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Göttingen Nachfolge von Reuter: Marcel Riethig (SPD) ist Göttingens neuer Landrat
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Nachfolge von Reuter: Marcel Riethig (SPD) ist Göttingens neuer Landrat

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16:13 27.09.2021
Marcel Riethig (SPD), ist der neue Landrat vom Landkreis Göttingen.
Marcel Riethig (SPD), ist der neue Landrat vom Landkreis Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann/GT
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Göttingen

Marcel Riethig wird der neue Landrat des Landkreises Göttingen sein. In der Stichwahl hat sich der Dezernent für Jugend, Bildung, Arbeit, Soziales und Kultur der Kreisverwaltung gegen seine Dezernenten-Kollegin Marlies Dornieden (CDU) durchgesetzt. Riethig erhielt laut vorläufigem amtlichen Endergebnis 63,5 Prozent der Stimmen. Der Kreisrat tritt die Nachfolge von Bernhard Reuter (SPD) an, der nicht wieder kandidierte.

„Mut. Macher“ So stand und steht es auf den Wahlplakaten, die das Konterfei von Marcel Riethig zeigen. Den Mutmache-Appell bezieht der 38-Jährige aber nicht nur auf seine eigene Person. Im Landkreis Göttingen gebe es viele Menschen, die mit ihrem Engagement Mut machen, versichert er auf seiner Internetseite. Am Wahlabend zeigt sich Riethig gegenüber dem Tageblatt „sehr erleichtert“ über das für ihn sehr gute Wahlergebnis. Bei einer Stichwahl würden die Karten neu gemischt und sicher sei nichts, sagt er. Am 1. November wird er das Amt des Landrates antreten.

„Wir sind Aufsteiger“

Riethig schaut schon voraus: Seiner Einschätzung nach habe sich die Region in den zurückliegenden zehn Jahren „richtig gut entwickelt“. „Wir spüren eine Aufbruchstimmung. Wir sind Aufsteiger“, betont er. Damit diese positive Dynamik anhält, müsse einerseits in Zukunftsprojekte investiert werden. „Andererseits wollen wir unsere regionale Handlungsfähigkeit weiter stärken“, fügt er an. Einer produktiven Zusammenarbeit zwischen der Stadt Göttingen, den Landkreisen Northeim und Goslar und den weiteren Nachbarlandkreisen mit dem Landkreis Göttingen komme dabei eine ganz besondere Bedeutung zu. „Gleichzeitig wollen wir die SüdniedersachsenStiftung zu einer echten Regionalagentur weiterentwickeln und legitimieren“, nennt er ein Ziel.

Marcel Riethig (SPD), ist der neue Landrat vom Landkreis Göttingen. Quelle: Christina Hinzmann/GT

„Größtmöglicher Konsens bei Windrädern“

Der Klimaschutz sei ein weiterer Schwerpunkt, der nicht nur Risiken, sondern auch Chancen für die Region biete, beispielsweise in puncto Wettbewerbsfähigkeit oder Stärkung des ländlichen Raumes. „Den von mir beworbenen Klimasparbrief (eine Geldanlage, um möglichst schnell Geld für den Klimaschutz bereitzustellen, Anmerkung der Redaktion) will ich mit den regionalen Banken und Sparkassen zeitnah umsetzen. Beim Thema Windräder werden wir das vorliegende Konzept überarbeiten müssen. Wir brauchen weitere Windräder und dabei, das ist mir durchaus bewusst, werden Konflikt auftreten“, macht der gewählte Landrat auf Spannungen aufmerksam. Sein Slogan „Das neue Miteinander“ stehe dafür, „dass wir den größtmöglichen Konsens anstreben. Wir können bei den Entscheidungen, die wir zu treffen haben, nicht alle Menschen zufrieden stellen.“ Gleichwohl sei umso wichtiger, dass die Politik nicht mit der Brechstange daher komme, sondern beständig für Akzeptanz werbe und offen für Argumente ist.

„Wir haben ein Problem mit Armut“

Weiterhin oben auf der Agenda bleibe, so Riethig, der Ausbau des vorsorgenden Sozialstaates. „Wir haben nach wie vor ein Problem mit Armut in unserem Landkreis. Die beste Form der Armutsbekämpfung ist, Armut gar nicht erst entstehen zu lassen, sondern vorausschauend zu agieren und vorsorgend tätig zu werden“, erklärt der 38-Jährige.

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„Und nicht zuletzt habe ich mir auf die Fahnen geschrieben, dass die Kreisverwaltung als Partnerin der Bürgerinnen und Bürger sowie der Städte und Gemeinden wahrgenommen wird. Unsere größte Stärke in unserem Landkreis sind die Menschen, die den Landkreis ihre Heimat nennen und hier mit tollen Projekten, Tatkraft, Mut, Unternehmertum und Entschlossenheit ihre Vorstellungen und Ideen umsetzen“, hebt Riethig hervor. Diese Menschen und ihre Projekte zu unterstützen, sei ihm ein wesentliches Anliegen. „Und ich arbeite dafür, dass wir die Vorzüge unserer Region künftig selbstbewusst nach außen tragen.“

„Abstand so gering wie möglich halten“

Marlies Dornieden hätte als Landrätin vor allem die Schwerpunkte Bildungspolitik, Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums, Digitalisierung und Klimawandel gesetzt. Aber auch die „Beseitigung der Folgen der Corona-Pandemie“ hätten auf ihrer Agenda gestanden. Ein persönliches Ziel hat die CDU-Landratskandidatin schon vor zwei Wochen erreicht: die Stichwahl um den Posten eines neuen Landrates im Kreis Göttingen. Ihr zweites Ziel: den Abstand zu Konkurrent Marcel Riethig „so gering wie möglich“ zu halten, sagt Dornieden am Sonntagabend.

Marlies Dornieden mit dem Filmteam vom NRD. Quelle: Michael Brakemeier

Ihr Abschneiden wertet die 54-Jährige nicht als „persönliches Ergebnis“. Habe die CDU doch nur dann eine Chance auf das Landratsamt gehabt, „wenn wir eine andere Mehrheit im Kreistag“ hinbekommen hätten, sagt Dornieden. Die CDU habe aber Sitzverluste hinnehmen müssen. Auch die Wahlaussagen von FDP und Grünen hätten Einfluss auf das Stichwahlergebnis gehabt, so Dornieden. Beide Parteien hatten sich in der vergangenen Woche für Riethig als Landrat ausgesprochen.

Den Wahlkampf zwischen ihr und Riethig nennt Dornieden „fair“ und „respektvoll“. Auf allzu harte Auseinandersetzungen habe man verzichtet, weil beide gewusst hätten, nach der Wahl wieder im Kreishaus miteinander arbeiten zu wollen. Jetzt wird aus den beiden Dezernenten-Kollegen ein in der Hierarchie leicht verändertes Gespann.

Die Wahlbeteiligung lag bei über 61 Prozent.

Von Ulrich Meinhard und Michael Brakemeier