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Göttingen Neonazi-Vorwürfe gegen AfD-Vorstand Lennard Rudolph
Die Region Göttingen Neonazi-Vorwürfe gegen AfD-Vorstand Lennard Rudolph
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00:18 27.06.2013
Von Michael Brakemeier
Foto des Anstoßes: für die A.L.I. Beweis, für die AfD eine Montage.
Foto des Anstoßes: für die A.L.I. Beweis, für die AfD eine Montage. Quelle: EF
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Göttingen

Die A.L.I. begründet ihren Vorwurf mit einem Foto auf Rudolphs Facebook-Profil. Es zeigt ihn mit Hitlergruß. In Rudolphs „Gefällt mir“-Angaben fänden sich neben der JN (Junge Nationaldemokraten) und NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) auch das für die Massenvernichtung in Konzentrationslagern eingesetzte Giftgas „Zyklon B“.

Verteilen rassistischer Flugblätter

Auch habe Rudolph offen im Internet damit geprahlt, Mitglied der JN zu sein und gemeinsam mit dem Vorsitzenden des NPD-Unterbezirks Göttingen, Marco Borrmann, beim Verteilen rassistischer NPD-Flugblätter im September 2012 in Friedland beteiligt gewesen zu sein. Gleichzeitig fanden sich auf dem Youtube-Kanal des Politikers Sympathiebekundungen für Lieder des rechten Liedermacher Frank Reinicke.

Aufgefallen „durch Übergriffe und Provokationen“

Nach Angaben der A.L.I. sei Rudolph zuletzt Ende 2012 „durch Übergriffe und Provokationen“ am Rand der monatlich stattfinden Anti-Atom Mahnwache aufgefallen. Dort habe er einen Aktivisten der Mahnwache angegriffen und versucht, diesem mit Schlägen eine Kamera aus der Hand zu schlagen Weiter soll er auf einer anderen Kundgebung mit „Deutschland den Deutschen“ und anderen aus der rechten Szene bekannten Parolen provoziert haben.

Rudolph weist die Anschuldigungen zurück. Gegenüber dem Tageblatt gibt er an, dass es sich bei dem Foto um eine Montage handele, die Unbekannte auf sein Facebook-Profil hochgeladen hätten. Sowohl sein Facebook-Konto als auch sein Youtube-Konto seien gehackt worden, so dass diese ohne sein Wissen manipuliert werden konnten. Ein Gerichtsverfahren gegen ihn wegen des auf dem Foto zu sehenden Hitlergrußes sei, so Rudolph, eingestellt worden.

Opfer einer „Hetzkampagne“

Er selbst sieht sich als Opfer einer „Hetzkampagne“, deren Hintergrund er in einer Auseinandersetzung mit „Mitgliedern der Antifa“ sieht. Diese habe sich im Herbst 2012 zugetragen, dabei sei er selbst angegriffen worden. In Zuge dessen habe die Polizei ermittelt. Rudolph beteuert, sich von nationalistischem Gedankengut zu distanzieren, wie er sich überhaupt von „jeglicher extremistischer Politik“ distanziere.

Rechtliche Schritte gegen die A.L.I.

Der AfD-Kreisvorsitzende Matthias Hans und Rudolph kündigten gegenüber dem Tageblatt rechtliche Schritte gegen die A.L.I. an. Man habe, so Hans, die Vorwürfe im AfD-Vorstand diskutiert und Rudolph nach jetzigem Erkenntnisstand „alle Unterstützung“ zugesichert.

Schriftliche Stellungnahme

Am späten Montagabend hat Rudolph eine persönliche Stellungnahme abgegeben. "Sämtliche in der Presseinformation erhobenen Vorwürfe der A.L.I., die mich in Verbindung mit rechtsradikalem Gedankengut oder sonstiger rechtsradikaler Aktivitäten bringen, entbehren jeglicher Grundlage und besitzen keinerlei Wahrheitsgehalt", heißt es darin. Bezüglich seines Facebookprofiles stimme er den gemachten Äußerungen der A.L.I. zu. "Nur stammen diese Inhalte nicht von mir, sondern sind Folge eines Profilhacks. Dieser Umstand wurde seinerzeit durch mich auch an die Göttinger Polizei herangetragen und von dieser leider ergebnislos verfolgt", gibt Rudolph an.

Marco Borrmann sei ihm bislang nur aus der Presse bekannt. "Ich habe niemals NPD-Flugblätter verteilt und war auch niemals Mitglied in der NPD, ihrer Jugendorganisation, den jungen Nationaldemokraten, noch sonstiger radikaler Gruppierungen oder Organisationen", sagt Rudolph. Und weiter: "Ich habe die A.L.I. heute schriftlich durch meinen Rechtsanwalt aufgefordert, ihre Pressemitteilung binnen 24 Stunden zu widerrufen und zukünftig Äußerungen dieser Art zu unterlassen, da ich ansonsten alle mir zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mittel ergreifen werde, um dieser Rufschädigung Herr zu werden."