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Göttingen Scheinselbstständige Übungsleiter: Sportbünde sehen keine Gefahr
Die Region Göttingen Scheinselbstständige Übungsleiter: Sportbünde sehen keine Gefahr
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00:27 26.11.2018
Im Visier der Ermittlungen: Institut für Hochschulsport am Sprangerweg.
Im Visier der Ermittlungen: Institut für Hochschulsport am Sprangerweg. Quelle: Foto: CH
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Göttingen

Razzia an der Uni Göttingen. Einer der Vorwürfe: Scheinselbstständigkeit bei Übungsleitern im Bereich des Hochschulsports. Wie sieht das der ASC? Welche Gefahren sehen die Sportbünde?

„Wir werden regelmäßig geprüft.“

Der mit knapp 10 000 Mitgliedern größte Sportverein Niedersachsens, der ASC 46 Göttingen, und auch die beiden Sportbünde sehen für sich selbst keine Gefahr, in Konflikt mit der Justiz zu geraten. „Wir werden regelmäßig geprüft, hatten zuletzt Prüfungen der Sozialversicherung, Steuerbehörden und Berufsgenossenschaften. Da gab es keine Beanstandungen“, berichtet der ASC-Vorsitzende Jörg Schnitzerling. Jeder Übungsleiter werde – bei Bedarf – gegenüber der prüfenden Behörden offen gelegt. Schnitzerling weiß, dass es Gegenprüfungen gibt. „Ich kann mich natürlich nicht für jeden Einzelnen verbürgen.“ Eine Einheitlichkeit in der Vorgehensweise gebe es nicht, was und wie geprüft wird, hänge auch immer vom jeweiligen Prüfer ab.

Compliance-Konzept verabschiedet

Der ASC 46 hat im Frühjahr 2018 ein Compliance-Konzept verabschiedet, in dem die Werte, denen sich der Großverein verpflichtet fühlt, verschriftlicht und als „Allgemeine Regeln zur Integrität in der Vereinsarbeit“ zusammengefasst worden sind. Dieses Konzept setzt den Rahmen für den alltäglichen Geschäftsbetrieb hinsichtlich der Einhaltung von Gesetzen, Richtlinien, Regeln und Pflichten. „Das ist ein Anreiz für uns, genau auf die Bestimmungen zu achten.“

„Bargeld ist immer problematisch“

Der Kreissportbund (KSB) zahlt Übungsleiter-Zuschüsse an die Vereine nicht mit dem Geld aus der eigenen Kasse, er verteilt Fördermittel des Landkreises und des Landessportbundes. „Es ist nicht unser Geld, das wir weitergeben“, sagt Hans-Werner Lüther, Vorstand Finanzen und Organisation im KSB. Berechtigte Empfänger sind ausnahmslos lizenzierte Übungsleiter, die ihre Entschädigungen nur über ein Konto bekommen. Diese Handlungsweise müssen auch die Vereine nachweisen. „Es gibt bei uns kein Bargeld auf die Hand. Das ist gängige Praxis seit Jahren“, sagt Lüther. 2400 Euro jährlich könne jeder Übungsleiter verdienen, ohne steuerlich belangt zu werden.

Auch das Sportgeräte-Förderprogramm, bei dem der KSB eigenes Geld einsetzt, läuft nur mit einem Nachweis von Rechnungen und Buchungsbelegen. Bareinkäufe werden nicht angerechnet. „Bargeld ist immer problematisch“, sagt Lüther.

Der Stadtsportbund (SSB) erhält Geld von der Stadt Göttingen und vom Landessportbund, das er als Übungsleiter-Entschädigung an die Vereine weitergibt. „Wir haben keine eigenen Übungsleiter angestellt, weil wir keinen Sportbetrieb organisieren. Wir sind die den Vereinen übergeordnete Verwaltung“, sagt Joachim Pförtner, der geschäftsführende Vorsitzende des SSB.

Keine Erkenntnisse beim Verband

Von der Razzia beim Hochschulsport der Georgia Augusta hat erwartungsgemäß auch der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) erfahren. Allerdings sei der Kenntnisstand bei der im hessischen Dieburg sitzenden Organisation noch lückenhaft. „Ich hatte bisher noch keine Möglichkeit, in Ruhe mit den Kollegen in Göttingen zu sprechen. Daher liegen dem adh auch keine weiteren Erkenntnisse zu den Geschehnissen an der Universität Göttingen vor“, sagt adh-Generalsekretär Dr. Christoph Fischer und fügt an: „Anfragen von anderen Mitgliedshochschulen des adh bezüglich dieser Thematik haben wir aktuell nicht.

In dem 1948 in Bayrischzell gegründeten Dachverband sind aktuell 198 Hochschulen mit etwa 2,4 Millionen Studenten und 550 000 Bediensteten organisiert. Seit 1976 ist der Hochschulsport als Förderungsaufgabe der Hochschulen gesetzlich verankert. 2009 erklärte der Deutsche Bundestag den Hochschulsport als unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Sport- und Hochschullandschaft. Neben der Interessenvertretung seiner Mitgliedshochschulen konzentriert sich der adh auf die Bereiche nationaler und internationaler Wettkampfsport sowie Qualifizierung und Wissensmanagement. Der adh ist der einzige deutsche Verband, der als Zielgruppe Studenten und Hochschulmitarbeiter hat.

Bis 2012 leitete Olaf Tabor neun Jahre lang den adh als Generalsekretär. Er ist in Göttingen kein Unbekannter. Tabor studierte in Göttingen und leitete das dem Hochschulsport angeschlossene Sportreferat.

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Von Kathrin Lienig und Mark Bambey

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