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Göttingen Neue Formel für Gaspreis-Abschlag bereinigt
Die Region Göttingen Neue Formel für Gaspreis-Abschlag bereinigt
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20:43 26.02.2016
Von Ulrich Schubert
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Der Freude im vergangenen Jahr folgt ein Schreck in diesem. Etwa neun Millionen Euro musste die Göttinger Stadtwerke AG Anfang 2015 nach zwei sehr milden Wintern ihren Kunden zurückerstatten. Zugleich wurden die monatlichen Abschlagszahlen nach unten korrigiert - eine seit vielen Jahren geübte Praxis. Jetzt folgt die Gegenbewegung: 2015 war nach Angaben der Stadtwerke ein vergleichsweise kaltes Jahr, es wurde mehr geheizt und Gas verbraucht.

Um etwa sieben Prozent sei der Verbrauch gestiegen, so Claudia Weitemeyer, Sprecherin der Gesellschaft. Folge: Viele Kunden müssen ordentliche nachzahlen, weil die vor einem Jahr nach unten korrigierte Abschlagssumme zu gering war. Auf etwa 3,75 Millionen Euro belaufe sich die summierte Nachforderung an die 21400 Stadtwerke-Kunden, ergänzt Niels Fascher aus der Abteilung Handel und Vertrieb. Zugleich wurden mit den Abrechnungen neue - meist höhere - monatliche Abschlagszahlungen festgelegt.

Und die scheinen auf den ersten Blick gar nicht zum Mehrverbrauch im Vorjahr zu passen - aus gutem Grund. Zum ersten Mal habe die Stadtwerke AG die Abschläge nach einem neuen Verfahren ermittelt, bestätigt Fascher.

Dabei würden nicht mehr alleine der Verbrauch im Vorjahr und der aktuelle Gaspreis hinzugezogen. Künftig werde mit der sogenannten Gradtagszahl auch ein Durchschnittswert der Temperatur berücksichtigt - für jeweils zehn Jahre. Mit diesem Mittelwert lasse sich für jeden Haushalt auch eine Art Soll-Abschlag ermitteln.

Extreme Sprünge nach oben oder unten durch Wetterkapriolen ließen sich so auffangen. Das habe allerdings auch zur Folge, dass Kunden nach einem warmen Jahr mit geringem Verbrauch unter Umständen monatlich weiterhin mehr zahlen, als sie erwarten.

Gradtagszahl

Gradtagszahlen werden vom Deutschen Wetterdienst errechnet und auch für kleinräumige Regionen zur Verfügung gestellt. Die Gradtagszahl stellt einen Zusammenhang zwischen Raumtemperatur und Außenlufttemperatur her.

Mit ihr lässt sich berechnen, wie viel Heizenergie ein Haushalt bei normaler Witterung verbraucht hätte. Sie ermöglicht also eine witterungsbedingte Bereinigung des tatsächlichen Verbrauches. Wird sie über Monate oder Jahre betrachtet, lassen sich Mittelwerte errechnen.

Mit der Gradtagszahl können dann zum Beispiel nach einem kalten Jahr mit besonders hohem Heizbedarf die Abschlagszahlungen für das voraussichtlich normale Folgejahr entsprechend nach unten korrigiert werden. us