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Göttingen Nach Trennung von Frau religiös radikalisiert
Die Region Göttingen Nach Trennung von Frau religiös radikalisiert
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19:32 29.08.2011
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Ein Intensivmediziner bestätigte dem Gericht gestern die „potenziell lebensgefährliche“ Verletzung eines der Opfer. Der tiefe Stich in den Oberkörper hatte eine Rippe durchtrennt und die Milz nur knapp verfehlt. Ein zweiter Mann war durch einen Stich in den Arm, als er ebenfalls einen Angriff auf den Brustkorb abwehren konnte, verletzt worden.

Gestern fasste der die Ermittlungen führende Kriminalbeamte seine Eindrücke von dem Angeklagten zusammen. Er beschreibt ihn als religiös verblendeten, zuletzt radikalisierten Mann, der sich offenbar nach der Trennung von Ehefrau und Kind sowie dem Scheitern im Beruf – er ist Diplomingenieur – stark verändert habe. Das habe sich etwa in Bewerbungen ausgedrückt, in denen er mit Formulierungen wie „Gott sei Dank, dass der Iran die größte Macht der Welt ist“ potenzielle Arbeitgeber verschreckte. „So schreibt man keine Bewerbungen“, sagte der Polizist. Auch Landsleute des Angeklagten hätten sich von ihm abgewandt, man habe sich mit ihm gar geprügelt, weil seine Radikalität unerträglich geworden sei. Ein Onkel schreibt über ihn: „Er findet seither (seit der Trennung) den Iran gut, obwohl seine Familie von dort fliehen musste. Er ist zum Prediger geworden.“

Auch auf gerichtliche Schreiben habe er mit versteckten Drohungen geantwortet. Am Tattag habe er mit dem Pappschild „Deutsche sind Hunde“ und dem Spruch „Scheiß Deutsche“ gezielt die Konfrontation gesucht. Sein Eindruck, so der Ermittler: „Er wollte Bürger provozieren – bewusst und gewollt.“