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Göttingen Verwaltungsgebäude sprengt Kostenrahmen
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00:19 01.12.2017
Verwaltungsgebäude sprengt Kostenrahmen. Quelle: DPA
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Göttingen

Damit würde der bisherige Ansatz um mehr als ein Viertel überzogen. Mit dem Problem muss sich am Montag, 4. Dezember, der Wirtschafts- und Bauausschuss des Landkreises befassen.

Das zuständige Architekturbüro, erklärt die Kreisverwaltung, habe jetzt drei Varianten vorgestellt, die alle deutlich über dem alten Limit lägen. Am teuersten ist die Variante 3 mit bislang 4,55 Millionen Euro Mehrkosten, also gesamt 21,5 Millionen Euro. Dieses Modell sieht eine aktiven Kühlung und eine maschinelle Be- und Entlüftung der Büros sowie einer maschinelle Be- und Entlüftung in den Besprechungsräumen vor.

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In Variante 1 – 2,65 Millionen Euro teurer gegenüber den derzeit für die Haushaltsjahre 2017 bis 2019 veranschlagten Gesamtkosten – gibt es keine maschinelle Kühlung und keine Lüftung der Büroräume. Nur die Besprechungsräume werden über sogenannte Klimasplitgeräte aktiv gekühlt. Die Büroräume werden zwar beheizt, jedoch nicht gekühlt und nicht belüftet, dadurch gibt es auch keine freie Nachtkühlung. Lüften ist nur manuell über Fenster möglich. Die Besprechungsräume werden ebenfalls nicht maschinell be- und entlüftet.

Die billigste Variante 2 liegt immer noch 1,35 Millionen Euro über dem bisherigen Ansatz. Die entspricht technisch der Variante 1, sieht jedoch qualitative Vereinfachungen an Fassade, Fenster und Innenausbau vor.

Diese Kostenentwicklung hat die Kreisverwaltung jetzt veranlasst, als Alternative zum Neubau eine längerfristige, etwa zehnjährige Anmietung im Gothaer-Gebäudekomplex zu prüfen. Bislang hat der Mietvertrag eine Laufzeit bis in den April des Jahres 2022. Der aktuelle Mietpreis beläuft sich laut Angabe der Kreisverwaltung auf 7,35 Euro pro Quadratmeter, zuzüglich einer Bewirtschaftungspauschale von etwa vier Euro pro Quadratmeter.

Sollte allerdings das Mietverhältnis anstelle der Neubaulösung verlängert werden müssen, drohten „eine Anpassung des Gebäudestandards“ und damit höhere Kosten. Diese Modernisierung umfasse die Erneuerung der Fensterelemente inklusive Sonnenschutz, die Erneuerung der Personenaufzüge und „die schalltechnische Ertüchtigung von Bürotrennwänden“. Das bedeute „in Abhängigkeit des Anpassungsstandards“ eine Erhöhung des neuen Mietpreises auf 9,80 Euro bis 12,80 Euro pro Quadratmeter – zuzüglich Nebenkosten.

Auch weil die Verwaltung wegen der „aktuellen Erfahrungen bei der Durchführung von anderen Baumaßnahmen“ mittlerweile Zweifel an der Einhaltung der ursprünglich angesetzten Bauzeit hat, hält sie eine mögliche Sonderkündigung der Gothaer-Immobilie für „sehr risikobehaftet“: „Auf Grund der Konjunkturlage beteiligen sich deutlich weniger Bieter an den Vergabeverfahren. Veränderte Vergaberichtlinien und die jeweiligen Rechtsprechungen hinsichtlich der Wertbarkeit von Angeboten führen dazu, dass vermehrt Vergabeverfahren wiederholt werden mussten.“ Als Beispiel nennt die Kreisverwaltung das Vergabeverfahren für die Rohbauarbeiten für den Neubau der Dreifeldsporthalle in Groß Schneen: Das Vergabeverfahren habe wiederholt werden müssen, da im ersten Durchgang kein Angebot eingegangen sei: „Dies hatte letztendlich eine Zeitverzögerung von zwei Monaten und eine Überschreitung des Kostenrahmens dieses Gewerks um etwa 30 Prozent zur Folge.“ Und: „Verzögerungen bei der Fertigstellung, aber auch Kostensteigerungen sind die Folge dieser Entwicklung.“

Eine nicht termingerechte Fertigstellung des Neubaus an der Carl-Zeiss-Straße berge zudem im Falle einer anderweitigen Vermietung der Räume „die Gefahr eines kosten- und arbeitsintensiven Zwischenumzugs von etwa 150 Beschäftigten, sofern geeignete Mietobjekte überhaupt zur Verfügung stehen“. Die deutlich sichere Variante ist demzufolge ein Auszug zum Ende der vertraglich geregelten Mietdauer im April 2022.

Ein verzögerter Beginn des Neubaus Anfang 2020 werde zudem die Kosten weiter erhöhen: Wegen der konjunkturbedingt weiter steigenden Baupreise nimmt die Verwaltung eine jährliche Preissteigerung von sechs Prozent an, die das Investitionsvolumen um mindestens 1,8 Millionen Euro erhöhen.

Die Sitzung des Wirtschafts und Bauausschusses am 4. Dezember in Saal 018 des Göttinger Kreishauses, Reinhäuser Landstraße 4, beginnt um 15 Uhr.

Von Matthias Heinzel

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