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Göttingen Nächste Bauphase im Göttinger Kuqua beginnt
Die Region Göttingen Nächste Bauphase im Göttinger Kuqua beginnt
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00:22 30.08.2018
Ortstermin am künftigen Kunsthaus mit Stadtbaurat Thomas Dienberg, Gerhard Steidl und dem Architekten Sebastian Thaut (v.l.). Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Fast auf den Tag genau 50 Jahre, nachdem in Göttingen die Idee eines Ausstellungshauses aufgekommen ist, stehen wir jetzt an der Baugrube für das Kunsthaus“, sagt Gerhard Steidl und blickt zufrieden auf den Fortschritt der Arbeiten. Über die Jahre sei die Umsetzung mal näher und mal wieder in weitere Ferne gerückt. Jetzt sei es endlich so weit. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt der Verleger und Initiator des Kuqua und lacht.

Das könnte man beim aktuellen Stand der Arbeiten fast wörtlich nehmen. Der Bagger hat sich mittlerweile auf Grundwasserniveau vorgearbeitet, ein Bauarbeiter steht knietief im Wasser. Er befreit mit der Spitzhacke die Bohrpfähle von anhaftender Erde, die zur statischen Absicherung der Baugrube und der angrenzenden Gebäude ringsum bis zu zehn Meter tief in den Boden getrieben wurden. An einigen Stellen wurde die so entstandene Betonmauer bereits in der Höhe gekappt, damit das Kunsthaus sich künftig perfekt in die Baulücke einfügt, erklärt Projektleiter Jörg Haberl, vom städtischen Hochbauamt.

Kampf gegen Grundwasser

Die Vorarbeiten sind nun abgeschlossen. Die jetzt folgenden Rohbauarbeiten nennt Haberl „durchaus kompliziert“. Ein Grund dafür ist der Kampf gegen das Wasser. Die Fachleute arbeiten mit Unterwasserbeton, wie er auch bei Brückenpfeilern oder in Hafenbecken verwendet wird. Auf eine Kiesschicht kommt in der ersten Septemberwoche die Unterwasserbetonsohle. Hierzu werden etwa 20 Betonmischer über Turm- und Hospitalstraße an die Baustelle heranfahren, kündigt die Stadtverwaltung an.

Baugrube an der Düsteren Straße. Quelle: Christina Hinzmann

„Alles was das Gewerk kann, nutzen wir hier aus“, erklärt der verantwortliche Architekt Sebastian Thaut vom Atelier ST. Die Suche nach einer geeigneten Firma hatte zur letzten größeren Verzögerung der Arbeiten geführt. Eine zweite Ausschreibung war notwendig. Insgesamt liege man mittlerweile sechs Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan, so Stadtbaurat Thomas Dienberg. Mit weiteren Hindernissen rechnet er nicht. Der schwierigste Teil des Baus sei der Keller. „Wenn die Sohle gelegt ist, sollte es keine Schwierigkeiten mehr geben.“

Kuqua wegen Kosten in der Kritik

Das bekämen auch die Architekten und die nachgeordneten Gewerke vielleicht nicht jeden, aber zumindest jeden zweiten Tag von ihm zu hören, sagt der Stadtbaurat. Es klingt, als wolle er ein Versprechen einfordern. Angesichts der Diskussionen um das Kunstquartier in der Vergangenheit sollen negative Schlagzeilen künftig möglichst vermieden werden. Das gilt auch für die Kostenentwicklung. Nachdem die Investitionskosten für das Quartier wegen der aktuellen Marktlage im Baugewerbe bereits um 20 Prozent in die Höhe geschnellt sind, hoffen die Verantwortlichen jetzt auf Preisstabilität. Eine definitive Aussage lasse sich dazu aber nicht machen, so Dienberg.

Fest steht aber die Zeitleiste: Noch in diesem Jahr sollen neben der Unterwasserbetonsohle die gedämmte Kellersohle und die Kelleraußenwände errichtet werden. Je nach Witterung geht es weiter mit Dämmung, Schalung und Betonage. Ab dem 10. September wird dazu in der Düsteren Straße ein Turmdrehkran aufgestellt. Spätestens Ende Januar soll das Kellergeschoss fertiggestellt sein. Alle weiteren Geschosse folgen im Monatstakt von März bis Juni. „Der Zeitplan sollte einzuhalten sein“, so Architekt Thaut.

Steidl will erste Ausstellung im Kunsthaus 2020

Steidl steckt die Erwartungen noch etwas höher: Im Sommer 2020 will er die erste Ausstellung im Kunsthaus sehen. Und er scheint dabei guter Dinge zu sein. Als direkter Nachbar habe er den Fortschritt der Arbeiten in der Baugrube verfolgen können, erzählt er und schickt ein dickes Lob in Richtung Dienberg direkt hinterher: „Ich bin beeindruckt, was die Stadt hier leistet.“

Wer sich über die Arbeiten in der Düsteren Straße 6-8 und die erhaltenen Fachwerkgebäude informieren will, hat dazu am Tag des offenen Denkmals, 9. September, Gelegenheit. Ab 15 Uhr ist eine Führung geplant.

Zehn Jahre Kuqua

2008 wurde erstmals die Idee vorgestellt, 2020 soll das Ausstellungsgebäude stehen. Eine Skizze der bisherigen Etappen.

