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Göttingen Kritik am islamischen Familienrecht
Die Region Göttingen Kritik am islamischen Familienrecht
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12:00 19.12.2018
Wie können islamische Werte in Einklang mit den demokratischen Errungenschaften der westlichen Gesellschaft gebracht werden?: Necla Kelek beim Workshop. Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen

„Das islamische Familienrecht stellt jede Frau unter die Obhut eines männlichen Vormunds“, berichtete die promovierte Soziologin und streitbare Publizistin bei einem Workshop der Gleichstellungsstelle des Landkreises Göttingen. 50 Beschäftigte von Jobcentern, Ausländerämtern und Frauenhäusern, von sozialpädagogischen Betreuungs- und Beratungseinrichtungen waren ins Kreishaus gekommen.

„Erst ist der Vater der Vormund, dann der Ehemann und nach dessen Tod der Sohn“, erläuterte Kelek. Der Haushaltsvorstand kontrolliere die Familienfinanzen und halte die Frau in Anhängigkeit. Sie kämpfe als Vorstandsmitglied der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes dafür, dass Flüchtlingsfauen ihr eigenes Konto erhielten, auf das staatliche Transferleistungen für die Frau und ihre Kinder überwiesen werde, sagte Kelek. Betreuer sollten darauf achten, dass Ehefrauen alle Verträge mitunterzeichneten.

Mädchen werden von ihren Brüdern und Cousins kontrolliert

In islamischen Gesellschaften hänge der gesellschaftliche Status einer Familie vom Ruf der Frauen ab, erläuterte Kelek. Damit Mädchen als Jungfrauen in die Ehe gingen, würden sie spätestens von der Pubertät an von Brüdern und Cousins streng beobachtet. Die Jungen würden dafür verantwortlich gemacht, dass die Mädchen sich züchtig kleideten, nicht unbeaufsichtigt mit Freundinnen Eis äßen oder gar alleine in die Disco gingen.

Kopftuch reduziert Frauen auf ihr Geschlecht

„Nach islamischer Vorstellung versetzt das unbedeckte Haar einer Frau Männer in Aufruhr“, führte die Soziologin aus. Von den Männern werde nicht erwartet, dass sie sich zügelten. Sie würden für die Belästigung von „unschicklich“ gekleideten Frauen auch nicht bestraft. Stattdessen würden die Frauen unter Druck gesetzt, ihre Reize zu verhüllen. Das Kopftuch sei Ausdruck eines Weltbildes, das Frauen auf ihr Geschlecht reduziere und sie zu Demut gegenüber den Männern zwinge.

Ehemänner schließen ihre Frauen zuhause ein

„In islamischen Gesellschaften sollen Frauen das Haus möglichst nicht verlassen“, sagte Kelek. Oft übe der Vormund die Schlüsselgewalt aus und schließe die Frau zu Hause ein. Einmal habe sie bei einem Vortrag einen Eklat provoziert, als sie das dem örtlichen Vorsitzenden eines Integrationsrates vorgeworfen habe. Die Zurückdrängung der Frauen aus der Öffentlichkeit erschwere Hilfseinrichtungen und Ämtern die Kontaktaufnahme.

Minderjährige werden zwangsverheiratet

„In islamischen Gesellschaften stehen junge Menschen unter starkem Druck, früh zu heiraten“, berichtete die Publizistin. Ehen würden oft mit jemandem aus der weiteren Verwandtschaft arrangiert. Manchmal würden Minderjährige verheiratet. Kelek riet bei Hinweisen auf eine solche bevorstehende Hochzeit, das Jugendamt zu informieren. Es mache die Eltern darauf aufmerksam, dass sie eine Straftat begehen würden, selbst wenn die Ehe im Ausland abgeschlossen werde. Außerdem registrierten sie die Namen der Kinder und kontrollierten, ob diese weiterhin zur Schule gingen.

Kritik an Moscheen und Islamverbänden

„Die Vorbeter in den Moscheen fordern Muslime auf, das islamische Familienrecht einzuhalten“, sagte Kelek. Die großen Islamverbände forderten seit den 80er-Jahren gegenüber dem deutschen Staat ein, dass Muslime das Familienrecht praktizieren könnten. Mädchen würden dann vom Schwimmunterricht abgemeldet. Sie müssten schon in jungen Jahren in der Schule ein Kopftuch tragen. Die deutsche Gesellschaft mache Zugeständnisse. Sie erkenne nicht, dass das islamische Familienrecht nicht mit dem Grundgesetz zu vereinen sei. Die Diskussion war lebhaft.

Von Michael Caspar

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