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Göttingen Nach magerer Mahd auch noch Ernte zerstört
Die Region Göttingen Nach magerer Mahd auch noch Ernte zerstört
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21:53 11.07.2011
Von Jürgen Gückel
Teure Tat im Heu: Unbekannte haben bei Friedland 16 Ballen Silage aufgeschnitten und Pferdehalterin Gisela Heckmann in Not gebracht.
Teure Tat im Heu: Unbekannte haben bei Friedland 16 Ballen Silage aufgeschnitten und Pferdehalterin Gisela Heckmann in Not gebracht. Quelle: Vetter
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Friedland

Zwei der Leidtragenden der Trockenheit: Gisela und Jens Heckmann, Inhaber der Saga-Reitschule in Groß Schneen. 220 Ballen Heulage, einer Silage mit 20 bis 30 Prozent Restfeuchtigkeit, brauchen die Heckmanns für ihre 40 Pferde jährlich. Jetzt haben Unbekannte ihnen auch noch 16 der mit Folie verschlossenen Ballen auf der Wiese in Grimmes Garten auf der Leineinsel in Friedland zerschnitten. Luft drang ein, Restfeuchtigkeit konnte reagieren, das Heu verdarb. Mit rund 720 Euro Verlust rechnet Heckmann. Im Frühjahr muss er zukaufen. Dann könnte der Preis hoch sein. Futter ist überall knapp.

Dabei geht Heckmann nicht von einem Dumme-Jungen-Streich aus, denn der oder die Täter mussten eigens eine Plane anheben, zur Befestigung darauf liegende Reifen beseitigen, um dann die Ballen mit einem Messer aufzuschneiden. Er hat Strafanzeige erstattet.

Über die magere Grasernte klagen viele Landwirte. Auf schlechten Böden liegt der Ertrag um bis zu 50 Prozent unter dem der Vorjahre, auf guten noch rund 30 Prozent. Das rechnet Herbert Reuter aus Deiderode vor, der noch ganz traditionell Heu macht. Grund ist der Regenmangel des Frühjahrs. Von März bis Mai, so Harald Frischtatzky von der Wetterwarte Geismar, fielen nur 61,1 statt der zu erwartenden 154,8 Liter Regen pro Quadratmeter – nur 39 Prozent der Vorjahresmittel: Der trockenste Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1927.

Durch das geringe Wachstum wurde auch das Heu nicht besser. Die flach wurzelnden Untergräser mit hohem Nährstoffanteil gediehen kaum; größere Gräser mit tiefen Wurzeln, viel Stängel und schneller Blüte haben nun einen höheren Anteil an Heu und Silage.

Höhere Preise für Heu beobachtet bereits die Landwirtschaftskammer: Vor einem Jahr kostete im Juli die Tonne Hochdruckballen in Südniedersachsen 120 bis 140 Euro. In diesem Jahr sind es mit 170 bis 190 Euro gut ein Drittel mehr. Rinderhalter könnten im Winter Mais zufüttern. Dem bekam die Trockenheit gut. Für Pferde jedoch muss es faserreiches Heu sein – das kostet bald Geld wie Heu.