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Göttingen Neue Dauerausstellung
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00:31 21.04.2018
Die neue Dauerausstellung im Städtischen Museum. Foto: Kuratorin Andrea Rechenberg und Museumsleiter Erich Böhme mit drei neuen Tafel Emporenmalerei, die vermutlich aus der Nikolaikirche stammen. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

„Zu Beginn der Sanierung des Museumsgebäudes im Jahr 2008 ist die alte Dauerausstellung, die ausführlich über Göttingens Geschichte informierte, abgebaut worden“, sagt Museumsleiter Ernst Böhme. „Da die Sanierung vor drei Jahren ins Stocken geriet, Touristen aber Informationen über die Stadtgeschichte erwarten, haben wir uns zu einer Neukonzeption der vorhandenen Kirchenkunstausstellung entschlossen“, berichtet Rechenberg.

Wirtschaftskrise in der Tuchmacherstadt

Die Kuratorin stützte sich dabei auf die Sonderausstellung, die im vergangenen Jahr den Beginn der Reformation in Göttingen 1529 zum Thema hatte. Die seit dem Jahr 1200 aufstrebende Tuchmacherstadt, deren dörflichen Anfänge bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen, war Mitte des 15. Jahrhunderts in einer Wirtschaftskrise geraten, erfahren Besucher. Der von Kaufleuten getragene Rat siedelte von 1470 an Wollweber aus Flandern in der Stadt an. Sie sollten der nicht mehr konkurrenzfähigen Tuchproduktion neue Impulse geben.

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In der Folge verschoben sich die Machtverhältnisse in Göttingen, heißt es in der Ausstellung. Selbstbewusste Handwerker forderten eine Beteiligung an der politischen Macht. Als sie sich – in Abgrenzung zur alten, katholischen Oberschicht – der Reformation anschlossen, bekam ihr Kampf zusätzlich eine religiöse Komponente. „Die Welt war damals auch aufgrund der großen Entdeckungsreisen im Umbruch“, erläutert Rechenberg. Exotische Tiere wurden bekannt. Die Ausstellung zeigt das anhand eines Löffelgriffs, der die Gestalt eines Papageis hat.

Göttingen wird 1530 evangelisch

„1530 nahm Göttingen das lutherische Bekenntnis ab“, berichtet Rechenberg. Die damals in Kraft getretene Kirchenordnung sah die Errichtung von Schulen vor, damit die Menschen selbst die Bibel lesen konnten. „Die bereits bestehende Lateinschule, die Jungen auf das Studium vorbereitete, wurde zur Keimzelle der 1734 gegründeten Universität“, sagt Böhme. Die Küster der Stadtkirchen sollten Kinder und Erwachsene in die neue Glaubenslehre einführen. Später brachten sie Jungen das Lesen und Schreiben bei. Seit 1593 lässt sich in Göttingen eine Mädchenschule nachweisen.

Die Ausstellung informiert über den damals aufgekommenen Buchdruck und die Flugschriften, die von den Reformatoren intensiv genutzt wurden. Es gibt eine Spindelpresse zu sehen, die zur Herstellung von Büchern diente. An einem Pult können Besucher das Schreiben mit einer in Tinte getauchten Gänsefeder erproben.

Bilder, Holzfiguren, Kirchenfenster

„In der alten Kirche war der auf Latein gehaltene Gottesdienst für die meisten Menschen unverständlich“, berichtet Rechenberg. Um so wichtiger waren für die Vermittlung religiösen Wissens Bilder, aus Holz geschnitzte Figuren und die Darstellungen auf den Kirchenfenstern. Mit der Reformation übernahm die auf Deutsch gehaltene Predigt diese Funktion. Dass Bilder in evangelischen Kirchen nicht völlig an Bedeutung verloren, zeigt die Ausstellung mit drei Gemälden, die vermutlich die Empore der Nikolaikirche schmückten. Sie sind anlässlich des Reformationsjahrs restauriert und in Hannover gezeigt worden.

In Göttingen abgebaut und eingelagert wurde der prachtvolle, gotische Flügelaltar der zum Barfüßerkloster gehörenden Kirche. Das Gebäude im Bereich des heutigen Wilhelmsplatzes wurde im 19. Jahrhundert abgerissen. Der König in Hannover erwarb den Altar für das heutige Landesmuseum. In der neuen Dauerausstellung gibt es eine Miniversion des Altars zu betrachten.

Eintritt frei

„An der Neukonzeption hat die wissenschaftliche Volontärin des Museums, Izabela Mihaljevic, mitgearbeitet“, berichtet Rechenberg. Handwerklich umgesetzt hätten die Ideen Tischlermeisterin Silke Stegemann und ihr Mitarbeiter Horst Leibeling. Die Dauerausstellung ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Besuch ist kostenlos.

Von Michael Caspar

21.04.2018
18.04.2018