Im April 2008 stellen der Göttinger Verleger Gerhard Steidl und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) das gemeinsame Projekt Göttinger Kunstquartier (Kuqua) vor. Die Grundidee lautete, Steidl baut das Grass-Haus aus und stellt der Stadt das Grundstück Düstere Straße 7 zur Verfügung, auf dem das Haus für Moderne Kunst entstehen soll. Im Gegenzug erklärt sich die Stadt für Bau und laufenden Betrieb verantwortlich.

November 2014: Mit viereinhalb Millionen Euro unterstützt der Bund das Kuqua-Projekt. Das Geld stammt aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Die Stadt muss den Bau mit 500000 Euro gegenfinanzieren.

Dezember 2014: Der Rat der Stadt Göttingen stimmt dem Projekt mehrheitlich zu. Über den städtischen Anteil der Betriebskosten von jährlich 180000 Euro wird in den Haushaltsberatungen weiter diskutiert.

Juni 2015: Das Grass-Archiv wird im ältesten Haus Göttingens, Düstere Straße 6, eröffnet. Zuvor hatte Steidl das Gebäude über mehrere Jahre aufwendig sanieren lassen.

April 2016: Die Jury hat entschieden. Bei dem Architektenwettbewerb hat das Atelier 30, Architekten aus Kassel, vor dem Leipziger Atelier ST und den „Bär, Stadelmann, Stöcker-Architekten“ aus Nürnberg überzeugt. Im Oktober steht die Entscheidung, dass der zweitplatzierte Entwurf in der Düsteren Straße verwirklicht werden soll.

Im Juli 2017 laufen die ersten vorbereitenden Arbeiten für das Kunsthaus. Um das Baufeld aber auch die benachbarten Gebäude zu sichern, versenkt ein Spezialbohrer 600 Tonnen Beton im Boden.

Ende August 2017 starten die archäologischen Grabungen im Baufeld und dauern bis Februar 2018.

Kostensteigerung bei Bau und Betrieb

Seit das Projekt Kuqua erstmals vorgestellt wurde, hatten Kritiker die Kosten des ambitionierten Projekts im Blick. Die Diskussion um die finanziellen Folgewirkungen blieb dem Kuqua bis heute erhalten.

Anfangs befürchteten vor allem Göttinger Kulturschaffende, dass bestehende Einrichtungen und Institutionen durch das Kuqua bedroht seien. Der Topf der städtischen Förderung könne nur einmal ausgegeben werden, hieß es. Und es sei nicht abzuschätzen, was der Betrieb des Kunsthauses an jährlichen Kosten verursache. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) konterte zuletzt in diesem Jahr, dass das Kunsthaus eine Verstärkung und keine Konkurrenz für die Göttinger Kunstszene sein werde.

425 000 Euro Betriebskosten

Er nannte in der Vergangenheit wiederholt die Summe von 180 000 Euro, die die Stadt jährlich bereitstellen müsse. Damit solle die Hälfte der gesamten Betriebskosten gedeckt werden. Im Juni 2018 bestätigten sich allerdings die Befürchtungen, dass diese Rechnung nicht aufgehen werde. Im Finanzausschuss räumte Köhler ein, dass nach aktuellen Berechnungen 425 000 Euro nötig seien, die allerdings zu großen Teilen durch Sponsoring gesichert werden sollen, so dass der städtische Anteil nicht steige.

Baugrube an der Düsteren Straße. Quelle: Christina Hinzmann

Die Verwaltung stehe im Kontakt zu möglichen Sponsoren. Erste konkrete Zusagen, beispielsweise von Sartorius, lägen bereits vor. Köhler versicherte den Göttinger Ratsfraktionen, dass das Geld zum Ausstellungsbeginn 2020 im städtischen Etatplan gedeckt sein werde, „ohne andere Kultureinrichtungen damit in irgendeiner Form zu belasten“.

Fraktionen lehnen Projekt ab

CDU, Grüne und FDP äußerten sich zuletzt dennoch offen ablehnend. Sie fühlten sich nicht erst durch die eingeräumte Kostensteigerung für Bau und Unterhaltung in ihren Befürchtungen bestätigt. Im Juni noch kündigte der baupolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Hans-Otto Arnold, an, man werde die Einstellung des Projekts beantragen. Die Grünen forderten, lieber in Bildung und Soziokultur statt in das Kuqua zu investieren. Für Felicitas Oldenburg (FDP) ist das Kuqua „ein Fass ohne Boden“, für Gerd Nier (Linke) ein „Prestigeprojekt für ,Großmannssucht’ der Stadt“. Und obwohl mittlerweile die Finanzierung der Baukosten durch das Engagement von Ottobock-Chef Hans Georg Näder gesichert sein dürfte, wird es nicht ruhiger um das Kuqua. So fordert Göttingens CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler ein nachhaltiges Finanzierungskonzept. „Die zentrale Frage dahinter bleibt: Können wir uns das leisten?“ Das Kuqua könne eine Bereicherung für die Stadt sein, das gute Konzept leide aber darunter, dass grundsätzliche Fragen nicht geklärt seien.

Allein der Plan, eine gemeinnützige GmbH zu gründen, um Sponsoren und Förderer für das Projekt zu werben, könne ein nachhaltiges Finanzierungskonzept nicht ersetzen, so Güntzler. Dabei wehrt sich der CDU-Finanzexperte gegen den SPD-Vorwurf, seine Partei handele provinziell und wolle den Aufbruch verhindern. Es sei nicht „provinziell“, nach den Kosten und der Finanzierung zu fragen, so Güntzler.

Von Markus Scharf

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