einem Unbekannten angegriffen wird. Er zieht seine Waffe, vertriebt den Angreifer. Erst später wird er durch Passanten auf den am Boden Liegenden aufmerksam gemacht. Da aber ist der Mann schon schwer verletzt und muss im Krankenhaus behandelt werden.

Bisher fehlen den Ermittlern nicht nur die potenziellen Tatwaffen, sondern auch ein Augenzeuge, der die Angreifer eindeutig identifiziert. Die Geschädigten verweigerten bisher die Aussage, da gegen sie ermittelt wurde. Das könnte sich jetzt ändern. Buick betont: „Ob es in diesem Fall zur Anklage kommt, hängt entscheidend davon ab, ob der Geschädigte Angaben macht.“ Dessen Rechtsanwalt Sven Adam kündigt an, dass es erst eine Aussage geben werde, wenn sicher sei, dass nicht gegen seine beiden Mandanten ermittelt werde und er Akteneinsicht bekommen habe.

36 Verfahren bereits eingestellt

Im Zusammenhang mit den Kundgebungen des rechten Spektrums in der Region hat die Staatsanwaltschaft Göttingen im vergangenen Jahr gegen rund 80 Gegendemonstranten ermittelt. Hinzu kommt eine große Zahl von Verfahren gegen Unbekannt. Dabei reicht das Spektrum der angezeigten Straftaten von Körperverletzung, über Sachbeschädigung, Beleidigung, oder Verstoß gegen das Versammlungsgesetz bis hin zu Landfriedensbruch.

Wie Andreas Buick, Sprecher der Staatsanwaltschaft jetzt bestätigte, wurden von den bisher 44 bearbeiteten Verfahren 36 eingestellt. In vier Fällen gab es einen Strafbefehl, zwei wurden zum Jugendrichter, zwei an eine andere Staatsanwaltschaft übergeben. Hinter den Straftaten verbergen sich in der Regel Störaktionen gegen Veranstaltungen des "Freundeskreises Thüringen-Niedersachsen", der NPD oder der AfD. 36 Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.ms