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Göttingen Nach dem Dauerregen: Betroffene Gemeinden ziehen Bilanz
Die Region Göttingen Nach dem Dauerregen: Betroffene Gemeinden ziehen Bilanz
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18:35 15.11.2010
Einsatz in Lödingsen: In der Gemeinde Adelebsen sind rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk bei dem Dauerregen am Wochenende im Einsatz.
Einsatz in Lödingsen: In der Gemeinde Adelebsen sind rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk bei dem Dauerregen am Wochenende im Einsatz. Quelle: Heller
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Insbesondere die Gebiete der Samtgemeinde Dransfeld und der Gemeinde Adelebsen waren von den starken Regenfällen am Sonnabend betroffen. Die Schede trat über die Ufer und setzte Teile von Scheden unter Wasser. Dort treffen Zuflüsse auf die Schede und führen zu Rückstau. „An der Schede muss noch etwas passieren“, sagte Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling (WG). Mit Grundstückseignern und Planern soll gesprochen werden, ob der Zusammenfluss besser gestaltet werden kann.

Die Schede muss aus Sicht der Gemeinde an kritischen Stellen ausgebaggert werden. Die im vergangenen Jahr fertiggestellten Hochwasserschutzmaßnahmen haben sich laut Rüngeling bewährt. Vorsorglich waren Sandsäcke ausgelegt worden. Rüngeling ruft die Schedener auf, die Straßeneinläufe auch selbst von Laub zu reinigen und die Gullybehälter zu leeren, auch wenn sie erst vor einer Woche alle gereinigt worden seien.

Im Niemetal waren allein in Varlosen 15 Keller vollgelaufen. Die Feuerwehr sei aber mit Sandsäcken gut vorbereitet gewesen, so Bürgermeister Gerold Schäfer (CDU). Drei Rückhaltebecken, die demnächst in der Feldmark an den Zuflüssen der Nieme oberhalb von Varlosen gebaut werden sollen, sind noch nicht genehmigt. Allein das Becken an der Valenke hätte schon viel geholfen, glaubt Schäfer. Immerhin ist diesmal nicht wie beim vorigen Hochwasser der Strom ausgefallen.

In Adelebsen leisteten rund 150 Einsatzkräfte der sieben Ortsfeuerwehren und des THW Hilfe. Zu 62 Einsatzstellen in Erbsen, Wibbecke, Eberhausen, Adelebsen, Güntersen und Lödingsen waren sie ausgerückt. Im überfluteten Ortskern von Lödingsen kamen rund 1800 Sandsäcke zum Einsatz.

Überflutete Keller, überschwemmte Straße – der heftige Dauerregen in Stadt und Landkreis Göttingen hat am Sonnabend zu einem Dauereinsatz für Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk geführt. Zwischen Freitagnacht und Sonnabend morgen fielen in der Region rund 30 Liter Regen pro Quadratmeter.

In der Stadt Göttingen waren, wie Verwaltungssprecher Detlef Johannson auf Anfrage erläutert, alle Regenrückhaltebecken gefüllt. „Zum Teil sprangen die Notüberläufe an. In Groß Ellershausen setzte sich der Überlauf aber zu, so dass es zu einer Überflutung der Straße Auf der Schanzekam. In Holtensen habe der den Ort durchfließende Feuerteichgraben das anfallende Wasser nicht abtransportieren können, es breitete sich in der Ortsmitte aus, beschreibt Johannson.

Einen Zusammenhang dieser Situation mit den Baumaßnahmen an der A 7 sowie für die kommunale Entlastungsstraße sieht die Stadt, anders als Tageblattleser Rainer Schilff, nicht. „Beide Projekte beinhalten neue Regenrückhaltebecken. Der Graben in Holtensen, für den es ein eigenes Pflege- und Unterhaltungskonzept mit ständiger Kontrolle gibt, war offenbar den Wassermengen einfach nicht gewachsen“, entgegnet Johannson. Schilff glaubt, dass „ein ausreichender Abfluss durch mangelhafte Pflege des Grabens nicht gewährleistet war“.

Besonders durch Laub verstopfte Gullydeckel waren Grund für überflutete Straßen. „Die Entsorgungsbetriebe reinigen die Straßen – also auch Laubfall – nach den vorgegebenen Intervallen“, sagt Johannson. „Allerdings sind auch unseren Möglichkeiten Grenzen gesetzt.“ Auch nach einer Reinigung setze manchmal unmittelbar neuer Laubfall ein und könne Zuläufe versperren. Die Rückhaltebecken werden regelmäßig, insbesondere bei angekündigten Regenereignissen und nach starken Regenfällen kontrolliert und Einbauten gegebenenfalls gereinigt.

Wegen des starken Regens in der Nacht zum Sonnabend verzögert sich auch die ursprünglich für vergangenes Wochenende geplante Freigabe der Autobahn 7 zwischen Göttingen und Parensen. Die nötigen Fahrbahnmarkierungsarbeiten seien schlicht nicht durchzuführen gewesen, sagt Udo Othmer, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim. Jetzt soll am kommenden Wochenende markiert werden. Wenn das Wetter mitspielt.

Von Gerald Kräft
und Michael Brakemeier